Schöftland
18 Jahre im Dienst der Kirche – nun wird sie pensioniert

Die Sekretärin der Reformierten Kirchgemeinde, Jeanne Hauri, wird nachfast zwei Jahrzehnten pensioniert – eigentlich wollte sie Gemeindeschreiberin werden. Als man ihr sagte, dass die Berufe ähnlich sind, sagte sie sofort zu.

Christine Wullschleger
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Jeanne Hauri vor der reformierten Kirche in Schöftland. Christine Wullschleger

Jeanne Hauri vor der reformierten Kirche in Schöftland. Christine Wullschleger

Christine Wullschleger

Es war nur eine Pfanne, die vor einigen Jahren im Schöftler Kirchgemeindehaus als vermisst gemeldet wurde. Wie sie abhandengekommen war, bleibt bis heute ungeklärt.

Denn bei der Sekretärin Jeanne Hauri gingen keine Zeugenaussagen ein, die Pfanne blieb verschollen. Jeanne Hauri kümmerte sich nicht nur um die Löhne, das Budget oder um Einladungsschreiben, sondern auch um kleine Dinge, wie diese vermisste Pfanne. «Erst kürzlich verschwand wieder eine Pfanne, sie ist jedoch mittlerweile wieder aufgetaucht», sagt sie und lacht.

Dass Jeanne Hauri vor 18 Jahren die Stelle als Sekretärin der Reformierten Kirchgemeinde Schöftland überhaupt annahm, ist auf ein einziges Wort zurückzuführen: Gemeindeschreiber. Dieses fiel nämlich während Bewerbungsgespräches im Schöftler Kafistübli. Doch dazu später.

Traum: Gemeindeschreiberin

Jeanne Hauri wuchs in Reitnau auf. Sie machte auf der Gemeindekanzlei eine Kaufmännische Lehre. Ihr Traumberuf war Gemeindeschreiberin. «Doch damals war dies noch eine Männerdomäne», sagt sie heute.

Nach der Lehre ging sie zwei Jahre in die Bibelschule nach Chrischona bei Basel. «Ich wollte mehr über die Bibel und ihre Hintergründe lernen», sagt sie. Der Glaube begleitet sie schon seit ihrer Kindheit. Damals ging sie in die Sonntagsschule. «Der Glaube gibt mir Lebensinhalt und Boden unter den Füssen.»

Nach der Bibelschule wagte sie den Sprung in die weite Welt. Sie nahm eine Stelle bei der Überseeischen Missionsgemeinschaft an. In Japan, genauer in Sapporo. 14 Jahre blieb sie dort, erledigte die Sekretariatsarbeiten, lernte japanisch.

Sie unterrichtete die Sonntagsschule und Englisch. «Erst im Ausland habe ich gemerkt, wie patriotisch ich bin und wie wichtig mir die Schweizer Tradition ist», sagt sie. «Es war jedoch spannend, mit Menschen aus allen Kontinenten zusammenzuarbeiten. Dabei lernte ich fremde Kulturen, Traditionen und Religionen kennen – und erlebte nebst unglaublich Schönem auch ab und zu Befremdliches.»

Nie vergessen werde sie ihre erste buddhistische Beerdigung. Noch heute überkommt Jeanne Hauri Hühnerhaut, wenn sie sich an jenen heissen Sommertag vor fast 40 Jahren erinnert: «Mitten in der grossen, schwarz gekleideten Trauerschar stand ich unweit vom hölzernen Sarg. Der schwere Deckel wurde geschlossen und mit wuchtigen Hammerschlägen zugenagelt. Daneben standen die ‹Klageweiber›, die laut heulten.»

Nach 14 Jahren kehrte sie in die Schweiz zurück und arbeitete zuerst acht Jahre in Zürich. Da wurde sie auf die Stelle bei der reformierten Kirchgemeinde in Schöftland aufmerksam.

«Ich hatte während des Vorstellungsgesprächs kein gutes Gefühl, aber man sagte mir, dass meine Arbeit ähnlich jener des Gemeindeschreibers wäre», sagt Jeanne Hauri. «Als dieses Wort fiel, habe ich sofort Ja gesagt.»

Die Arbeit gefiel ihr. Sie schrieb Protokolle und Briefe, trug Taufen, Konfirmationen, Trauungen und Beerdigungen in die grossen, dicken Archiv-Bücher ein, berechnete Löhne, behielt die Versicherungen im Auge, erarbeitete Budgets und machte die Jahresabschlüsse.

«Oft war ich erste Ansprechperson, wenn es um Taufen, Hochzeiten oder Beerdigungen ging», sagt sie. Sie arbeitete in einem 90-Prozent-Pensum, alleine. «Das hat mir gepasst.» Bei eintöniger Arbeit hörte sie Radio.

Reise zurück nach Japan

Mittlerweile sind 18 Jahre vergangen. Jeanne Hauri lebt heute wieder in Reitnau. Sie hat 14 Pfarrpersonen und diakonische Mitarbeitende kommen und gehen sehen und hat die Umstellung aufs Internet mitgemacht.

Nun wird sie Ende Jahr pensioniert. Seit einiger Zeit schreibt sie auf, was sie danach gern tun möchte. Die Liste ist schon ziemlich lang. Ganz oben steht, dass sie sich mehr um Menschen kümmern will.

«Zwar bin ich ein Zahlenmensch, aber vielleicht lässt sich dies noch umpolen.» Bereits hat sie im Altersheim angefragt, ob sie in der Cafeteria helfen kann. Sie will mehr Besuche bei Bekannten und Verwandten machen und an den Fremdsprachen Japanisch und Französisch arbeiten.

Und sie will Neues lernen: Vielleicht ein Instrument, etwas im handwerklichen Bereich oder etwas rund um den Computer und das Internet. Im nächsten Herbst will sie zusammen mit ihrer Zwillingsschwester wieder nach Japan reisen – an den Ort, wo sie 14 Jahre gearbeitet hat.