Spitzenmedizin im PSI
Unterstützung für Protonentherapie

Die Gesundheitskommission des Nationalrates nimmt einen Vorstoss von Krankenkassen-Lobbyistin Ruth Humbel auf: Das Paul-Scherrer-Institut soll das einzige Protonentherapiezentrum der Schweiz bleiben.

Mathias Küng
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Das Paul-Scherrer-Institut (PSI) in Villigen soll auf Zusehen hin das einzige Protonentherapiezentrum der Schweiz bleiben. Und zwar bis zu dem Zeitpunkt, in dem weitere Indikationen (Krebsbehandlungen) als für die Krankenversicherung leistungspflichtig bezeichnet werden. Dies schlägt die Gesundheitskommission des Nationalrates mit 16:10 Stimmen vor.

Mit dieser Motion hat die Idee, die die Aargauer CVP-Nationalrätin und Gesundheitspolitikerin Ruth Humbel mittels parlamentarischer Initiative eingebracht hat, eine erste wichtige Hürde genommen. Humbel hatte zwar noch mehr gewollt. Sie wollte festschreiben lassen, dass am PSI bis 2020 das einzige schweizerische Protonentherapiezentrum bleiben soll. Doch sie ist mit der Motion zufrieden, wie sie gegenüber dieser Zeitung sagt.

Warnung vor neuem «Wettrüsten»

Warum der Vorstoss? Diese Therapie ist sehr teuer. Zudem soll ja hoch spezialisierte Medizin wie diejenige im PSI konzentriert angeboten werden. Humbel weiter: «Bevor die Kantone auch auf dem Gebiet der Protonentherapie ein «medizinisches Wettrüsten» beginnen und unnötigerweise Hunderte von Millionen Franken investieren, muss auf Bundesebene ein Entscheid für ein schweizerisches Protonenbehandlungszentrum am PSI gefällt werden.» Humbel ist überzeugt, dass von der Patientenzahl her heute kein Bedarf für weitere solche teure Therapiestationen bestehe.

Bei der Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK) hat man offenbar keine Einwände. Zentralsekretär Michael Jordi stellt fest, dass die Kommissionsmotion «inhaltlich auf derselben Linie liegt, wie die Entscheide, welche das Eidgenössische Departement des Innern und das Beschlussorgan der Kantone für die hoch spezialisierte Medizin bisher getroffen haben». Jordi verweist damit auf einen wichtigen GDK-Entscheid vom Mai letzten Jahres. «Im Interesse einer bedarfsgerechten, qualitativ hochstehenden und wirtschaftlich erbrachten medizinischen Versorgung» wurde damals beschlossen, die Protonentherapie dem PSI zuzuweisen «und auf die Zuweisung an ein zweites Zentrum zu verzichten.» Die aktuellen und neu geschaffenen Kapazitäten am PSI seien vorerst ausreichend. Der Entscheid gilt bis 2013.

Beschwerde ist noch hängig

Die Protonentherapie ist ausserordentlich zukunftsträchtig. Deswegen gibt es dafür in der Schweiz auch weitere Interessenten. Etwa die «Proton Therapy Center Switzerland» (PTC Zürichobersee). Sie plant in Galgenen (SZ) ein privates Projekt. Sie führt gegen den GDK-Entscheid vor dem Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Dies bestätigt Kommunikationschef Peter F. Schwegler. Den «finalen Entscheid» des Gerichts erwartet er in den nächsten Tagen.

Nicht nur Ruth Humbel ist auf Bundesebene in Sachen Protonentherapie tätig. So wollte die Aargauer SVP-Nationalrätin Sylvia Flückiger-Bäni via Interpellation vom Bundesrat unter anderem wissen, welche Strategie er verfolge. Und ob er die Auffassung teile, dass der Ausbau der klinischen Infrastrukturen – in Partnerschaft mit dem PSI – dringend notwendig sei. Laut bundesrätlicher Einschätzung vom Dezember sollten die Kapazitäten mit dem, was aufgegleist ist, reichen. In der Frage, ob ein neues Zentrum nötig ist oder nicht, gibt er den Ball weiter: Dies zu entscheiden, sei «Aufgabe der Kantone».