Sein Herz schlug für das Rettungswesen

Rega-Mitbegründer Walter Odermatt aus Brugg-Lauffohr ist 92-jährig verstorben.

Claudia Meier
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Walter Odermatt auf der Aarebrücke.

Walter Odermatt auf der Aarebrücke.

Bild: asp (Brugg, 12. November 2015)

Er war Postbeamter, Abenteurer, Berufsmilitär, Rega-Mitbegründer, Ehemann, zweifacher Vater und dreifacher Grossvater: Am 30. November ist der gebürtige Stanser Walter Odermatt im Alter von 92 Jahren verstorben.

Der bis vor zwei Jahren in Lauffohr lebende Odermatt hatte 1954 die Gelegenheit, mit drei Dutzend weiteren Schweizer Bergrettern eine Fallschirmspringer-Ausbildung bei der Royal Air Force in England zu absolvieren. Er, der gerne in den Innerschweizer Bergen unterwegs war, bekam früh mit, dass bei Unfällen die medizinische Hilfe oft zu spät kam oder dass sie ungenügend war. «Ich habe die Gefahren gesehen, die Hilflosigkeit. Mir wurde klar, dass man da etwas tun muss», schilderte Odermatt im November 2015 in einem Gespräch mit der AZ die Beweggründe.

Er sprang mit Hunden aus dem Rettungsflugzeug

Dieser Drang, zu helfen, brachte ihn am 27. April 1952 schliesslich dazu, bei der Gründung der Schweizerischen Rettungsflugwacht (SRFW) mitzumachen. Walter Odermatt hatte zuerst eine Ausbildung zum Postbeamten in Luzern absolviert. Erst später zog es ihn ins Rettungswesen. Ausschlaggebend war auch die Militärrekrutierung, wo er zu den Sanitätern eingeteilt wurde. Anschliessend wurde er Sanitätsinstruktor. Hauptberuflich wurde er in der Kaserne Brugg sesshaft. In der Freizeit kümmerte er sich um die Rega (SRFW). Von einem kleinen Stützpunkt in Kloten aus koordinierte man die Rettungsflüge.

In verschiedenen Übungen testeten Odermatt und seine Kollegen die neu erworbene Fähigkeiten als Fallschirmspringer. Bald schon versuchte man Absprünge mit Lawinenhunden, was nicht von Anfang an gelang. Manchmal mussten auch Menschen oder Hunde sterben, damit Neues ausprobiert und das schweizerische Rettungswesen weiterentwickelt werden konnten. Im Gespräch mit der AZ sagte Odermatt als 87-Jähriger, dass er noch heute mit einem Fallschirm aus dem Flugzeug springen würde, wenn er die Möglichkeit hätte. Doch dazu kam es nicht mehr.

Die Coronakrise mit den Lockdowns setzte ihm zu

Walter Odermatt blieb fit bis ins hohe Alter, fuhr mit 80 Jahren noch Ski. An die gemeinsamen Skiurlaube erinnern sich seine beiden Kinder heute noch gerne. Vor zwei Jahren verabschiedete er sich von seinem Zuhause in Lauffohr und zog ins Pflegezentrum Süssbach nach Brugg. Seine Begeisterung für das Rettungswesen war aber auch im hohen Alter stets spürbar.

Im Pflegeheim zog sich Odermatt immer mehr zurück und wurde schwächer. Die Coronakrise mit den Lockdowns setzte ihm ebenfalls zu. Nach einem reicherfüllten Leben habe er mutig die letzten Stunden in Angriff genommen und im Kantonsspital Baden, nach kurzem Leiden, seine Augen für immer geschlossen, schreibt die Familie in der Todesanzeige.