Lenzburg
Wie soll das «Schaufenster in die Geschichte» gestaltet werden?

Die Bevölkerung diskutiert bei der Zukunft des Museums Burghalde mit

Heiner Halder
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Das Steinkistengrab ist von europäischer Bedeutung.

Das Steinkistengrab ist von europäischer Bedeutung.

Selina Berner

Das Haus, welches der «Vergangenheitsbewältigung» verpflichtet ist, beschäftigt sich mit der Zukunft: Das Museum Burghalde lud die Bevölkerung zur Mitwirkung bei der geplanten Gesamterneuerung ein.

Eine kleine, aber interessierte und motivierte Gruppe liess sich vorerst auf einem Rundgang durch die Räumlichkeiten von der Notwendigkeit der Sanierung der 30-jährigen Anlagen, Installationen und Präsentationen überzeugen.

Das Stadtmuseum wurde 1985 im ehemaligen Scheunenteil des Burghalden-Ensembles eingebaut. Primär geht es um bauliche Massnahmen, um das Haus zeitgemäss behindertengerecht und betriebssicher zu machen. Begleitet von der Denkmalpflege, ist die Verlegung des Treppenhauses, der Einbau eines Liftes, die Neuplatzierung und Vergrösserung der Eingangspartie und die Erneuerung der technischen Anlagen geplant, wofür die ausserordentliche Ortsbürgergmeind letztes Jahr einen Projektierungskredit gesprochen hat.

Bei dieser Gelegenheit soll auch die Szenografie – die Zurschaustellung des Museumsgutes – neu gestaltet werden. In der Diskussion mit Museumsleiterin Christine von Arx und Stiftungsratspräsident Urs F. Meier wurden aus dem Publikum bedenkenswerte Anregungen gemacht. Grundsätzlich ist man sich einig, dass die einst als vorbildlich geltende Beschriftung auf den Vitrinen zu lang und kaum lesbar ist. Sollen diese vielfältig bestückten «Schaufenster in die Stadtgeschichte» nun «entrümpelt» und durch Bildschirme mit Kopfhörern ergänzt werden? Einerseits hat die adrette Anordnung zahlreicher Artefakte durchaus ihren Reiz, andererseits ist der Betrachter durch die schiere Anzahl bald überfordert: Weniger wäre allenfalls mehr.

Interaktive Wissensvermittlung

Auch fehlt historischen Gegenständen das Umfeld, heute wird mit Filmen deren praktischer Gebrauch dargestellt und sie damit «wieder belebt». Soll das Gewicht auf geführte Rundgänge gelegt oder die private Entdeckungsreise in die Vergangenheit gefördert werden? Die Ergänzung durch moderne Techniken, die zu «Interaktivität», selbstständiger Forschung anregen, ist unvermeidbar. Allerdings gibt es dazu warnende Stimmen: All zu viel solche Spielereien lenken ab. Das gilt vor allem für die Kinder, welchen im Museum Burghalde indes – vor allem mit den archäologischen Angeboten für Schulklassen – grösste Aufmerksamkeit gilt.

Und was konkret erwarten die Besucher künftig? Das Stadtmuseum soll zur Förderung der Identifikation der rasch wachsenden Bevölkerung mit Lenzburg noch vermehrt beitragen. Das bedeutet die Fortschreibung der urbanen Entwicklung bis in die Neuzeit, etwa mit Bildern von einst und heute. Vermisst werden Porträts von wichtigen Persönlichkeiten, von Bernhart Matter bis zur Familie Hünerwadel. Damit verbunden sind das Gerichtswesen, Firmengeschichten, die allgemeine Verkehrssituation usw.

Erstes Fazit der Museumsleitung: Es wird der chronologische Weg von der Steinzeitgrabstätte über die Römer, die Stadtgründung, das Mittelalter bis zur neueren Zeit aufgebaut, ergänzt mit «Themeninseln», «Geschichten zur Geschichte» und nach wie vor Sonderausstellungen zu aktuellen Themen wie Hero-Jubiläum, Strafanstalt und den Schicksalsjahren, als die Berner kamen.

Der definitive Entscheid über die Zukunft des Museums fällt an der Ortsbürgergmeind vom 13. Juni 2016 mit dem Traktandum Baukredit. Zuvor werden die Ortsbürger am 6. Juni zur Vororientierung eingeladen.

Zweites Zukunftsgespräch für die Bevölkerung am Sonntag, 6. März 2016, 11 Uhr, im Museum Burghalde

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