Schloss Lenzburg
Schloss Lenzburg: Museum Aargau ersteigert historisch wichtige Dokumente

Das ersteigerte Gästebuch der letzten Besitzerfamilie Ellsworth zeigt, dass auf der «Lenzburg» in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts eine illustre Gästeschar ein- und ausging.

Ruth Steiner
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Schloss Lenzburg: Museum Aargau ersteigert historisch wichtige Dokumente
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Fotoalbum mit Aufnahmen der «Villa Palmieri» in Florenz, dem italienischen Feriensitz der Familie Ellsworth. Dazu Rudolf Velhagen: «Es ist auch wichtig, Dokumente zu haben, die nicht direkt die ‹Lenzburg› betreffen. Es ist ein weiteres Puzzleteil über das Leben einer reichen amerikanischen Familie in Europa am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts.»
Rudolf Velhagen, Leiter Historische Sammlung Museum Aargau, blättert im Gästebuch.
Familie Ellsworth war überaus wohlhabend. James Ellsworth, der Vater des Polarforschers Lincoln Ellsworth, war als Bankier tätig und besass Kohleminen. Er hat seiner Familie ein eigenes Wappen kreieren lassen. «Es zeugt von einem historischen Selbstbewusstsein, wenn eine Familie sich ein Wappen gibt. Wahrscheinlich handelt es sich hier um einen Entwurf», erklärt Velhagen.
Um 1900, also noch vor dem Kauf von Schloss Lenzburg, liess James Ellsworth ein Bild von sich malen, von dem später diese Foto gemacht wurde. «Das Ganzfiguren-Porträt war in der Regel der Aristokratie vorbehalten und zeigt einmal mehr das Standesbewusstsein der Familie Ellsworth», sagt Rudolf Velhagen.
Das Foto zeigt Lincoln Ellsworth und Roald Amundsen bei der Hissung der norwegischen Flagge am Nordpol am 12. Mai 1926. «Es ist sensationell, dass wir das Originaldokument haben», freut sich Rudolf Velhagen.
Der handgeschriebene Kaufvertrag zwischen der Familie Ellsworth und dem Vorbesitzer August Edward Jessup. Für Rudolf Velhagen lässt sich damit «die Schlossgeschichte präzise dokumentieren. Das Dokument gibt Aufschluss über die damaligen Vertragsbedingungen.»

Schloss Lenzburg: Museum Aargau ersteigert historisch wichtige Dokumente

Chris Iseli

Ausgebreitet auf dem langen Tisch in der Bibliothek auf Schloss Lenzburg liegen die jüngsten Errungenschaften, die Museum Aargau in einer Steigerung kürzlich erstanden hat: Urkunden, Briefe und eine Vielzahl an Fotos der Familie Ellsworth, von 1911 bis 1956 die letzten Privatbesitzer von Schloss Lenzburg.

Die Freude über den Kauf steht Rudolf Velhagen, dem Leiter der Historischen Sammlung von Museum Aargau, auch jetzt noch ins Gesicht geschrieben. «Diese Dokumente sind für die Forschung der Schlossgeschichte von höchster Bedeutung», schwärmt er und gesteht, dass er «ganz aus dem Hüsli» gewesen sei, als er die Sammlung zum ersten Mal zu Gesicht bekommen habe. Selbst an der Auktion habe er bis zum letzten Moment gebibbert, ob sich nicht plötzlich doch noch ein anderer Interessent melde.

Velhagen kann nicht sagen, wie die Dokumente zum Auktionator kamen. «Es muss jemand sein, der Kontakte zur Familie Ellsworth gehabt hat», mutmasst er und hofft, dass noch weitere Trouvaillen den Weg aufs Schloss finden. «Schlossgeschichte ist immer auch Familiengeschichte», sagt er. Nicht nur das Monument, also das Schloss, sondern vor allem die Menschen, die darin gelebt haben, würden die Geschichte fassbar machen.

Überlieferte Dokumente über den gelebten Alltag der Bewohner sind ein wesentlicher Schlüssel zur Aufklärung. Ein besonders wertvolles Zeitzeugnis ist dabei das Gästebuch. Dieses hat Museum Aargau nun in seinen Besitz bringen können.

«Ein Gästebuch sagt sehr viel über eine Familie aus», sagt Rudolf Velhagen und nimmt ein grosses dickes Buch mit einem braunen Ledereinband in die Hand.

Vorsichtig beginnt er darin zu blättern: «Sehen Sie, viele Gäste kamen aus Übersee, doch sind auch Persönlichkeiten aus der Schweiz und Lenzburg hier zu Gast gewesen – der Weinimporteur Alfred Zweifel hat sich hier verewigt, wie auch Opernsängerin Erika Wedekind, die ihre Kindheit auf dem Schloss verbracht hat.»

Er tauche gerne ein in Familiengeschichten, stelle sich vor, wie sie hier lebten und feierten, gesteht Velhagen und sinniert, «wie es wohl war, wenn Familie Ellsworth mit ihren Gästen an einem lauen Sommerabend im Rosengarten sass.

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