Mattacher
Wie Brunegg ein Dorf bleiben will: Bei der Nutzungsplanung wird ein altes Versprechen eingelöst

In Brunegg steht nach 24 Jahren die Revision der Nutzungsplanung an. Sorgen bereitet den Brunegger wollen, dass der Dorfcharakter der Gemeinde verloren gehen könnte. Nun wird im «Mattacher» ein altes Versprechen eingelöst.

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Die Gemeinde Brunegg soll weniger schnell wachsen, auch der Dorfcharakter soll bleiben.

Die Gemeinde Brunegg soll weniger schnell wachsen, auch der Dorfcharakter soll bleiben.

Peter Siegrist-Bild und Text

«Uns war es wichtig, die Brunegger transparent zu informieren und herauszufinden, was ihre Anliegen sind», sagt Gemeindepräsidentin Ruth Imholz Strinati. 1996 hat Brunegg die letzte Revision der Nutzungsordnung Siedlung und Kulturland vorgenommen. Nun, rund 24 Jahren später steht die nächste an. Seit gestern können die Unterlagen im Rahmen des Mitwirkungsverfahrens eingesehen werden, morgen gibt’s eine Orientierungsversammlung.

Im Vorfeld hätten diverse Gespräche mit Grundstückeigentümern und Bewohnern verschiedener Quartiere stattgefunden, sagt Imholz Strinati. Dabei haben die Einwohnerinnen und Einwohner vor allem zwei Sorgen geäussert. Die Brunegger wollen erstens, dass das Dorf weniger schnell wächst. Derzeit hat die Gemeinde 878 Einwohner. Seit der letzten Revision hat sich die Bevölkerung mehr als verdoppelt. 1996 hatte Brunegg 402 Einwohnerinnen und Einwohner.

Viele Bauernhäuser aus dem 19. Jahrhundert

Sorge bereitet den Bruneggern zweitens, dass der Dorfcharakter der Gemeinde verloren gehen könnte. Vor allem im Ortskern befinden sich viele Bauernhäuser aus dem 19. Jahrhundert.

Um ein weiteres Bevölkerungswachstum kommt die Gemeinde nicht herum. «Brunegg hat Kapazität für ungefähr 1350 Einwohnerinnen und Einwohner», sagt Imholz Strinati.

Derzeit gibt es in der Gemeinde drei Hektaren Baulandreserven, ein Grossteil davon ist bereits erschlossen. In den Wohnzonen, in denen es noch Lücken gebe, sei man mit den Grundstückbesitzern im Gespräch, sagt die Gemeindepräsidentin. «Ziel ist es, dass gestaffelt gebaut wird. Unter anderem auch, damit die Bevölkerungszahl nicht sprunghaft ansteigt.» Unbebaut ist derzeit das Gebiet Mattacher neben dem östlichen Gewerbegebiet.

Ein Teil des Mattacher wurde vor 15 Jahren mit dem Versprechen ausgezont, dass es zu einem späteren Zeitpunkt wieder zu einer Wohnzone werden solle. «Wir halten uns an die Versprechen unserer Vorgänger», sagt Ruth Imholz Strinati. Weil Brunegg 0,72 Hektaren neues Bauland einzont, muss als Kompensation eine Auszonung erfolgen. Dies soll im Gebiet Unterbändli/Lyri geschehen: Das am Bauzonenrand gelegene Gebiet ist unbebaut und derzeit noch der Wohnzone zugeteilt, aber unerschlossen. Die Fläche soll, wie bisher, als «grüne Lunge» im Quartier den notwendigen Puffer zur bestehenden Kiesmaterialabbauzone darstellen und der Flora und Fauna dienen, wie es in den Unterlagen heisst.

Über die Übergangszone entscheiden die Nachfolger

Ein Teil des Gebietes von Unterbändli/Lyri ist der Arbeitszone zugeteilt, soll nun aber zu einer Übergangszone werden. Das bedeutet, dass das Gebiet bis zur nächsten BNO-Revision weder überbaut noch anderweitig genutzt wird. Dies, weil der Gemeinderat für die Entwicklung des Gebietes zwei Optionen sieht. Wenn die Flächenkapazität der Gemeinde in der nächsten Planungsrevision in rund 15 Jahren neu bewertet wird, ist es möglich, dass auch der Rest des Mattacher eingezont wird. Dann würde das Gebiet Unterbändli/Lyri als Kompensation ausgezont.

Wird eine Überbauung der ehemaligen Arbeitszone bei der nächsten Revision jedoch als sinnvoll erachtet. Kann sie wieder zu einer Arbeitszone umgezont werden.

Der Dorfcharakter wird geschützt

Eine Vergrösserung der Gewerbezone ist in der aktuellen Revision nicht vorgesehen. Umgezont wird dennoch. Die Türenfirma Brunex steht mitten im Dorf in der Kernzone. «Dadurch wird die Bilanz der Einwohnerdichte verfälscht», sagt Imholz Strinati.

Wenn das Gebiet, auf dem die Firma Brunex steht, zu einer Spezialzone umgezont werde, sei dem nicht mehr so. Vorteil der Spezialzone: Es können massgeschneiderte Vorschriften für die Zone erlassen werden. «Die Nutzungskonflikte zwischen dem angrenzenden Wohnen und dem Arbeiten können damit entschärft werden», heisst es in den Unterlagen.

«Um den Dorfcharakter von Brunegg weiterhin wahren zu können, ergreift die Gemeinde verschiedene Massnahmen. Viele der älteren Gebäude entlang der Hauptstrasse sind gleich ausgerichtet, mit der Traufe zur Strasse. Damit dies so bleibt, wird unter andere am Volumen- und Substanzschutz festgehalten. Brunegg verfügt über eine ausgeglichene Mischung zwischen alten Gebäuden und neuen Überbauungen. «Ich hoffe, dass Brunegg trotz Wachstum auch künftig ihr harmonisches Ortsbild bewahren kann», sagt Imholz Strinati.

Brunegg verfügt über eine ausgeglichene Mischung zwischen alten Gebäuden und neuen Überbauungen. «Ich würde behaupten, dass es etwa gleichviele sind», sagt Imholz Strinati.

Orientierungsversammlung

Am Mittwoch, 9. September, 19 Uhr findet in der Mehrzweckhalle Brunegg eine Orientierungsversammlung zur Gesamtrevision Nutzungsplanung statt.

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