Openair-Kinos
Openair-Kino Betreiber ziehen Bilanz nach Schlechtwetter-Saison

Eine Saison, die versank in Wind, Kälte und Regen. Die Aargauer Openair-Kino Betreiber bilanzieren die Saison äusserst unterschiedlich: In Baden wurde das Vorjahresergebnis übertroffen, in Rudolfstetten überlegt man sich Eintrittspreis-Erhöhungen.

Daniel Meyer
Drucken
Teilen
Die Openair-Kinos wie hier in Schöftlamd ziehen meist eine durchzogene Bilanz.

Die Openair-Kinos wie hier in Schöftlamd ziehen meist eine durchzogene Bilanz.

Raphaela Gysi

Was gibt es schöneres, als an einem lauen Sommerabend im Openair-Kino vor dramatischer Kulisse - beispielsweise dem beleuchteten Schloss Hallwyl - cineastische Momente zu erleben? Dies denken sich auch die Aargauer Openair-Kino-Betreiber jedes Jahr. Beinahe 20 Openair-Kinos werden jeweils im Kanton aufgestellt, von Rudolfstetten über Niedergösgen bis nach Frick. Nicht wenige davon spielen im beschaulichen Rahmen und werden mit viel Herzblut organisiert.

Kinos konnten nicht profitieren

Nicht einmal die Kinos konnten wirklich profitieren vom miesen Wetter. «Wir hatten eher mehr Besucher den Sommer über», sagt zwar Stefan Jäger von der Sterk Cine AG, dem führendem Kino Betreiber in der Region Baden. Doch liege dies nicht unbedingt am Wetter, sondern viel eher an der Tatsache, dass mit «Cars 2», «Schlümpfe 3D», «Harry Potter» oder «Kung Fu Panda 2» im Sommer besonders viele Familienfreundliche Filme liefen.

Auch die Aarauer Kinos hätten mit einigen starken Filmen nach dem schlechten Start ins Jahr «einiges an Boden gut gemacht», sagt der Unternehmer Rolf Portmann von der Kino Aarau AG. Doch auch er relativiert. Tendenziell sei der Monat Juli ein überdurchschnittlicher Monat gewesen, «vor allem, wenn man bedenkt, dass viele Familien momentan in den Ferien sind». Doch müsse man sich im Kino-Geschäft eben daran gewöhnen, dass die Zahlen manchmal die eine oder andere kuriose Wendung nähmen; so war beispielsweise letztes Jahr - in einem durchschnittlichen Sommer - der August der stärkste Monat des ganzen Jahres. (dme)

«Hardcore-Fans» trotzten dem Wetter

Wenn andere es sich zuhause vor dem Fernseher gemütlich machen, lassen sich die Aargauer ihre Openair-Laune nicht verderben. «Die Zurzibieter sind hart im Nehmen», sagt Peter Andres, der zusammen mit Philip Weiss das Openair-Kino Kino in Bad Zurzach veranstaltet. «Die Badener ticken ein bisschen anders», sagt Martin Isler, Projektleiter und Mitveranstalter des Freiluftkinos Baden. «Das Openair-Publikum läuft wegen dem Wetter nicht davon», bläst auch Franz Bachmann, Geschäftsführer der «Open Air Kino Luna» ins gleiche Horn. Er ist Partner der UBS Openair-Kino im ganzen Land, unter anderem auch in Aarau, Zofingen, Wohlen und im Schloss Hallwyl.

Eis im Regen

Alle sprechen sie von der Leidenschaft, die die Besucher den Openairs entgegen bringen. Andres spricht von «Hardcore-Fans», von denen es «erstaunlich viele» gebe. Auch Bachmann berichtet von Zuschauern, die auch mal in Töff-Kombis an die Vorführungen kommen, «sich hinsetzen und dem Regen trotzten». Das mute dann schon seltsam an, wenn diese in Leder Gezwängten sich in der Pause mit stoischen Gesichtsausdruck ein Eis holen würden - und sich zum Verzehr wieder in den Regen setzten.

Begeisterung hin oder her; die Ergebnisse der Saison sind unterschiedlich. So rechnet Stefan Meienberg vom «Kino uf em Dorfplatz» in Rudolfstetten mit einem Defizit von 3000 bis 5000 Franken. Auch bei Luna ist man schon darüber zufrieden, dass keine Vorstellung abgesagt werden musste. Man sei schon seit 20 Jahren im Geschäft und hätte gelernt, «Reserven anzulegen», erklärt Bachmann ziemlich gelassen. Dies auch darum, weil man einen Grossteil des Geschäfts nicht beeinflussen könne: Weder das Wetter noch die Filme. Genau diese machte sich das Freiluftkino Baden zunutze: Sie zeigten nur ausgewählter Filme - meist Kultfilme. Dieses Jahr beispielsweise «les vacances de Monsieur Hulot» - immerhin aus dem Jahre 1953 - oder die Western «True Grit» von den Coen-Brüdern und «Dead Man» von Kult-Regisseur Jim Jarmusch. Eine Folge dieses Programms ist nicht nur eine beträchtliche Fangemeinde, sondern sogar ein besseres Ergebnis als im Vorjahr.
Grundsätzlich aber sei Tatsache, dass die Leute nicht nur der Filme wegen kommen würden, so Bachmann, «es gibt sogar Openair Touristen, die für einen Abend von Luzern nach Hallwyl fahren». Auch in Baden würde das Ambiente einiges ausmachen, so Isler. Doch trotzdem blieb die grosse Menge der Besucher beispielsweise in Rudolfstetten aus, wo am besten Abend 420 der 600 Plätze besetzt waren - trotz Wetterglück. «In guten Jahren mussten wir noch mit Festbänken nachrüsten», stellt Meienberg konsterniert fest. Seit Jahren verzeichne die Openair Szene einen Besucherschwund.

Unterschiedliche Konsequenzen der schlechten Saison

Die Gretchenfrage ist die Dachfrage: «Wir haben Glück, denn das Gelände ist grösstenteils überdacht», heisst es in Baden, «Aarau ist als einziges Überdacht, denn wenn alle überdacht wären, wäre es kein Openair mehr», tönt es bei Luna. Eine Kompromisslösung bietet Zurzach: «Wir haben die Möglichkeit, die Stühle ins Trockene zu stellen, wo überdies eine genauso gute Sicht gewährleistet ist.» Doch alle wollen sie weder die Existenz noch die Inexistenz eines Daches für die Einspielergebnisse verantwortlich machen.

Die Reaktionen der Betreiber auf diese Saison sind unterschiedlich: Eine schlechte Saison reiche nicht, um alles infrage zu stellen, «dafür sind wir schon zu lange im Geschäft», so Bachmann. Ähnlich klingt es in Zurzach: «Abgesehen davon, dass wir noch Sponsoren suchen müssen, wird sich nächstes Jahr nicht viel ändern.» Einzig in Rudolfstetten überlegt man sich, eventuell den Eintritt - momentan bei 15 Franken - zu erhöhen.

Aktuelle Nachrichten