Seon
Nach einer Krankheit erfüllt sich Daniel Ehrlicher (51) einen Traum – er fährt im Porsche von Peking nach Paris

Daniel Ehrlicher aus Seon startet am Samstag das Abenteuer seines Lebens. Bei der Chinesischen Mauer in der Nähe von Peking steigt er, zusammen mit einem Jugendfreund, in einen Oldtimer-Porsche und fährt 16'000 Kilometer bis nach Paris.

Nora Güdemann
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Daniel Ehrlicher fährt mit seinem Porsche 911 von Peking nach Paris
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Von rechts nach links Florian Lissmann (Daniel Ehrlichers Co-Pilot), Martins Bucins (einer der Mechaniker, die das Fahrzeug restauriert haben) und Daniel Ehrlicher.
So sah der Wagen vor der Restauration aus.
Über ein Jahr verbrachten die beiden Männer damit, den Wagen in Zusammenarbeit mit Mechanikern der Firma A-Works von Grund auf zu restaurieren.
«Wir lagen einige Wochenenden unter dem Auto und haben geschraubt», sagt Ehrlicher.
Von der Farbe bis zu den Bremsen bis zur Achse wurde alles erneuert, sogar einen neuen Überrollkäfig hat der Porsche nun.
Der neue Motor des Porsche.
Das Team 96 muss in diesem Cockpit eine Fahrt von 16'000 Kilometer überstehen.
Nicht nur das Team steht vor einer Herausforderung sondern auch das Auto – obwohl es restauriert wurde.
Im Kofferaum verstaute Ehrlicher neben Ersatzteilen und Benzin auch ein Erste-Hilfe-Kit.

Daniel Ehrlicher fährt mit seinem Porsche 911 von Peking nach Paris

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Daniel Ehrlicher (51) hat 35 spannende Tage vor sich. Er nimmt an der «Peking to Paris Rally» teil. Dabei fahren die Teams durch 11 Länder und legen eine Strecke von über 16'000 Kilometern zurück.

Wer jetzt annimmt, dass Ehrlicher ein geübter Rally-Fahrer ist, täuscht sich. «Ich habe eine grosse Affinität zum Motorsport», sagt der gebürtige Münchner. «Aber ich habe noch nie an einer Rally teilgenommen. Wie ich bin, fange ich mit dem Härtesten an.» Nachdem er eine lange, schwere Krankheit durchgestanden hatte, sehnte er sich nach einem Abenteuer, einem «once-in-a-lifetime-Ding», wie er sagt.

Daniel Ehrlicher (51) aus Seon. Daniel Ehrlicher fährt mit seinem Porsche 911 von Peking nach Paris

Daniel Ehrlicher (51) aus Seon. Daniel Ehrlicher fährt mit seinem Porsche 911 von Peking nach Paris

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Nur zwei schafften es ins Ziel

Die «Peking to Paris Rally» wurde 1907 zum ersten Mal durchgeführt. Ehrlicher sagt: «Damals stand in der Pariser Zeitung ‹Le Matin› die Aufforderung: ‹Was heute noch bewiesen werden muss, ist, dass ein Mann, solange er im Besitz eines Autos ist, alles tun und sich überall hinbegeben kann. Gibt es jemanden, der diesen Sommer eine Fahrt per Automobil von Peking nach Paris unternehmen wird?›» 40 Leute wollten mitfahren, 5 starteten in Peking, doch nur 2 kamen in Paris an. «Mit den damaligen Fahrzeugen, ohne Infrastruktur und Strassen, eine solche Rally zu bewältigen, war eine unglaubliche Challenge», sagt Ehrlicher. «Und das ist es immer noch.»

Das ist die Route, die Daniel Ehrlicher in seinem Porsche bewältigen wird. Daniel Ehrlicher fährt mit seinem Porsche 911 von Peking nach Paris

Das ist die Route, die Daniel Ehrlicher in seinem Porsche bewältigen wird. Daniel Ehrlicher fährt mit seinem Porsche 911 von Peking nach Paris

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Ein Jahr lang geschraubt

An der Rally werden nur Fahrzeuge zugelassen, die vor 1976 gebaut wurden. Der älteste teilnehmende Wagen ist ein Contal Mototri Tricycle aus dem Jahr 1907. Daniel Ehrlicher, selbstständig im Maschinenbau und Energiesektor, und sein Teamkollege kauften sich einen alten Porsche 911S aus den 1970er-Jahren. Der Zustand des Autos war miserabel.

Über ein Jahr verbrachten die beiden Männer damit, den Wagen in Zusammenarbeit mit Mechanikern der Firma A-Works von Grund auf zu restaurieren. «Wir lagen einige Wochenenden unter dem Auto und haben geschraubt», sagt Ehrlicher. Von den Bremsen bis zur Achse wurde alles instand gesetzt, sogar einen neuen Überrollkäfig hat der Porsche nun. Im März verschiffte Ehrlicher seinen Oldtimer von Zürich über England nach Peking.

Ziel: 500 Kilometer pro Tag

Am Samstag startet die Rally mit 120 Teams. Daniel Ehrlicher fährt unter der Nummer 96. Bis zum 7. Juli muss sein Team jeden Tag durchschnittlich 500 Kilometer zurückgelegen, um Paris zu erreichen. Im Jahr 1907 winkte dem Gewinner der Rally eine Flasche Magnum von Mumm Champagner. Einen Preis gibt es jetzt nicht mehr. «Heute zahlt man dafür, dass man mitfahren darf», sagt Ehrlicher. «Eine Flasche Champagner werden wir so oder so köpfen, sollten wir es ins Ziel schaffen.»

Denn obwohl die Strassen heute besser sind, ist und bleibt die Reise durch China, die Mongolei, Kasachstan, Russland, Finnland, Estland, Lettland, Polen, Deutschland, Belgien und Frankreich eine Herausforderung für die alten Schlitten. Da es nicht erlaubt ist, Mechaniker für die Rally zu rekrutieren, mussten sich Ehrlicher und sein Kollege das Mechaniker-Handwerk selbst beibringen.

Tagelang nur Wüste

In ihrem Porsche lagern Ersatzteile und Benzinkanister. Auch ein Zelt und Schlafsäcke wurden verstaut – denn nicht immer übernachten die Teams in komfortablen Hotelbetten. Manchmal muss eine Jurte in der mongolischen Wüste reichen. Die Veranstalter der Rally schreiben auf ihrer Website: «Man kann den ganzen Tag durch die Mongolei fahren und keine andere Seele sehen – keine Menschen, keine Tiere, keine Vögel, keine Insekten.»

Davor hat Daniel Ehrlicher keine Angst. «Wir sind gut ausgerüstet, haben gelernt, zu navigieren, und wurden vom Arzt gründlich durchgecheckt.» Viel mehr freut er sich jetzt auf die Herausforderung und auf die Begegnungen mit anderen, automobilverrückten Teilnehmern.

Die erste Station von Team 96 ist Hohot, die Hauptstadt des autonomen Gebietes Innere Mongolei in China. Wer Daniel Ehrlichers 16'000-Kilometer-Fahrt verfolgen möchte, kann das unter www.peking2pariscar96.com

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