Seetal
Schweizerische Hochstammobsttagung war im Seetal zu Gast

Nicht nur der Comic-Hund Idefix jault auf, wenn Bäume gefällt werden. Die jüngste Rodung von Hochstammobstbäumen an der Grenze zwischen Boniswil und Hallwil und die Reaktionen darauf zeigen deutlich, dass die «Hochstämmer» viele Emotionen wecken.

Fritz Thut
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Querschnitt durch die Produktpalette der Hochstamm Seetal AG. tf

Querschnitt durch die Produktpalette der Hochstamm Seetal AG. tf

Purer zeitlicher Zufall ist es, dass die zweite Schweizerische Hochstammobsttagung vorgestern im Seetal Gastrecht genoss. Weniger Zufall ist der Ort. Das Seetal gilt als Hochburg der organisierten Pflege der landschaftsprägenden Hochstammbäume und so war der Saal in der landwirtschaftlichen Schule im luzernischen Hohenrain vollbesetzt, mit interessierten Zuhörern, die Fachleuten zum Thema lauschten.

Gesteigerte politische Bedeutung

Ein grosser Teil des Publikums pflegt selbst Hochstammbäume. Vor allem in diesen Kreisen war man gespannt, aus erster Quelle zu erfahren, wie die eidgenössische Landwirtschaftspolitik, die aufwändige Pflege der «Hochstämmer» in Zukunft zu honorieren gedenkt.

Christian Hofer, Vizedirektor des Bundesamtes für Landwirtschaft, konnte in diesem Sinne Entwarnung geben, als er bestätigte, dass im Rahmen der Agrarpolitik 2014–17 die «noch gezielteren Direktzahlungen» für die Halter von Hochstammbäumen «aufrechterhalten» bleiben, ja dank dem Ziel Nachhaltigkeit gar punktuelle Steigerungen drinliegen: «Der Bedeutung der Hochstammbäume in ihren ökologischen, biologischen und ästhetischen Dimensionen wird noch mehr Rechnung getragen.»

Hofer erinnerte in seinem Vortrag auch daran, dass erst ein Paradigmenwechsel der schweizerischen Landwirtschaftspolitik Anfang der 90er-Jahre das nach dem Zweiten Weltkrieg grassierende Hochstammsterben massiv bremsen konnte. Im Moment werden schweizweit rund 2,2 Millionen Bäume subventioniert.

Regionale Nähe als Argument

Noch höhere Zahlen weist das deutsche Bundesland Baden-Württemberg auf. Katharina von Plocki, von der Marketing- und Absatzförderungsgesellschaft für Agrarprodukte in Stuttgart, schilderte wie in ihrem Bundesland die 9,3 Millionen Hochstammbäume als Verkaufsargument beim Direktverkauf, aber vor allem in Tourismus und Gastronomie verwendet werden.

Streuobstwiesen, wie Landschaften mit Hochstammbäumen nördlich des Rheins genannt werden, entsprechen laut von Plocki verschiedenen Megatrends: Nachhaltigkeit, Gesundheit und Nähe sind für immer mehr Konsumenten entscheidend. «Mit Streuobstprodukten sind wir hier voll im Trend». Es gelte jetzt, diese Erzeugnisse «aktiv und selbstbewusst zu vermarkten».

Dazu hörten die Tagungsteilnehmer Beispiele aus der Schweiz. Bruno Muff, der seit sechs Jahren den Haldihof in Weggis biologisch betreibt, beschrieb wie er auf seinem 6-Hektar-Betrieb mit vielen Ideen und Innovationen bewusst eine Politik der Privatvermarktung seiner «Produkte im Hochpreissegment» verfolgt: Mit professionellem Marketing, mit Erfolg, aber auch mit gelegentlichen Rückschlägen.

Regionalität verkauft sich gut

Weiteres Beispiel war die gastgebende Hochstamm Seetal AG, der 200 Aargauer und Luzerner Mitglieder angeschlossen sind. Es konnte eine breite Palette von Produkten der rund 75000 Seetaler Bäume gezeigt und degustiert werden. «Unsere Regionalität verkauft sich gut», freute sich Geschäftsführer Simon Gisler.

Eine weitere Vermarktungsnische präsentierte der innovative Urs Amrein aus Hildisrieden. Mit seinen Baumpatenschaften hat es schon fertig gebracht, «ein halbes Kilo Birnen für 600 Franken zu verkaufen».

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