Lenzburg

Umzug der Stadtverwaltung: Das versteckt sich hinter «Lenzburg21»

Das Hünerwadelhaus ist im Besitz der Einwohnergemeinde Lenzburg und bis 2020 KV-Schulhaus.

Das Hünerwadelhaus ist im Besitz der Einwohnergemeinde Lenzburg und bis 2020 KV-Schulhaus.

2021 zieht die Stadt Lenzburg mit ihrer Verwaltung ins Hünerwadelhaus. Die FDP fordert: Die Zentralisierung der Stadtverwaltung muss einen Mehrwert bringen.

Die FDP hat eine Kehrtwende gemacht: An der Einwohnerratssitzung am vergangenen Donnerstag wollten die freisinnigen Ratsmitglieder nichts mehr wissen von der im Frühjahr verlangten Senkung des Steuerfusses auf das Rechnungsjahr 2020.

Im Einklang mit den übrigen Parteien winkte die FDP das Budget 2020 mit einem unveränderten Steuersatz von 105 Prozent durch.

In einer Medienmitteilung doppelt die Partei nun nach und erklärt ihren Stimmungswechsel: «Die geprüfte Steuerfusssenkung ist angesichts zwischenzeitlich veränderter Vorzeichen nicht vernünftig umsetzbar.»

Unter den «veränderten Vorzeichen» versteht die FDP das innerhalb Jahresfrist kurz- und mittelfristig gestiegene Investitionsvolumen. «Satte sechs Millionen Franken mehr als vor einem Jahr, trotz tieferer Aufwendungen für das Verwaltungszentrum.»

Und die FDP folgert: «Ein Steuergeschenk an die Bevölkerung mittels weiterer Verschuldung kommt für uns nicht infrage.»

Planungskredit Ende Jahr vor Einwohnerrat

Tatsächlich spart die Stadt mit dem Verzicht auf einen Neubau für ihre künftige Verwaltungszentrale Millionen ein (anstelle 15,5 Millionen rechnet man heute laut Budget 2020 mit 6,5 Millionen Franken für die Anpassung des Hauses an den Verwaltungsbetrieb).

Ende Juni hat der Stadtrat bekannt gemacht, dass Lenzburg die Verwaltungsabteilungen im Hünerwadelhaus zusammenführt. Im zweiten Semester 2021 sollen die rund 70 Mitarbeitenden der heutigen Verwaltungsstandorte Rathaus, Försterhaus und Alte Post in die zentrale Stadtverwaltung einziehen.

Bis zum Schuljahresende im Sommer 2020 ist das Hünerwadelhaus von der KV-Schule belegt.
Das Umzugsprojekt läuft in der Stadtverwaltung unter dem Namen «Lenzburg21». Der Terminplan für das Projekt ist ehrgeizig.

Zum zeitlichen Ablauf sagt Stadtschreiber Christoph Hofstetter: «Im Dezember hat der Einwohnerrat über den Planungskredit zu befinden. Im 1. Semester 2020 soll der Baukredit vorgelegt werden. Und im Herbst 2020 haben die Lenzburger an der Urne über die Investition zu befinden.»

Mehr als bauliche Massnahmen nötig

Fakt ist: Der aktuell bekannte Betrag von 6,5 Millionen Franken ist um einiges höher als in der Öffentlichkeit für die Anpassung an den Verwaltungsbetrieb angenommen. Erst vor wenigen Jahren war das KV für einen modernen Schulbetrieb vollumfänglich saniert worden.

Hofstetter erklärt dazu: «Die Aufwendungen für die künftige Nutzung des Hauses beinhalten weit mehr als die rein bauliche Anpassung an einen Verwaltungsbetrieb.» Ein Raumkonzept soll die betrieblichen und sicherheitstechnischen Aspekte klären.

Zum Beispiel: Welche Bereiche im Haus sollen öffentlich zugänglich gemacht werden und welche dem internen Betrieb vorbehalten bleiben? Elektro- und Lichtinstallationen sind den geänderten Bedürfnissen anzupassen und vieles mehr.

Ebenso stelle sich die Frage der Möblierung, sagt Hofstetter. Kann bisheriges Mobiliar verwendet oder muss das Haus neu möbliert werden? Das Klären der harten Fakten ist das eine. Hinzu kommen noch weiche Faktoren mit einem sehr hohen Stellenwert im traditionsbewussten Lenzburg.

Dazu gehört der Frühschoppen am Jugendfest. Wo soll dieser stattfinden, wenn die Lenzburger Stadtverwaltung aus dem Rathaus ausgezogen ist? Erschallt das «Vuglbärbam»-Lied dereinst aus den Fenstern des Hünerwadelhauses auf den Freischarenplatz hinaus?

Tafelsilber nicht verscherbeln

Zu den Erwartungen an die zentralisierte Verwaltung macht die FDP eine klare Ansage an den Stadtrat: «Das Projekt Verwaltungszentrum ‹Lenzburg21› muss für den Steuerzahler sowohl qualitativ als auch quantitativ einen Mehrwert generieren».

Ebenso äussert Partei ihre Haltung, was mit den frei werdenden Liegenschaften nach dem Umzug der Verwaltung passieren soll. Die Freisinnigen sprechen sich gegen den Verkauf von Liegenschaften aus, «welche an strategisch wichtigen Orten liegen».

Das Tafelsilber soll im Portefeuille der Einwohnergemeinde bleiben, eine gezielte Bewirtschaftung generiere nachhaltige Einnahmen für die Stadt, heisst es. Konkret geht es um das «Försterhaus» beim Kronenplatz und die «Alte Post» in der Poststrasse.

Hinzu kommt das heutige Bezirksgebäude beim Metzgplatz. Die Finanzplanung 2020–2024 sieht einen Verkauf dieser Gebäude für rund 4,9 Millionen Franken vor. Die drei Posten sind allerdings versehen mit dem Vermerk «Entscheid offen».

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