TV-Deal

Peter Wanner: «Möglich, dass die eine oder andere Stelle gestrichen wird»

Peter Wanner: «Wir finanzierten den Kauf aus liquiden Mitteln.» spi

Peter Wanner: «Wir finanzierten den Kauf aus liquiden Mitteln.» spi

Verleger Peter Wanner erklärt, warum er Tele Züri und Tele Bärn kaufen wollte und sagt, was die Mitarbeiter nach der Übernahme durch die az zu erwarten haben.

Peter Wanner, weshalb kaufen Sie Tele Züri und Tele Bärn?

Peter Wanner: Mit diesen beiden Sendern und Tele M1 können wir eine TV-Familie bilden. Mich interessiert die Achse Zürich-Mittelland-Bern. Das gibt Synergien. Zudem erhoffen wir uns höhere Werbeerlöse. Wenn wir mehr Einnahmen generieren, können wir das Geld in guten Journalismus investieren.

Wo konkret sehen Sie Synergien?

Das müssen wir nun ausloten. Vor allem in der Administration, der Technik und bei der Werbeakquisition. Jeder der drei Sender hat Mühe, alleine auf einen grünen Zweig zu kommen. Gemeinsam wird das besser gehen.

AZ-Verleger Peter Wanner über die Übernahme von TeleZüri und TeleBärn

Peter Wanner zum TV-Deal

Das tönt nach Entlassungen.

Bis Sommer 2012 haben wir eine Arbeitsplatzgarantie abgegeben. Es kann zwar sein, dass die eine oder andere Stelle gestrichen wird, aber das werden wir durch die natürliche Fluktuation auffangen.

Was sind Ihre journalistischen Pläne mit den drei Sendern?

Wir sind nun in den Kantonen Aargau, Bern, Solothurn und Zürich stark verankert. Man kann sich zum Beispiel überlegen, Politik- oder Unterhaltungssendungen auf allen drei Kanälen auszustrahlen. Aber das ist noch Zukunftsmusik. Zuerst schauen wir nun einmal, welche Ideen die Sender haben.

Wird der TalkTäglich von Tele Züri bald auch in Aarau, Bern und Solothurn zu sehen sein?

Das schliesse ich nicht aus. Markus Gilli macht einen sehr guten Talk. Das könnte man durchaus auch anderswo ausstrahlen.

Würde dies das Aus für Duell Aktuell auf Tele M1 bedeuten?

Für eine Antwort ist es noch zu früh. Alle Sendungen kommen auf den Prüfstand.

Planen Sie eine gemeinsame Samstagabendkiste?

Auch das ist eine Möglichkeit, nur käme uns das sehr teuer zu stehen.

Tele Züri kann mit der Auswahl von Talk-Gästen Einfluss auf National- und Regierungsratswahlen nehmen. Wie werden Sie das nutzen?

Nicht nur Tele Züri, auch Tele Bärn und Tele M1 haben grossen politischen Einfluss. Wir sind uns der damit verbundenen Verantwortung bewusst. Deshalb schreiben wir die politische Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit gross.

Tele Züri gibt Themen und Protagonisten der SVP viel Platz. Bleibt das auch mit Ihnen als Eigentümer so?

Ich sehe das anders. Die SVP kommt bei Tele Züri zu Wort wie andere Parteien auch. Dafür sorgt Chefredaktor Markus Gilli, der ein hervorragender, unbestechlicher Journalist ist.

Sie scheinen Angst vor einem Abgang Gillis zu haben, dass Sie ihn so loben.

Nein, Herr Gilli hat sehr positiv reagiert, wir sind sein Wunschkäufer.

Freuen Sie sich, dass Sie nun den Zürchern und Bernern eine publizistische Alternative zu Tamedia und «NZZ» bieten können?

Es gibt an diesen Orten nun wieder mehr Wettbewerb unter den Medienhäusern. Das finde ich gut.

Anders sieht es in den Kantonen Aargau und Solothurn aus, wo Ihnen Fernsehen, Radio und Zeitung gehören.

Dort garantieren wir Wettbewerb und Meinungsvielfalt innerhalb unseres Medienunternehmens. Es gibt bei uns keinen Konzernjournalismus und keine journalistischen Direktiven an die Chefredaktoren.

Wie viel haben Sie für die beiden Fernsehsender bezahlt?

Das ist das bestgehütete Geheimnis. Wir haben Stillschweigen vereinbart.

Insider sprechen von etwas unter 24 Millionen Franken.

Kein Kommentar.

Warum hat Tamedia gerade an die AZ Medien verkauft?

Das muss Tamedia beantworten. Aber es hat sie sicher beeindruckt, dass wir die publizistische Unabhängigkeit hochhalten. Und dass wir nun auf der Achse Zürich-Bern Fernsehen anbieten können.

Ist das der Anfang einer strategischen Partnerschaft zwischen den AZ Medien und Tamedia?

Mit diesem Deal hat sich die frühere Distanziertheit in eine freundschaftliche Beziehung verwandelt. Und ich schliesse nicht aus, dass es im einen oder anderen Bereich Kooperationen geben wird.

Wo? Druckt Tamedia bald die az?

Nein, es gibt kein geheimes Zusatzabkommen. Im Gegenteil: Bei uns läuft ein Projekt für eine neue Druckmaschine.

Liefert der «Tages-Anzeiger» der az bald den Mantelteil?

Nein. Das ist kein Thema.

Oder den Mantelteil fürs Online?

Dort gibt es vielleicht eher Möglichkeiten, aber das steht nicht im Vordergrund.

Fehlt den AZ Medien nun das Geld, um die «Basler Zeitung» zu kaufen?

Den Kauf von Tele Züri und Tele Bärn finanzierten wir aus unseren liquiden Mitteln. Die BaZ steht momentan nicht zum Verkauf, also stellt sich diese Frage nicht.

Spielten die BaZ und deren Eigentümer irgendeine Rolle bei den Verhandlungen zwischen AZ Medien und Tamedia?

Nein. Wir haben nur mit Tamedia verhandelt. Es gibt keine weiteren Personen, die involviert waren.

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