Ammerswil

Schliessung verhindert – drei Frauen retten die Dorfbibliothek

Stefanie Hinsberger, Magdalena Lüscher und Mireille Schneeberger (von links) sorgen dafür, dass die Bibliothek im Dorf bleibt. Bild: zvg

Stefanie Hinsberger, Magdalena Lüscher und Mireille Schneeberger (von links) sorgen dafür, dass die Bibliothek im Dorf bleibt. Bild: zvg

Die Gemeinde beanspruchte den Raum für schulische Zwecke. Dank dem Engagement von Freiwilligen konnte die Schliessung der Ammerswiler Gemeinde- und Schulbücherei verhindert werden.

Noch bis am Samstag ist die Ammerswiler Dorf- und Schulbibliothek offen. Dann wird sie geschlossen. Und am 11. August an einem neuen Ort im Schulhaus wieder geöffnet. So steht es auf der Website der Gemeinde Ammerswil geschrieben.

Diese Information ist so weit wenig spektakulär. Doch die jüngste Geschichte rund um die Gemeindebibliothek im 700-Seelen-Dorf Ammerswil ist facettenreich: Zum einen fand ein hartnäckiges Ringen statt um das Weiterbestehen der kleinen Bibliothek. Eine Zeit lang stand die Wiedereröffnung auf der Kippe. Die Geister schieden sich an der Frage, ob eine Bücherausleihe heutzutage noch zeitgemäss sei. Die Grundsatzdiskussion hat ihren Ursprung jedoch ganz woanders: Die Gemeinde beanspruchte den Raum für schulische Zwecke.

Keine Beiz, kein Laden, dafür eine Bibliothek

Die Dorf- und Schulbibliothek wird im Schulhaus nur wenige Meter weiter gezügelt und am Ende des Ganges im Erdgeschoss wieder eingerichtet. «Der Raum wird analog des bestehenden Gruppenarbeitszimmers im ersten Stock bereitgestellt», erklärt Rita Brunner. Seit Anfang Jahr engagiert sich die Gemeinderätin ehrenamtlich im kleinen Bibliotheksteam mit Stefanie Hinsberger, Magdalena Lüscher und Mireille Schneeberger. «Diese drei Frauen sind die eigentlichen Retterinnen der Bibliothek», sagt Brunner. Nach einer Kostenüberprüfung wurde die Bezahlung der Bibliotheksarbeit vonseiten der Gemeinde in Frage gestellt. Daraufhin hätten sich die drei Frauen spontan entschlossen, auf ehrenamtlicher Basis weiterzumachen und damit die Schliessung der Bibliothek zu verhindern, sagt Brunner. Nebst dem Führen der Bibliothek bieten sie zusätzlich ein Lese-Monitoring für die Schuljugend an und führen Lesezirkel durch.

Ammerswil ist nicht einfach eine gewöhnliche Gemeindebücherei. Seitdem das Restaurant Rütli und später auch der Volg geschlossen sind, kommt der Bibliothek eine wichtige gesellschaftliche Bedeutung zu in der kleinen Dorfgemeinschaft. Nebst dem Gemüseladen und verschiedenen Vereinsanlässen sei sie zu einem wichtigen Treffpunkt für die Bevölkerung im Dorf geworden, erklärt Gemeinderätin Rita Brunner. Nicht zuletzt deswegen wurde eine Kaffeemaschine angeschafft, und die Bibliothek ist in den vergangenen Jahren während der Öffnungszeiten zur kleinen Ammerswiler Kaffeestube geworden.

Gemeinde und Regionalschule leisten Beitrag

Es gibt viele handfeste Gründe, welche das Weiterbestehen der 1857 gegründeten Bibliothek rechtfertigen, sagt Rita Brunner mit Blick auf die Statistik. Dieser zufolge geht jeder siebte der 711 Einwohner von Ammerswil in die Dorfbibliothek. Sie wird vor allem von Schülerinnen und Schülern gerne genutzt. Mit rund 2100 Medien steht für die Jugend das grösste Angebot in den Regalen der kleinen Buchausleihe. Zu den «Rennern» gehören, wie andernorts auch, die Fantasy-Reihen Harry Potter, Warrior Cats und Samurai. «Die Bibliothek führt aktuelle Bücher», sagt Rita Brunner. Buchwünsche würden trotz knapper Finanzen nach Möglichkeit erfüllt. Der Jahresbeitrag beträgt 15 Franken. Für Schülerinnen und Schüler ist die Ausleihe kostenlos. Einwohnergemeinde und Regionalschule leisten jährlich einen finanziellen Zustupf an die Dorf- und Schulbibliothek.

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