Grossratswahlen

Politische Senkrechtstarterin: Eine Frau mit klaren Absichten

Die Lenzburgerin Corin Ballhaus hat die Politik für sich entdeckt und einiges vor.

Die Lenzburgerin Corin Ballhaus hat die Politik für sich entdeckt und einiges vor.

Corin Ballhaus kandidiert auf der Liste der SVP für den Grossen Rat. Dabei hat die Lenzburgerin noch ein anderes Ziel im Visier: die Stadtratswahlen 2021.

Corin Ballhaus bezeichnet sich als Kommunikationsspezialistin, ihre Firma heisst Ballhaus Profiling. Sie berät Firmen, vornehmlich Klein- und Mittelbetriebe, bei der Marktpositionierung. Der Begriff Profiling steht für das Schärfen der Unternehmerpersönlichkeit, für das Herausschälen von unverwechselbaren Erkennungsmerkmalen.

Corin Ballhaus selber spricht ebenfalls eine deutliche Sprache, nennt die Dinge beim Namen, auch wenn es schmerzt. Ihre politischen Gegner können ein Lied davon singen. Ebenso der Stadtrat Lenzburg, dem Corin Ballhaus als Einwohnerrätin oder auch Präsidentin der Geschäftsprüfungs- und Finanzkommission (GPFK) schonungslos und mit markigen Worten begegnet, wenn ihr zum Beispiel eine Vorlage zu wenig ausgegoren und unvollständig erscheint. «Dabei geht es immer um die Sache», betont sie. Bei aller Härte müsse der gegenseitige Respekt in den Diskussionen stets gewahrt bleiben.

Die Polit-Spätzünderin zündet jetzt den Turbo

Politisch ist Corin Ballhaus eine Senkrechtstarterin, eine Spätberufene zwar, jedoch umso mehr Schub verleiht die 55-Jährige nun ihrer Polit-Karriere. 2016 ist sie nach über zwei Jahrzehnten wieder nach Lenzburg gezogen. Ein Jahr später wurde sie auf Anhieb für die SVP in den Einwohnerrat der Stadt Lenzburg gewählt. Gleichzeitig wurde Ballhaus Mitglied der GPFK, die sie nun in der zweiten Legislaturhälfte präsidiert. In dieser Zeit hat sie zwei weitere Prestigeämter in der Stadt ergattert: Als erste Frau präsidiert sie die Ortsbürger Rebbauern-Vereinigung, zudem wurde sie Stiftungsrätin der Stiftung Schloss Lenzburg.

Jetzt zündet Ballhaus bereits die nächste politische Stufe: Sie kandidiert für den Grossen Rat des Kantons Aargau. Zu den kürzlich geführten Diskussionen rund um die Doppelmandate als Grossrätin und Gemeinde- beziehungsweise Einwohnerrätin hat sie eine dezidierte Meinung: «Doppelmandate sind der Sache dienlich. Man kann die politische Diskussion mit ganz anderer Vehemenz führen, wenn man weiss, wie der Betrieb auf kommunaler Ebene läuft», sagt sie und weiter: «Der Gestaltungsspielraum lässt sich sicher besser ausschöpfen, wenn man als Lokalpolitikerin die Anliegen von Stadt und Region kennen gelernt hat und diese Erfahrungswerte einbringen kann.»

Das Gespräch führt Corin Ballhaus am Esstisch in ihrer Wohnung am Rande der Lenzburger Altstadt. Mitten im Kuchen wohnen, das gefällt der Herzblut-Netzwerkerin, die sich am Markt um die Ecke nicht nur regelmässig mit frischem Gemüse eindeckt, sondern mit den Menschen das Gespräch sucht. «Das Gewerbe, die KMUs, sind wichtige Pfeiler unserer Gesellschaft. Sie sind Arbeits-, Lern- und Innovationsorte», schreibt Ballhaus im Porträt in der Wahlzeitung. Auf politischer Ebene will sie für erträgliche Rahmenbedingungen für die Wirtschaft sorgen, die Regulationsflut eindämmen. Ebenso betont sie die Wichtigkeit eines gesundes Finanzhaushalts der öffentlichen Hand. «Einnahmen und Ausgaben müssen sich die Balance halten.» Steigenden Kosten mit einem höheren Steuerfuss zu begegnen, sei keine Lösung, sagt sie. Ebenso hat Ballhaus die Sozialkosten im Visier. «Überdurchschnittlich wachsende Sozialkosten bei einem unterdurchschnittlichen Wachstum des Steuersubstrats sind gesellschaftlicher Zündstoff.»

Auf der Kandidatenliste der SVP Bezirk Lenzburg ist Corin Ballhaus an sechster Position. Die Partei hat aktuell drei Mandate in Aarau, die Bisherigen Pascal Furer, Staufen (designierter Grossratspräsident), Rolf Jäggi, Egliswil und Jacqueline Felder, Boniswil machen weiter.

Die Grossratskandidaten aus dem Bezirk Lenzburg:

Bereits in Position für die Stadtratswahlen 2021

Corin Ballhaus macht sich nichts vor: Ihre Wahlchancen als Neuling sind gering. Parteistimmen holen zu können, sei ihr aber nicht minder wichtig, betont sie. Doch: Mit ihrer Kandidatur für den Grossen Rat hegt Ballhaus noch eine andere Absicht. Sie peilt die Gesamterneuerungswahlen des Stadtrats 2021 an. «Ja, ich werde mich im nächsten Jahr den Lenzburgerinnen und Lenzburgern als Stadträtin zur Verfügung stellen.» Corin Ballhaus will sich frühzeitig in Position bringen. «Die Wählerinnen und Wähler sollen Zeit haben, mich kennen zu lernen und nicht einfach aufgrund eines kurzzeitig geführten Wahlkampfes entscheiden müssen.» Offiziell gibt es allerdings derzeit keine Vakanzen für den Stadtrat. Doch wird allgemein angenommen, dass (unter anderem) Ballhaus’ Parteikollege Martin Stücheli altershalber nicht mehr für eine weitere Amtsperiode antreten wird.

Im Einwohnerrat zeigt sich Corin Ballhaus als äusserst lustvolle Politikerin. Sie bestätigt diesen Eindruck. «Die aktive Politik hat mir eine neue Welt eröffnet. Ich finde es ausgesprochen spannend zu erleben, wie Kanton und Gemeinde funktionieren.» Vieles bleibe dem Bürger verborgen. Kein Wunder, wenn sich zunehmend eine gewisse Politverdrossenheit bemerkbar mache. «Wir müssen den Dialog mit den Menschen suchen und dürfen nicht im politischen Elfenbeinturm verharren.»

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