Wein-Ernte

Rebbaukommissär: «Dieser Jahrgang wird noch besser als 2003»

Der Wein reift im Keller, hier im Gasthaus Sternen, Würenlingen. MHU

Der Wein reift im Keller, hier im Gasthaus Sternen, Würenlingen. MHU

Der Jahrgang 2011 wird ein Wein der Superlative. Rebbaukommissär Peter Rey rechnet mit Spitzenqualität und 22000 Hektolitern im Aargau. Der Jahrgang 2003 wird wohl sogar noch übertroffen werden.

 «Man muss das Wort Super in der grösstmöglichen Schrift schreiben», fügt Peter Rey schmunzelnd bei. Der Leiter der Zentralstelle für Weinbau auf der Liebegg bestätigt diese erstaunliche Aussage: «Das gibt noch bessere Weine als 2003.»

Perfektes Wetter

Der beste Kenner der Aargauer Produktionsgebiete und der rund 60 Traubensorten liefert die Erklärung dazu: «Im legendären Hitzesommer 2003 waren die Traubenstöcke wegen der massiven Trockenheit dauernd in einem gewissen Stresszustand.» Das habe sich irgendwie auf die Früchte übertragen, die Zuckergehalte waren Rekordhoch, die Weine mit viel Alkohol machten am Anfang einen unreifen Eindruck.

Jetzt haben alle in die Trotten kommenden Blauburgunder-Trauben 105 bis 110 Öchsle, die Spitze liegt bei 118, der Durchschnitt bei 101 Öchsle. Vier Öchsle weniger als 2003, «aber die Rebstöcke sind besser ernährt, die Trauben schöner ausgereift, dank massiver Regenfälle im Juli – nach der Frühjahrs-Trockenheit.»

Freude mit ungeraden Jahren

«Der 2011er-Wein wird auch den bisherigen Spitzen-Jahrgang 2009 noch übertreffen», ist Rey überzeugt und weist auf die starken Vorgänger 2007, 2005, 2003 hin. Seit bald 25 Jahren gehe es mit der Qualität im Schweizer und Aargauer Weinbau ständig nur nach oben. Die Gründe sieht der Rebbaukommissär in einem Vierteljahrhundert kumulierter Erfahrung, reduzierter Menge und einer guten Ausbildung. «Auch das Klima hat uns absolut verwöhnt», meint Rey zu den positiven Folgen der Erwärmung. Die jüngste Ernteschätzung ist wieder etwas höher, bei 22000 Hektolitern, wie im Mittel der letzten zehn Jahre. Gebiete mit Hagel hatten massiv geringere Erträge.

Über 95 Prozent unter Dach

Bei den zuletzt geernteten Trauben Pinot Noir oder Blauburgunder sind rund 95 Prozent unter Dach, an den Stöcken hängen noch Spezialitäten für Spätlesen. Dank der abnormalen Wärme im August und September fand die Traubenlese rekordfrüh statt. Die Riesling×Sylvaner kommen auf gegen 85 Öchsle im Durchschnitt, Pinot Gris und Gewürztraminer überschritten die Hundertermarke, die Solaris erreichten 110 Öchsle. «Der Jahrgang 2011 ist gemacht», freut sich Peter Rey. Wo der stete Aufwärtstrend einmal endet, kann der Fachmann auch nicht sagen.

Viel Zucker und wenig Säure

Die Vegetation in den Rebbergen begann rekordfrüh, «auch die ältesten Rebbauern konnten sich nicht an einen Blütebeginn schon Mitte Mai erinnern», so die Fachstelle. Der gefürchtete Falsche Mehltau trat praktisch nicht auf, aber es gab schwere Hagelschläge in allen Tälern. In den Trotten und Weinkellern ist die Kelterung wegen der tiefen Säurewerte schwierig. Die Konsumenten müssen sich noch gedulden: Die Weissen werden ab Frühjahr 2012 abgefüllt, die Roten erst ab Frühherbst.

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