Lenzburg

Neuer General: Stephan Weber führt die Freischaren in den nächsten Kampf gegen die Kadetten

Stephan Gurini (links) und Stephan Weber.

Stephan Gurini (links) und Stephan Weber.

Der 43-jährige Rechtsanwalt wird zum neuen General des Lenzburger Freischarencorps ernannt. Er erhält viele Vorschusslorbeeren.

Keine ihrer Geheimwaffen hat bisher gezogen. All das Sprücheklopfen hat nicht gefruchtet: Stets haben die Freischaren das «Schlachtfeld» bisher als Verlierer verlassen.

Nun will man die Kadetten am Freischarenmanöver am 10. Juli 2020 mit einem neuen General einschüchtern. Er heisst Stephan Weber. Sein Kriegsname: Stephano del Narratore al Tribunale. «Wenn seine beeindruckende Gestalt in der Sonne steht, stellt er jeden Kadetten in den Schatten», zeigte sich Freischaren-Commissionspräsident Stefan Regli überzeugt.

«Endlich wird ein Mann mit Format uns Freischaren ins Manöver führen.» Am Freischarenrapport vorgestern Abend im alten Gemeindesaal in Lenzburg wurde der 43-jährige Rechtsanwalt Stephan Weber zum General ernannt. Er soll das rund 700-köpfige Corps im Sommer ins Manöver führen. Wortreich pries der Commissionspräsident die Qualitäten des neuen Corpsführers an.

«Weber kennt jeden Gesetzesbrecher in Lenzburg und damit auch die Tricks, die es braucht, um die Kadetten zu besiegen.» Der neue General liess sich nicht lange bitten. Mit markigen Sprüchen verkündete er, den Auftrag «ohne Wenn und Aber» zu erfüllen und das tapfere Freischarencorps 2020 zum längst überfälligen glorreichen Sieg zu führen.

Hatte Weber eine persönliche Geheimwaffe eingesetzt, die ihm bei der Ernennung zum General zuträglich gewesen sein könnte? Etwa seine Nähe zum abtretenden General Stephan Gurini? Beide sind Partner in der gleichen Rechtsanwaltskanzlei in Lenzburg.

Gurini hat die Freischaren von 2012 bis 2018 dreimal ins Feld geführt. Vier Jahre lang hatte er gar ein Doppelmandat als Generalissimus und Commissionspräsident inne. Hauptsächlich Stephan Gurini ist es zu verdanken, dass der über 160 Jahre alte Lenzburger Brauch verfilmt wurde.

Deshalb geht das Freischaren-Manöver 2018 als besonderes in die Annalen ein: Der Schlachtruf «Hono-lulu» und alles, was zur Freischarentradition gehört, wurde mit professionellen Filmkameras unter der Leitung von Filmemacherin Andrea Hauner eingefangen.

In Zusammenarbeit mit der Ortsbürger-Kulturkommission wurde das Filmdokument am 9. Juli 2019 der Öffentlichkeit erstmals präsentiert. «Man hatte schon fast das Gefühl, es finde auch im Zwischenjahr ein Manöver statt», erinnerte sich Regli.

Tatsächlich: Auch wenn im vergangenen Jahr vom «Feind» weit und breit nichts zu sehen war, so waren die Freischaren bei verschiedenen Gelegenheiten präsent. Unter anderem reiste eine Freischaren-Delegation im August an die Fête des Vignerons nach Vevey und vertrat den Lenzburger Brauch am Aargauer Tag.

Diverse Investitionen in Sicherheit und Ausbildung

Nachdem es bei Traditionsveranstaltungen in der Schweiz in den letzten Jahren verschiedentlich zu Vorkommnissen kam, ist man in Lenzburg nicht untätig geblieben. «Wir haben im Bereich Sicherheit und für Notfälle diverse Massnahmen ergriffen sowie in die Ausbildung investiert», erklärte Commissionspräsident Stefan Regli. Den Manöverteilnehmenden werde beispielsweise in diesem Jahr bereits zum dritten Mal ein Aufklärungskurs zum umsichtigen Umgang mit Waffen sowie Munition angeboten.

Generäle kommen und gehen. Doch der Befehl an die Freischaren bleibt unverändert: Am Freitag, 10. Juli, haben sie dem zahlreich aufmarschierenden Publikum ein farbenfrohes und lautstarkes Spektakel zu bieten und im landesweit einzigarten Landschaftstheater die schönsten Bilder um und auf den Gofi sowie auf die Schützenmatte zu malen. Dabei haben die Freischaren den Kadetten zum Sieg zu verhelfen. Auch wenn es ihnen nicht gefällt. Die Tradition will das so. Seit über hundert Jahren schon.

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