Seon
Schliessung nach 31 Jahren: «Einige haben Mühe, dass unser Laden verschwindet»

Ende Mai schliesst Anna Vollenweider ihren Lebensmittelladen mit Migros-Produkten. Für ihre 13 Angestellten ist gesorgt: Alle haben von der Migros ein Angebot für die Weiterbeschäftigung erhalten.

Fritz Thut
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Inhaberin Anna Vollenweider vor ihrem «Migros Partner»-Laden in Seon. tf

Inhaberin Anna Vollenweider vor ihrem «Migros Partner»-Laden in Seon. tf

Fritz Thut

Seon, eine stolze Gemeinde mit bald 5000 Einwohnern, hat zwar schon seit langer Zeit keine eigene Bäckerei mehr im Dorf, aber die Auswahl an andern Lebensmittelläden ist gross. Doch am 28. Mai verschwindet ein eratischer Block der lokalen Detaillisten. Anna Vollenweider schliesst nach genau 31 Jahren ihren «Migros Partner»: «Um 16 Uhr ist zu – für immer.»

Die Ankündigung der Schliessung hat vor allem bei den Stammkunden für etwelche Unruhe gesorgt, wie die selbstständige Ladenbetreiberin beobachtet: «Die Reaktionen zeigen mir, dass gewisse Leute Mühe haben, dass unser Laden verschwindet», so Vollenweider.

Arbeitsplätze für alle

Man habe hier halt noch intensiv Kontakt zu den Kunden. «Und die haben Sorge um uns und um die Zukunft unserer Angestellten», beschreibt Anna Vollenweider eine Stossrichtung der Rückmeldungen zur Schliessung ihres Ladens in unmittelbarer Nähe des «Sternen»-Kreisels.

Doch die Patronne kann beruhigen. Alle Angestellten – nach einem Kontrollblick auf die Stempelkarten steht fest, dass es 13 sind – haben ein Angebot für die Weiterbeschäftigung erhalten. Der neue Arbeitgeber ist künftig nicht mehr eine übersichtliche Kleinfirma, sondern der Grossverteiler Migros, der im Juni 200 Meter Luftlinie entfernt einen neuen Grossmarkt eröffnet.

«Alle Angestellten haben ein Angebot erhalten, erste Gespräche wurden geführt und wohl auch schon erste Verträge unterzeichnet», weiss Anna Vollenweider. Sie selbst hat es nicht eilig, für sich eine neue Lösung zu fixieren: «Ich muss hier zuerst meinen Laden richtig auflösen; da gibt es noch viel zu tun.»

Anschliessend soll das Lokal, das Vollenweider im Stockwerkeigentum gehört, saniert und für einen Nachmieter fit gemacht werden. Eine neue Verwendung, erst noch eine auf der Hand liegende Seoner Lösung, ist aufgegleist, aber die entsprechenden Verträge sind noch nicht unterzeichnet.

Der potenzielle Nachfolger, ein Fachgeschäft, benötigt auch nicht derart viele Parkplätze wie der «Migros Partner» als Lebensmittelladen. Der baldige Wegfall der zugemieteten Parkfelder am Kreisel, hätte für das unabhängige Geschäft mit den den Migros-Produkten ohnehin kaum überwindbare Probleme gebracht.

Nach der Kündigung des Liefervertrages durch die Migros hätte sich Vollenweider nach einem neuen Lieferanten und neuen Parkplätzen umsehen müssen, wobei zweites viel schwieriger wäre.

Da lag das Ende auf der Hand. Genau 31 Jahre nach dem Start, im Juni 1985 noch an einer andern Adresse, aber ebenfalls an der Unterdorfstrasse, folgt am letzten Mai-Samstag das endgültige Lichterlöschen. «Dann mache ich zuerst auch mal Ferien», blickt Anna Vollenweider auf die wichtige Zäsur in ihrem Leben voraus.

Frisches Brot bis Ladenschluss

Die Zeit ohne Migros-Produkte dauert in Seon nur kurz. Am 2. Juni öffnet die neue Filiale. «Unser neuer Laden wird nach den neuesten Standards der Migros Aare gebaut», schreibt Migros-Mediensprecherin Andrea Bauer. Als Nahversorger werde er mit Artikeln des täglichen Bedarfs konzipiert und «auf die Bedürfnisse der Bevölkerung von Seon und Umgebung abgestimmt».

Die Ladenfläche der neuen Filiale beträgt knapp 1000 Quadratmeter (im Vergleich dazu nehmen sich die 280 Quadratmeter des bisherigen «Migros Partner» bescheiden aus) und umfasst auch einen Aussenverkauf für Pflanzen. Bereits wird die Werbetrommel gerührt: «Es wird frisches Brot bis Ladenschluss geben.» Dies ist wichtig für eine Gemeinde ohne Bäckerei.

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