Lenzburg

Unterhaltsame Worte bei Wurstweggen, Chäschüechli und Rotwein – so war der diesjährige Chlausmarkt

An der Chlausmarktzusammenkunft der Gemeindeammänner des Bezirks Lenzburg überraschte Tiefbauchef Rolf H. Meier mit einer Ankündigung.

Seit 12 Jahren leitet Rolf H. Meier die Abteilung Tiefbau des Kantons Aargau. Mit rund 800 realisierten Strassenprojekten hat er in diesem Zeitraum bei den Aargauer Steuerzahlern rund 1.6 Milliarden Franken abgeholt.

In der Region hat Meier mehrere Grossbaustellen am Laufen: Beim Knoten Neuhof/Autobahnzubringer A1 und der Kantonsstrassensanierung in Schafisheim dröhnen die Baumaschinen schon seit geraumer Zeit. Wohl nicht zuletzt diesem Umstand zu verdanken ist Meiers Auftritt am Donnerstagnachmittag an der traditionellen Zusammenkunft der Gemeindeammänner des Bezirks. Alle Jahre am Chlausmarkt lädt die Zentrumsgemeinde Lenzburg die Ammänner samt ihren Kanzlern und weitere Koryphäen aus der Region ins herrschaftliche Burghaldenhaus. Dort wird reichlich Rotwein vom Schlossberg ausgeschenkt. Dazu gibts für jeden einen Wurstweggen, ein Chäschüechli sowie als Bhaltis einen Lebkuchen. Und der Stadtchlaus verteilt Lob für Visionen und tadelt für Versäumnisse.

Stadtammann Daniel Mosimann sprach in seiner Begrüssung von «einem heiteren, unbeschwerten und politisch unbelasteten Zusammensein.» Gespannt blickte man auf den Auftritt des Gastredners, im vergangenen Jahr war es mit der Hypi-Chefin Marianne Wildi eine Rednerin. Die Erwartungen sind jeweils hoch. Man will schon etwas erfahren, doch bitte schön wider den tierischen Ernst. Genau so wie von Gastgeber Mosimann angekündigt. Rolf H. Meier hat das Publikum nicht enttäuscht: Sein Einblick in den Arbeitsalltag des kantonalen Tiefbaumeisters war eine verbale Achterbahn humorvoll gespickt mit Freuden und Leiden, Höhen und Tiefen.

Verhandeln, Trösten, Streiten, Konflikte mediieren

«Ein Grossprojekt wie etwa der Autobahnzubringer hier in Lenzburg dauert etwa 17 Jahre.» Technische Projektierung und reine Bauzeit würden etwa sechs Jahre in Anspruch nehmen. «Die restlichen elf Jahre verbringen wir meistens mit Diskutieren, Verhandeln, Streiten, Trösten und Mediation.» Heutzutage seien die Projektleiter gezwungen, sich zusätzlich im Verhandlungsgeschick fit zu machen. Er selber, so Meier, schliesse gerade die Ausbildung zum Mediator an der Uni Fribourg ab. Unter diesen Gesichtspunkten kam Meier zum Schluss: «Vielleicht bin ich der letzte Kantons-Ingenieur. Mein Nachfolger wird wahrscheinlich einmal Kantons-Mediator genannt werden.»

Schnittstellen mit den Gemeinden hat das Tiefbaudepartement vor allem bei Innerortsprojekten. «Sie bringen uns den Gemeindeverwaltungen und der Bevölkerung näher.» Ja manchmal gar so nahe, dass dabei durchaus schon mal etwas Reibungswärme entstehen könne, meinte Meier mit einem Augenzwinkern. Ja, wenn es darum geht, Interessen zu vertreten, da sei die Welt plötzlich voller Verkehrsexperten, die eine Lösung zur Hand haben. Das zeige sich zum Beispiel anhand der Kommentare in den Online-Medien, wenn ein geplantes Bauprojekt vorgestellt werde. Meiers bissiger Kommentar dazu: «Kritische Zungen behaupten, es gäbe rund 600000 Verkehrsexperten im Kanton. Nur 200 kommen nicht draus. Und die arbeiten alle beim Tiefbau.»

Das Thema Verkehr war auch beim anschliessenden Besuch des Stadtchlauses angesagt. Zum Abschluss überschüttete er sich mit viel Eigenlob. Vieles von dem, was heute als hip und modern gelte, sei für ihn schon lange eine Selbstverständlichkeit. «I ha mi mis Läbe lang für Lüt interessiert, Gschichte us ihrem Läbe gsammelt und ufgschribe. Lang, bevor Google und Facebook uf die Idee cho sind.»

Meistgesehen

Artboard 1