Öffentlicher Verkehr
Gegen die Ungerechtigkeit: GLP will Sparbillette auch in der Region

Der öffentliche Verkehr in der Region soll, wie die SBB, Sparbillette anbieten. Das verlangen die Grünliberalen in einem Vorstoss. A-Welle und Tarifverbund Nordwestschweiz lehnen bisher ab.

Eva Berger
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Im Regionalverkehr gibt es im Aargau bis jetzt keine Sparbillette. Anders als in der Innerschweiz.

Im Regionalverkehr gibt es im Aargau bis jetzt keine Sparbillette. Anders als in der Innerschweiz.

Sandra Ardizzone

Im Juli hat der innerschweizerische Tarifverbund Passepartout Sparbillette eingeführt. Wer seither mit dem öffentlichen Verkehr etwa von Luzern nach Zofingen oder nach Engelberg fahren will, kann bis zu 70 Prozent auf dem Billett sparen. Passepartout, ein Zusammenschluss des Verkehrsverbunds Luzern, der Kantone Obwalden und Nidwalden sowie zwölf Transportunternehmen, ist der bisher einzige Tarifverbund mit einem Angebot, das sich an den Sparbilletten der SBB orientiert. Diese gibt es seit 2013 und sie sind äusserst beliebt.

Was in der Innerschweiz geht, sollte im Aargau auch möglich sein, findet die kantonale GLP; Sparbillette sollen auch bei den Aargauer Tarifverbünden angeboten werden. Im September hat die Fraktion im Grossen Rat einen Vorstoss eingereicht mit der Forderung, dass sich der Regierungsrat bei den zuständigen Stellen dafür einsetzt.

Anschliessend soll er dem Grossen Rat oder der Kommission für Umwelt, Energie- und Raumordnung (UBV) über die Aktivitäten und Erkenntnisse Bericht erstatten. Das Personenbeförderungsgesetz sehe vor, dass für alle Kundinnen und Kunden in vergleichbarer Lage vergleichbare Bedingungen vorgesehen werden, begründet die GLP ihr Postulat. Doch im Aargau fehle ein Konzept von Seiten des Regierungsrats, wie Tarifverbünde dazu angeregt werden, diese Ungleichheit aufzuheben.

A-Welle-Geschäftsführer sieht keinen Anlass

Martin Osuna, Geschäftsführer der A-Welle.

Martin Osuna, Geschäftsführer der A-Welle.

zvg

Ob der Regierungsrat damit überhaupt erfolgreich wäre, stellt Martín Osuna, der Geschäftsführer des Aargauer Tarifverbunds A-Welle, in Frage. «Sparbillette können bei grossen Tarifverbünden, wie jenem in Luzern, Sinn machen. Die A-Welle, als mittelgrosser Verbund, ist dafür aber bereits zu klein.» Im Gebiet der A-Welle würden die Kundinnen und Kunden häufig lediglich eine oder zwei Zonen mit dem Bus fahren, die zurückgelegten Strecken seien innerhalb des Verbunds in aller Regel kurz, die Preise der Billette darum tief. «Wo will man da noch sparen?», so Osuna.

Zumindest vorläufig sieht er keinen Anlass für Sparbillette bei der A-Welle. Kundenfreundlich wären sie im Regionalverkehr seiner Ansicht nach auch nicht zwingend. «Diese Billette müssen im Voraus gekauft werden und sie gelten jeweils nur für eine bestimmte Zeit und eine bestimmte Strecke, das ist kompliziert», sagt er. Ungerechtigkeiten würden sie zudem nicht ausmerzen, weil die Billette nur online gekauft werden können, was nicht allen Kundinnen und Kunden möglich ist.

Günstigerer ÖV nur mit öffentlichen Geldern?

«Ich würde eher andere Ansätze wählen. Das Sortiment an ÖV-Tickets darf auch flexible Angebote enthalten, etwa bei den Abos», so Osuna. Vor allem aber müssten die Tarifsysteme vereinfacht werden, findet der A-Welle-Geschäftsführer, «dort sehe ich Potenzial». Fordere die Politik aber einen günstigeren öffentlichen Verkehr, so müssten wohl öffentliche Gelder dafür eingesetzt werden. «Ob das dann mehrheitsfähig wäre, ist aber auch unsicher.»

Auch im Norden des Kantons wird es im öffentlichen Regionalverkehr in naher Zukunft keine Sparbillette geben. Der Tarifverbund Nordwestschweiz (TNW), der sich um Basel bis nach Schwaderloch im Osten ausdehnt, steht dem Angebot innerhalb seines Gebiets ebenfalls kritisch gegenüber. Das zeigt der Bericht vom März des Regierungsrats Basel-Landschaft zu einem Postulat, das Sparbillette auf dem TNW-Netz forderte. Das Kantonsparlament überwies den Vorstoss dennoch.

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