Unfall in Lenzburg

Verkehrspsychologe: «Der Anteil, der trotz Ausweisentzug fährt, ist gross»

Verkehrspsychologe Urs Gerber im Interview nach tödlichem Unfall in Lenzburg

Verkehrspsychologe Urs Gerber im Interview.

Ein 80-Jähriger hat in Lenzburg die 19-jährige Elida zu Tode gefahren. Einen gültigen Fahrausweis besass er nicht. Verkehrspsychologe Urs Gerber erklärt, welche Konsequenzen den Mann erwarten und welches gängige Ausreden sind von Menschen, die trotz Ausweisentzug Auto fahren.

"Wenn man Auto fährt, obwohl man nicht zugelassen ist, steckt ziemlich viel kriminelle Energie dahinter", sagt Verkehrspsychologe Urs Gerber von der Fachhochschule Nordwestschweiz zu "Tele M1".

Er spricht vom 80-jährigen Mann, der am Montagabend in Lenzburg die 19-jährige Elida auf einem Fussgängerstreifen angefahren hat. Er war ohne gültigen Fahrausweis unterwegs, stand bereits vor Gericht, weil er innerorts mit 80 statt 50 km/h geblitzt worden war.

Gerber erklärt, was jetzt auf den Mann zukommt: eine happige Strafe. Seine Versicherung werde wohl nicht für den Schaden aufkommen. "Das gibt happige finanzielle Forderungen", sagt Gerber.

"Der Anteil, der trotzdem fährt, ist gross"

Der Aargauer BDP-Nationalrat Bernhard Guhl schreibt in einem Vorstoss, 40 Prozent der Autofahrer mit Fahrausweisentzug setzten sich trotz Entzug ans Steuer. Gerber kann diese Zahl nicht bestätigen, sagt aber: "Der Anteil, der trotzdem fährt, ist gross." Darum habe man auch das Gesetz verschärft. Heute verliert man den Fahrausweis für neun Monate, wenn man trotz Entzug fährt. Früher waren es nur sechs Monate.

Auf die Frage, warum viele Fahrer trotz Entzug herumkurven, nennt Gerber häufige Rechtfertigungsgründe: Dumm gelaufen, ein einmaliges Versehen, nur schnell in die Migros einkaufen gehen. "Ein Teil findet, er könne die Verantwortung übernehmen, stellt aber nicht in Rechnung, dass der Gesetzgeber knallhart ist."

Mehr Unfälle von Senioren

Laut der neuesten Statistik ist die Zahl der über 70-jährigen Unfallverursacher gestiegen. Waren es 2011 noch 3678, waren es 2016 bereits 4896. Abgenommen hat hingegen die Zahl der tödlichen Unfälle von über 70-Jährigen – von 34 auf 20. Das freut Gerber. Er stellt fest: "Die Kontrollen bei den Hausärzten wirken." Wer nicht mehr fahrtauglich sei, werde aussortiert. Die meisten Leute merkten aber selbst, wenn die Zeit gekommen ist, den Fahrausweis abzugeben.

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