Vereinsgründung
«Zur Auseinandersetzung und Meinungsbildung»: Im Raumforum Aargau sollen sich die Menschen künftig treffen

Der neu gegründete Verein Raumforum Aargau führte im Stapferhaus Lenzburg seine Startveranstaltung durch.

Dieter Minder
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Der Vorstand des neu gegründeten Vereins Raumforum Aargau vor der Autobahnraststätte Würenlos, dem sogenannten «Fressbalken».Verena Frey, Rainer Zulauf, Maja Stoos, Samuel Flükiger, Beat Schneider, Rafael Zulauf (von links).

Der Vorstand des neu gegründeten Vereins Raumforum Aargau vor der Autobahnraststätte Würenlos, dem sogenannten «Fressbalken».
Verena Frey, Rainer Zulauf, Maja Stoos, Samuel Flükiger, Beat Schneider, Rafael Zulauf (von links).

Aargauer Zeitung

«Die Idee zum Raumforum Aargau ist aus der Feststellung entstanden, dass es unter anderem in Bern, Basel, Thun, Winterthur und Langenthal solche Diskussionsforen, gibt aber keines im Aargau», begrüsste Vereinspräsident Beat Schneider rund 80 Personen im Stapferhaus Lenzburg. Sie waren auf Einladung des neu gegründeten Vereins Raumforum Aargau an dessen Startveranstaltung gekommen. Diese stand unter dem Jahresthema «Treffpunkt Aargau», das 2022 behandelt wird.

Der Verein will, so die Statuten, «eine Plattform zur Auseinandersetzung und Meinungsbildung über raumprägende planerische, kulturelle Themen und deren Vernetzung im Kontext der Architektur und Landschaft schaffen und betreiben.» Angesprochen werden dabei Fachleute, Behörden und auch ein interessiertes Publikum.

«Wir planen jährlich etwa drei Anlässe zu einem bestimmten Thema», sagt Vorstandsmitglied Rafael Zulauf. Der Verein strebt öffentliche Diskussionen über Projekte und Herausforderungen mit Fokus auf den Aargau an. Daraus können Eingaben an Behörden oder Informationen für Medien entstehen. Ebenso hat der Verein die Möglichkeit Volksbegehren zu lancieren oder zu unterstützen.

Aussenraum: Vom Forum Romanum zum Internet

Den fachlichen Auftakt für die Aktivitäten des Forums bildete das Referat von Architekt und Bildhauer Christoph Haerle. Er beleuchtete den «Aussenraum» und dessen Entwicklung über die Jahrhunderte. Der historisch gesehen bekannteste Aussenraum ist das Forum in Rom. Mit seinem Namen knüpft das Raumforum Aargau an diese Tradition an. Auf dem Forum konzentrierte sich das öffentliche Leben, hier fanden Märkte statt, hier wurde Recht gesprochen und hier standen die Statuen und Tempel der Götter. Im Laufe der Zeit wandelte sich dieser öffentliche Raum.

Haerle zeigte an Beispielen aus Italien wie der eng umbaute Raum immer mehr geöffnet wurde und sich wandelte. Unter totalitären Regimen wurde der Aussenraum zur Präsentationsorten der Macht. Er veranschaulichte dies mit Bildern der Aufmarschachsen der italienischen Faschisten, der Nationalsozialisten in Deutschland und der Kommunisten mit dem Roten Platz in Moskau hin. «Der öffentliche Raum wird immer mehr beansprucht», stellte Haerle fest. Diese Aussage unterstrich er mit Hinweisen auf die Loveparade, Umzüge oder Stadtläufe. Er stellte dazu die Frage: «Wann wird es zuviel?» Abschliessend verwies Haerle auf eine neue Form des öffentlichen Raums; den virtuellen Raum, entstanden durch das Internet.

Vom Shoppi Tivoli durch die Telli nach Bad Zurzach

Drei Anlässe stehen 2022 auf dem Programm des Raum- forum: Shoppi Tivoli Spreitenbach, Telli Aarau und Bad Zurzach. «Das Shoppi Tivoli ist ein privater Raum mit einer grossen Bedeutung für die Öffentlichkeit», sagte Samuel Flückiger, der den Anlass kurz vorstellte.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden zuerst einen Rundblick vom Hochhaus aus geniessen. Danach wird sie Patrick Stäuble, Leiter des Shoppi Tivoli, durch das Einkaufszentrum führen. Weiter wird es gehen mit Fachreferaten und schliesslich einer Diskussion. «In der Telli Aarau werden wir die Situation zwischen Grosssiedlung und Fluss behandeln», führte Verena Frey zum zweiten geplanten Anlass aus. Beginnen wird der Rundgang unter den erneuerten Arkaden der Mehrfamilienhäuser. Dann geht es durch den denkmalgeschützten Park zu den Auen an der Aare. Dabei soll auch die Beteiligung der Bewohner am Sanierungsprojekt thematisiert werden.

Bad Zurzach: Fusionen und Umfahrungen

Beim dritten Anlass des Raumforums wird die Situation in Bad Zurzach beleuchtet. «Der Ort steht in einer grossen Wandlung», sagte Rainer Zulauf. Auf 2022 hin fusionieren acht eigenständige Gemeinden zur neuen Gemeinde Bad Zurzach. Ergänzend zur Nordumfahrung wird zur Zeit die Ostumfahrung gebaut. Mit deren Eröffnung wird der Flecken, die Bad Zurzach bezeichnet wird, vom Durchgangsverkehr befreit. Danach können auch die Strassen neu genutzt werden. Ein weiterer besonderer Aspekt ist die Randlage von Bad Zurzach. «Für uns besteht die Chance etwas zu lernen», schloss Zulauf seine Ausführungen.

Das Geschäftsjahr 2022 wird der Verein Raumforum mit seiner ersten Generalversammlung abschliessen. Bis dahin hofft Präsident Beat Schneider auf noch mehr Mitglieder und Gönner. Mit deren Beiträgen will sich das Raumforum finanzieren. Die einzelnen Anlässe sollen kostenlos sein.

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