Fluglärm

Peter C. Beyeler: «Wir dürfen nicht zusätzlich belastet werden»

Ob der neue Fluglärm-Staatsvertrag kommt, ist noch immer unklar. Kommt er aber, so droht dem Aargau mehr Lärmbelastung. Dagegen wehrt sich die Aargauer Regierung vehement. Sie lehnt den gekröpften Nordanflug kategorisch ab.

Viel Kritik in der Schweiz und massiver Widerstand in Deutschland prägen die Diskussionen um den Staatsvertrag zum Fluglärm. Ob er kommt, steht in den Sternen. Wenn er aber von beiden Staaten ratifiziert wird, gelten ab 2020 diese Zahlen: Direkte Nordanflüge sind neu von 6.30 bis 18 Uhr und am Wochenende sowie an Feiertagen von 9 bis 18 Uhr möglich.

«20000 Anflüge müssen aus anderen Richtungen erfolgen, wir dürfen nicht zusätzlich belastet werden», sagt Baudirektor Peter C. Beyeler vor den Medien zur Umsetzung des Staatsvertrags. Die Begründung: Der Aargau wird schon heute von 78 Prozent der Landungen und von 70 Prozent aller Starts tangiert. Via den Süden starten ab Flughafen Zürich nur 12 Prozent, von Osten her landen nur 14 Prozent aller Flugzeuge. «Die Umsetzung des Staatsvertrags muss offen, transparent und ohne Zeitdruck erfolgen», fordert Beyeler. Davon kann keine Rede sein: Die Lärmwerte fehlen, die rechnerische und technische Machbarkeit auch. «Wir können darum erst provisorisch Stellung nehmen», betont Beyeler.

Nein zum gekröpften Nordanflug

Von zentraler Bedeutung bleibt für den Aargau das kategorische Nein zum gekröpften Nordanflug aus Westen. Die neue Option eines gekröpften Anflugs aus Osten wird befürwortet, weil am frühen Morgen sowieso 80 Prozent aller Flugzeuge aus dem Osten kommen. Ob dieser Anflug aber je machbar wird, weiss niemand. Jeder gekröpfte Anflug wird erst durch eine künftige Satellitennavigation überhaupt möglich. Beim Anflug von Westen her sind gleichzeitig keine Starts in Kloten möglich. Das schränkt den Betrieb stark ein. «Jeder Konzeptwechsel bringt einen Zeitverlust von 10 bis 15 Minuten», erklärt Fluglärm-Projektleiter Hans-Martin Plüss. Auf die Kriterien Sicherheit, Kapazität und Lärm stützt sich das Urteil zu den Folgen des Vertrags.

Kanton fordert neue Anhörung

Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) hat für das Urteil zu den sechs Varianten (siehe Box) unvollständige Unterlagen geliefert und zu wenig Zeit eingeräumt. Die Regierung fordert eine neue Anhörung in Kenntnis der Fakten, damit auch die Gemeinden mitreden könnten. Die Änderungen müssten mit der Richtplanung des Kantons abgestimmt werden.

Verschiebung von Flugrouten

Neben der künftigen Doppelbelastung des Surbtals drohen dem Aargau weitere Lärmopfer: Aus Sicherheitsgründen sollen alle Abflüge nach Norden immer mit Linkskurve in den Aargau abdrehen, um den Warteraum Amiki nicht zu tangieren. Zur Freihaltung der Flugplätze Emmen und Dübendorf will das Bazl viel benutzte Flugrouten in den Aargau verschieben. Das würde den Raum Mutschellen treffen, die Zahl der Überflüge im Limmattal könnte sich verdoppeln. «Die neuen Routen müssen mit der Siedlungsentwicklung abgestimmt werden», fordert die Regierung. 

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