Kinder und Hort

Wie viel Platz braucht ein Kind zum Essen?

Der Kanton Solothurn setzt auf gesunde Ernährung

Kinder treffen auf unterschiedliche Voraussetzungen in Krippen und Horten

Der Kanton Solothurn setzt auf gesunde Ernährung

Unhaltbare Zustände in pädagogisch umstrittenen Kinderkrippen und überfüllten Horten geben immer wieder zu reden. Jüngstes Beispiel: Zürich. Dort müssen die Kinder in den Gängen essen. Wie ist die Situation in den Kantonen Solothurn und Aargau?

Die Horte in der Stadt Zürich sind überfüllt. Die minimalen Platzanforderungen von vier Quadratmeter pro Kind werden nicht eingehalten. Die Kinder müssen teilweise in den Gängen essen. 262 Betreuungspersonen haben deshalb letzte Woche einen offenen Brief an die Kreisschulpflegen der Stadt Zürich unterschrieben. Sie fordern, dass die Horte nicht nach Platzbedarf, sondern nach pädagogischen Richtlinien belegt werden. Dies berichtet der «Tages-Anzeiger».

Der Kanton Solothurn kennt dieses Problem mit überfüllten Horten nicht. Obwohl man in der Vergangenheit «manchmal beengende Verhältnisse» festgestellt hat und vereinzelt etwas beanstanden musste, gebe es heute keine Probleme, sagt Claudia Hänzi, die Abteilungsleiterin «Familie und Familienschutz» beim Amt für Soziale Sicherheit in Solothurn. «Wir haben aber sicher noch Nachholbedarf punkto Plätze». Was noch fehle, seien günstige Plätze in Kindertagesstätten.

«Nicht gerade grosszügig»

Auch der Kanton Solothurn kennt Richtlinien für die Kinderbetreuung. «Pro Gruppe zwischen 10 und 12 Kindern sind mindestens 60 Quadratmeter rein für die Spielfläche, verteilt auf zwei Räume, vorgeschrieben», weiss Hänzi. Darin nicht einberechnet seien die sanitären Anlagen oder die Küche. Ob die Kinderkrippen und Horte diese Vorschrift einhalten würden, überprüfe der Kanton regelmässig.

Nicht nur die Fläche, sondern auch die Raumaufteilung sei wichtig bei der Beurteilung. So spiele beispielsweise die Anzahl Gruppenräume eine Rolle, führt Claudia Hänzi aus. Jede Gruppe müsse ihren eigenen Raum zur Verfügung haben, damit die Kinder sich zurückziehen können. Getrennt essen sei nicht zwingend. Es gebe durchaus spannende Kombinationsangebote, wo Kinder aus Krippe (Kinder im Vorschulalter) und Hort (Betreuung vor und nach der Schule) gemeinsam speisen oder andere Angebote nutzen würden.

«Der Bereich Hort ist im Aufbau»

Im Gegensatz zu Solothurn gibt es im Aargau noch keine kantonalen Regelungen für Krippen und Horte. «Es gilt vielmehr die eidgenössische Verordnung über die Aufnahme von Kindern zur Pflege und zur Adoption (PAVO), die ihrerseits durch die neue Kinderbetreuungsverordnung des Bundes abgelöst werden soll», sagt Balz Bruder vom Departement für Gesundheit und Soziales.

Der Aargau hat aber im Bereich der Kitas Nachholbedarf festgestellt und arbeitet an einer Teilrevision des Sozialhilfe- und Präventionsgesetzes. Dieses soll voraussichtlich am 1. Januar 2013 in Kraft treten und die familienergänzende Kinderbetreuung verpflichtend verankern.

Auch gesamtschweizerisch tut sich etwas: «Der Bereich Hort ist im Aufbau, nicht nur bei Kindertagesstätten», weiss Talin Stoffel, Geschäftsleiterin Verband Kindertagesstätten Schweiz (KiTaS). KiTaS wird nun auch Richtlinien für die schulergänzende Betreuung erarbeiten. «Das ist etwas, was wir in der nächsten Zeit angehen werden.» Wann genau, sei noch unklar.

Kanton hat keine Aufsichtspflicht

Die Kitas befinden sich im Aargau immer noch unter der Obhut der Gemeinden. Würden Probleme auftreten, müssten diese vor Ort gelöst werden, sagt Balz Bruder. Es sei denn, es handle sich um Missstände, die zum Beispiel strafrechtlich verfolgt werden müssten.

Von ähnlichen Missständen wie in Zürich will Bruder nichts wissen. Eine Ausnahme gibt es jedoch: Der bekannte Fall des «Chinderhuus» in Aarburg vom letzten Jahr (siehe Box). Wie Bruder betont, «hat der Kanton aber keine Aufsichtspflicht gegenüber den Institutionen.»

Meistgesehen

Artboard 1