Aargau
Wie gefährlich ist die neue Pistole der Kantonspolizei?

Der Kanton kauft für 900 000 Franken 630 Dienstwaffen der Marke Heckler & Koch. Mit den neuen Pistolen kam es in Zürich bereits zu drei Unfällen.

Michael Spillmann
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Die Neue

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ZVG

Die Kantonspolizei bewaffnet sich neu. Ab Januar 2011 werden die Kantonspolizistinnen und Kantonspolizisten mit einer Waffe vom Typ Heckler&Koch P30 ausgerüstet. Die Kosten für die 630 Pistolen belaufen sich inklusive Zubehör sowie Ersatz- und Schulungsmaterial auf total 900000 Franken.

Die Sicherungsfrage

Heckler&Koch bieten verschiedene Abzugssysteme für die «derzeit modernste Polizeipistole», die P30, an. Um etwa in Notwehr schnell schiessen zu können, verfügen Polizeimodelle oft über keine mechanische Sicherung - auch der von der Kapo Aargau bestellte Typ nicht. Da der Schlagbolzen nicht gespannt ist, dient der grössere Abzugswiderstand als Sicherung. Bei nachfolgenden Schussabgaben ist der Widerstand geringer. Die P30 verfügt aber über einen Hebel, um den Bolzen wieder zu entspannen. Im Kanton Zürich kam es 2010 mit der P30 zu drei Unfällen. In zwei Fällen löste sich beim Verstauen der Waffe ein Schuss. Die Zürcher Polizei entschied darauf, die Holster auszuwechseln. (spi)

«Zu wissen, dass man auf dem neuesten Stand ist, ist für die Polizisten psychologisch sehr wichtig», erklärt Daniel Heggli, Dienstchef Sicherheitspolizei bei der Kapo. Seit 1992 und bis Ende Jahr sind die Kantonspolizisten mit einer SIG Sauer P228 bewaffnet. «Die Lebensdauer einer Dienstwaffe beträgt ungefähr 20 Jahre», so Polizeikommandant Stephan Reinhardt. Bereits früh hatten die Verantwortlichen nach einem möglichen Nachfolgemodell Ausschau gehalten. Schliesslich führte eine interne Evaluation zum Modell der deutschen Firma Heckler & Koch.

Standardisierung mit Polizeischule

Wie der Polizeikommandant schildert, seien verschiedene Kriterien für diese Wahl ausschlaggebend gewesen: erstens die Anforderungen, was eine Waffe heute alles können muss. Zweitens durfte es keine Pistole sein, die sich in der Bedienung zu stark von der alten Dienstwaffe unterscheidet. Weiter war die gesamtschweizerische Standardisierung im Zusammenhang mit der Interkantonalen Polizeischule in Hitzkirch LU einer der Gründe, weshalb die Wahl auf die Heckler & Koch fiel. Kommandant Stephan Reinhardt: «Die P30 wird in der Deutschschweiz bereits von zahlreichen Polizeikorps benutzt.»

Der Kaufvertrag mit der deutschen Firma ist unterzeichnet. Die ersten Lieferungen sollen im November und Dezember ins Polizeikommando in Aarau geliefert werden. Nur die Teilnehmer der jüngsten Polizeischule 02/10 durften die neue Waffe bereits in Empfang nehmen. Der Grossteil der rund 570 Korpsangehörigen erhält die neue Waffe ab Januar 2010. Die Waffen, die übrig bleiben, sollen für künftige Polizeischulen aufgespart werden.

Schulung vor dem Einsatz

Alle Korpsangehörigen müssen mit der neuen Waffe ein intensives Training absolvieren und danach eine theoretische und eine praktische Prüfung ablegen. «Es gibt ein Drilltraining», prophezeit Dienstchef Daniel Heggli. Er betont aber: «Die Bedienung der Waffe wird einfacher. Neu schiessen lernen muss mit
der Waffe niemand.» Zur gelieferten Pistole gehören unter anderem ein Lichtmodul mit eingebauter Schiene, ein Ersatzmagazin, eine Trainingswaffe, verschiedene Holstertypen und Ersatzmaterial.

«Verhindert Querschläger»

Ins Magazin der neuen Heckler&Koch P30 passen 15 Schuss, was 2 mehr sind als bei der alten Dienstwaffe, der SIG Sauer. Bei der Munition Standard ist seit Jahren die so genannte Mann-Stopp-Munition (auch Deformationsmunition), deren Projektile sich im Körper ausdehnen und stecken bleiben – und somit Dritte weniger gefährden. Die Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren hatte 2006 entschieden, die Mann-Stopp-Munition auch bei den kantonalen Polizeikorps einzusetzen. «Die Spezialmunition verhindert durch ihre Eigenschaft gefährliche Querschläger», betont Polizeikommandant Stephan Reinhardt.

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