Schifffahrt
Mit der «Aargau» auf dem Weg nach Strassburg

Ein 110 Meter langer Frachter, beladen mit alkoholfreiem Bier für Saudi-Arabien: 24 Stunden auf dem Schiff, das den Namen des Kantons Aargau in die weite Welt trägt - eine Reportage.

Marco Wölfli (Text und Fotos)
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Impressionen von der Fahrt der «Aargau»
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Impressionen von der Fahrt der «Aargau»
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Impressionen von der Fahrt der «Aargau»

Impressionen von der Fahrt der «Aargau»

Aargauer Zeitung

Es herrscht eine gespenstische Ruhe im Auhafen bei Basel. Zwischen den Lagerhallen und den Silos glitzert der Rhein. Dort herrscht Betrieb. Am Ufer liegt ein 110 Meter langes Frachtschiff, das in Kürze seine Reise nach Rotterdam beginnt. In einem Hafen kein aussergewöhnlicher Anblick. Doch dieses Schiff fällt durch seinen Namen auf: «Aargau» prangt in grossen schwarzen Lettern auf dem gelben Grund.

Das Frachtschiff gehört der Basler Logistikfirma Ultra-Brag. Doch wieso tauft man ein Schiff nach einem Kanton, auf dessen einzigem See gerade einmal fünf Passagierschiffe verkehren? Willy Gisler von der Ultra-Brag kennt die Antwort: «Im Aargau fliessen Rhein und Aare zusammen. Unser Unternehmen ist auf den Rhein angewiesen. Da hat der Kanton Aargau eine grosse Bedeutung.» Das Schiff «Aargau» trägt also den Namen des Kantons in die weite Welt hinaus. Das ist Grund genug, den schiffsarmen Kanton zu verlassen und die schwimmende «Aargau» auf einem Teil ihrer Reise nach Rotterdam zu begleiten.

Die Begrüssung durch den Kapitän fällt herzlich aus: «Ciao ich bin der Jozef.» Mit dem blau-weiss gestreiften T-Shirt und dem Bart sieht Jozef Sustic genau so aus, wie man sich einen Kapitän vorstellt. Zum Plaudern bleibt ihm aber keine Zeit. Das Schiff hat abgelegt und der Kapitän steuert die «Aargau» durch Basel. Der Geruch des Maschinenöls weicht dem Fahrtwind. Am Steuerhaus glänzt das grosse Kantonswappen in der Sonne.

Ein Leben auf dem Rhein

Das Steuerhaus ist der Arbeitsplatz von Jozef Sustic. Der 62-Jährige fährt seit 40 Jahren auf dem Rhein. Seit 13 Jahren auf der «Aargau». «Das Wasser ist mein Leben. Ich könnte mir keinen anderen Beruf vorstellen», sagt er. Sustic ist Kroate. Wenn seine Schicht auf dem Rhein nach vier Wochen zu Ende ist, fährt er stets in seine Heimat nach Split. Wenn der Kapitän über die «Aargau» spricht, findet er nur lobende Worte: «Es ist ein wunderbares Schiff und es läuft sehr gut trotz seines Alters.» Die «Aargau ist nämlich schon 30-jährig. Jedoch topmodern nachgerüstet, versichert Sustic. «Im Steuerhaus von modernen Frachtschiffen sieht es aus wie in einem Jumbojet», sagt Jozef Sustic, «doch ich möchte keinen anderen Arbeitsplatz.»

Bier für Saudi-Arabien

Am Ufer zieht das Dreiländereck vorbei. Die «Aargau» ist jetzt in Frankreich und hat freie Fahrt. Doch Sustic stellt sich auf eine mühsame Fahrt ein: «Es sind viele Schiffe vor uns. Das könnte an den Schleusen zu Wartezeiten führen.» Weil sich der Wasserstand des Rheins auf einem Tiefstand befindet, sind die Frachtschiffe oft nur zur Hälfte beladen. Trotzdem sind es immer noch 1100 Tonnen, welche die «Aargau» den Rhein hinabtransportiert. Die Fracht auf dieser Fahrt ist vielfältig: 24 Container sind gefüllt mit alkoholfreiem Bier. Zielort ist Saudi-Arabien. Dazu kommt eine Biegemaschine für Indien und eine Gasturbine für ein südkoreanisches AKW. Die «Aargau» transportiere eigentlich alles, sagt Sustic. Auf dem Rückweg wird das Schiff mit Zellulose beladen.

Längere Reise dank Ostern

Die Frachtschiffe verkehren bis Strassburg auf einem Kanal, der parallel zum originalen Rhein verläuft. Auf dem schnurgeraden Kanal fährt Jozef Sustic auf die nächste Schleuse zu. Rund 25 Stundenkilometer beträgt die Geschwindigkeit der «Aargau». Normal sind 30. Doch Sustic hat es nicht eilig. Weil am Ostermontag im Hafen nicht gearbeitet wird, muss er erst am Dienstag in Rotterdam sein. Normalerweise fährt die Besatzung nonstop innert dreier Tage ans Ziel. Diesmal kommt es aber zu einer unfreiwilligen Pause. Vor der Schleuse Fessenheim warten bereits vier Schiffe. Für einmal hat es nicht Stau im Aargau, sondern die «Aargau» steht selber im Stau. Das bedeutet vier Stunden Wartezeit.

Der erste Steuermann Christoph Nicolay nutzt die Zeit, um zu kochen. Bei Nudeln, Ragout und Broccoli warten wir auf das o. k. der Schleusenwärter. Endlich. Um 23 Uhr kann die «Aargau» die Schleuse passieren, um gleich wieder anzulegen. «Da wir genug Zeit haben, machen wir jetzt eine Pause», entscheidet Sustic.

Im Regen gehts weiter

Knapp fünf Stunden später steht Jozef Sustic allerdings bereits wieder im Steuerhaus. Der Tag beginnt regnerisch. Von einer idyllischen Schifffahrt ist nichts mehr zu sehen. Durch den grauen Regenschleier gleicht der Rhein einer Autobahn. Kurz bevor die «Aargau» Strassburg erreicht, bricht die Sonne durch. Hier endet meine Kurzreise auf dem Rheinschiff «Aargau». Jozef Sustic und seine Mannschaft haben von hier an noch drei Tage auf dem Rhein vor sich, bis sie in Rotterdam eintreffen. Nachdem die Ladung gelöscht ist, wird die «Aargau» in ihren Heimathafen zurückkehren. Nur gerade fünf Kilometer vom richtigen Aargau entfernt.