Lenzburg
Theater über die «Seifi»: Eine sinnliche Reise durch Hygiene und Dreck

Zum Jubiläum plant das Landschaftstheater eine Produktion zur Geschichte der «Seifi».

Ruth Steiner
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Die Seifenfabrik lebt im gleichnamigen öffentlichen Parkplatz auf dem Areal am Rand der Altstadt weiter.

Die Seifenfabrik lebt im gleichnamigen öffentlichen Parkplatz auf dem Areal am Rand der Altstadt weiter.

Ja, es gab Zeiten, da schäumte es in der «Seifi» so richtig. Doch diese Jahre sind längst vorbei, die Seifenfabrik ist Vergangenheit. Auf dem Areal, auf welchem einst Fässer mit Rohstoffen für die Produktion von Seifen für verschiedenste Ansprüche lagerten, ist seit 1986 ein öffentlicher Parkplatz am Rande der Lenzburger Altstadt.

Heute kann man sich kaum mehr vorstellen, dass hier vor 40 Jahren noch Markenseifen wie Biokosma, Juvena und Weleda produziert wurden. Einzig ältere Lenzburger erinnern sich daran, dass früher den Fabrikarbeiterinnen, «Seififrauen» genannt, der wohlriechende Duft von frischer Seife nachhing. 1990 ist die «Seifi» nach 133 wechselvollen Jahren stillgelegt worden (siehe Text rechts).

Jetzt wird die Geschichte der Lenzburger Seifenfabrik aufgerollt. Und zwar auf der Theaterbühne. Just zum 20-jährigen Bestehen des Landschaftstheaters Lenzburg im nächsten Jahr. 2020 soll sich die Jubiläumsproduktion rund um die «Seifi» drehen. «In Kooperation mit dem Museum Burghalde will das Landschaftstheater verschiedene Fährten der ehemaligen Seifenfabrik aufnehmen», schreibt der Verein. Parallel zum Theater widmet sich das städtische Museum in einer Sonderausstellung «Saubere Sache! Eine Ausstellung über die faszinierende Welt der Seife» ebenfalls der Geschichte der Seifenfabrik.

Seifenfabrik Lenzburg

Die «Seifi» wird 1857 von Johann Rudolf Ringier gegründet. Produziert werden Ringiers Medizinalseifen. 1900 geht die Fabrik in belgischen Besitz über. Nach dem Konkurs wird 1909 die Seifenfabrik Lenzburg AG konstituiert. Zum Initiativkomitee gehören die Hero-Eigentümer Karl Roth und Gustav Henckell. Die Firma durchlebt wechselvolle Jahre. Als Dreiergespann führen Eduard Frey-Wilson, Siegfried Hirzel und Traugott Hausmann die «Seifi» durch die krisengeschüttelten 30er-Jahre und den Zweiten Weltkrieg. Die Produktpalette wird laufend erweitert: Kern- und Schmierseifen, Flocken, Toilettenseifen und Glycerinseifen gehören dazu. Während des Zweiten Weltkriegs sind Seifen und Waschmittel rationiert.


1948 übernimmt Siegfried Hirzel das Aktienpaket der Erbschaft Henckell, Freys Aktien gehen an Siegfried Hirzel und Traugott Hausmann. 1966 tritt Sohn Werner Hausmann in die Firma ein. Die Aktivitäten konzentrieren sich zunehmend auf eine Palette von Spezialseifen. 1970 stirbt Siegfried Hirzel, 1972 kauft Plinio Doninelli, Bauunternehmer aus Staufen, das Aktienpaket. Ein Jahr nach Traugott Hausmanns Pensionierung verlässt 1976 Werner Hausmann die Firma. Die Seifen-Produktion wird 1983 nach Hallwil verlegt. Schliesslich wird sie 1990 stillgelegt.

Das Theaterprojekt ist Teil des Themenjahres #ZeitsprungIndustrie. Dieses wird vom Verein IndustrieWelt Aargau koordiniert und vom Swisslos-Fonds des Kantons Aargau unterstützt.

Mit Wedekind fing es an

Den Verein Landschaftstheater Lenzburg gibt es seit 19 Jahren. Er erlebte mit seiner Erstaufführung «Frühlingserwachen» von Frank Wedekind einen fulminanten Start. Im Zwei-Jahres-Rhythmus wurde anschliessend Theater gespielt. Zum Stadtrechtsjubiläum 2006 schrieb Autor Ruedi Häusermann dem Landschaftstheater mit «Ängelrain» ein echtes Stück Lenzburg auf den Leib. Dann passierte lange nichts mehr. Der Vorhang der Landschaftstheater-Bühne blieb geschlossen. 2014 wurde mit «...&Gloria» ein neuer Anlauf genommen. Die Innen- und Aussenräume der ehemaligen Wisa-Gloria-Fabrik wurden mit fiktiven Geschichten bespielt. 2017 folgte «Transit. Home». Die Produktion drehte sich um den verschollenen amerikanischen Flugpionier, Polarforscher und Schlossbesitzer Lincoln Ellsworth.

Mitwirkende gesucht

Wiederum drei Jahre später wird nun die «Seifi» zum Theaterinhalt. Die künstlerische Leitung der Jubiläumsinszenierung liegt beim Verein der Flaneure. Die Premiere des Stücks findet im August 2020 statt. Bis dahin gibt es noch viel zu tun. Es werden noch Mitwirkende für die Aufführung gesucht. Interessierte melden sich bis am 30. April bei landschaftstheater@gmail.com.

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