Niederlenz/Möriken-Wildegg
Betreibungsämter im Minus: Nun soll das Sportelsystem abgeschafft werden

Um Kosten zu sparen, soll das Betreibungsamt von Niederlenz und Möriken-Wildegg in die Gemeindeverwaltung integriert werden. Weitere Gemeinden könnten sich noch anschliessen.

Valérie Jost
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Hierhin soll das Betreibungsamt verlegt werden: das Mühlegebäude in Niederlenz mit der Gemeindeverwaltung.

Hierhin soll das Betreibungsamt verlegt werden: das Mühlegebäude in Niederlenz mit der Gemeindeverwaltung.

Roland Solloso / WOZLZB

Die Betreibungsämter von Möriken-Wildegg und Niederlenz sollen per Januar 2023 in die Gemeindeverwaltung integriert werden. Das haben die Gemeinderäte entschieden; an der Wintergmeind vom 26. November 2021 wird das Niederlenzer Stimmvolk über die Umstellung und den Stellenplan abstimmen.

Momentan werden die Ämter vom Betreibungsbeamten Bruno Keusch im sogenannten Sportelsystem geführt. Während etwa der Kanton Zürich das System 2007 abgeschafft hat, findet es in einigen Aargauer Gemeinden noch Anwendung: Das Betreibungsamt (sprich: die dafür engagierten, externen Personen) arbeiten dann unabhängig von der Gemeindeverwaltung, können die gesetzlich festgelegten Gebühren (Sporteln) behalten und erhalten von den Gemeinden zusätzlich pro Betreibung eine Grundentschädigung von fünf Franken.

«Früher waren es sogar 15 Franken», erklärt der Niederlenzer Ammann Jürg Link (SP). Doch auch mit fünf Franken sei das System für die Gemeinde «defizitär». Deshalb die geplante Integration in die Gemeindeverwaltung: Die Angestellten würden dann direkt bei der Gemeinde beschäftigt, dafür nähme aber auch die Gemeinde die gesamten Betreibungsgebühren ein.

Drei weitere Gemeinden machen vielleicht mit

«Mit der Leistung des Amtes sind wir zufrieden», betont Ammann Link. Die geplante Änderung bringe jedoch für die Gemeinde Vorteile – organisatorische (das Amt soll vom Hetex-Areal ins Mühlegebäude zur Gemeindeverwaltung ziehen) sowie finanzielle. Genaue Zahlen nennt auch Finanzverwalter Manfred Zwahlen nicht – nur: «Momentan haben wir in dem Bereich einen Aufwandüberschuss. Das Ziel soll sein, das Amt mindestens kostendeckend zu betreiben.» Von anderen Gemeinden wisse man jedoch, dass mit dem neuen System auch ein Ertragsüberschuss möglich sei.

Mit an Bord für die Umstellung ist bereits Möriken-Wildegg, das auch heute schon mit Niederlenz zusammenspannt. Und wie geht es bei den anderen Gemeinden der heutigen Zusammenarbeit – Auenstein, Veltheim, Holderbank, Thalheim, Brunegg, Hendschiken und Schinznach-Dorf – weiter? «Auenstein, Veltheim, Thalheim und Schinznach-Dorf haben abgesagt», sagt Jürg Link. Mit Holderbank, Hendschiken und Brunegg sei man dagegen noch in Gesprächen. Aber: «Sollte es bei Niederlenz und Möriken-Wildegg bleiben, wäre dies bezüglich der Mindestanzahl von Fällen bereits ausreichend.»

Ein Teil des Personals soll bleiben

Im neuen gemeindeinternen Betreibungsamt sollen um die 300 Stellenprozente eingesetzt werden, so Finanzverwalter Zwahlen. Genauer lässt es sich aufgrund der ausstehenden Antworten der anderen Gemeinden noch nicht sagen, denn: «Gemäss kantonalen Vorgaben braucht es pro 1000 Betreibungen 100 Stellenprozente.» Mehr Gemeinden und damit mehr Fälle würden also mehr Stellenprozente bedeuten.

Momentan machen die Beamtinnen und Beamten sowie Leiter Bruno Keusch aber rund 580 bis 590 Stellenprozente aus, wie dieser auf Anfrage sagt. Was passiert also mit den «Überzähligen»? Ammann Link kündigt an: «Es ist unsere Absicht, einige Personen im neuen Betreibungsamt weiter zu beschäftigen.» Es werde ein normales Bewerbungsverfahren geben, bei dem jedoch die Bisherigen Vorrang hätten. Das Personal sei schon informiert worden.

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