Lenzburg

Mitte-links kämpft gegen Sanierungspläne der Bahnhofstrasse: «Wollen die Lenzburger das?»

Die heutige Bushaltestelle Angelrainstrasse soll nicht neu gebaut werden (Visualisierung), sondern ganz wegfallen.

Die heutige Bushaltestelle Angelrainstrasse soll nicht neu gebaut werden (Visualisierung), sondern ganz wegfallen.

Nach dem gescheiterten Änderungsantrag im Einwohnerrat gibt Mitte-links nicht auf. Eine Sanierung, der eine Bushaltestelle geopfert werden soll, sei unverständlich. Auch der Veloverkehr käme zu kurz.

Der Einwohnerrat hat am Dienstag den Kredit zur Sanierung der Bahnhofstrasse äusserst knapp mit einer einzigen Stimme Differenz gutgeheissen. Dies allerdings mit einer gewichtigen Modifikation: Die Bushaltestelle Angelrain soll aufgegeben werden, was weder der Stadtrat so beantragt hatte und von Mitte-links nicht goutiert wird. Mit ihrem Vorgehen würden die bürgerlichen Parteien die Verkehrsteilnehmer gegeneinander ausspielen. Das sei für SP, CVP, GLP und Grüne «so nicht annehmbar», heisst es in einer Medienmitteilung.

Mit einem Stichentscheid des Ratspräsidenten Sven Ammann (FDP) stimmte das Parlament dem Änderungsantrag zu, mit dem SVP/FDP die ersatzlose Streichung der Bushaltestelle Angelrain forderten (SP, CVP, GLP und Grüne votierten geschlossen dagegen). Dafür wurden Sicherheits- und Platzgründe geltend gemacht: Mit dem Wegfall der Bushaltestelle könne mehr Platz für die verbleibenden Verkehrsteilnehmer geschaffen werden. Zudem sei die Haltestelle zu wenig ausgelastet. Laut einer Erhebung der Regionalen Busbetriebe Lenzburg (RBL) aus dem Jahr 2018 stiegen in Richtung Bahnhof pro Tag 23 Personen ein und zwölf aus. In der Gegenrichtung, also stadteinwärts, stiegen acht Leute zu und 22 aus.

Volksabstimmung am 27. September

Das letzte Wort haben die Lenzburger Stimmbürgerinnen und Stimmbürger. Am 27. September wird über den gemäss dem Änderungsantrag angepassten Verpflichtungskredit von ursprünglich 2,25 Millionen Franken an der Urne abgestimmt.

Bevor es jedoch so weit ist, dürfte das Geschäft in Lenzburg zu Reden geben. Zwar ist die SP am Dienstag im Einwohnerrat mit ihrem Antrag gescheitert (allerdings ebenfalls äusserst knapp), das Geschäft zurückzuweisen und neu zu überdenken. Doch die Partei gibt nicht auf.

Die stadträtliche Vorlage für die Sanierung der Bahnhofstrasse sei zwar nicht perfekt gewesen, halten die Mitte-links-Parteien nun in einem Communiqué fest. Dies sei aber vor allem den engen Platzverhältnissen und den unterschiedlichen Anforderungen der Nutzer zuzuschreiben. «Unter diesen Voraussetzungen erfordert die neue Bahnhofstrasse von allen Nutzerinnen und Nutzern gewisse Kompromisse.»

Teures Projekt, wenig Nutzen

Aus Sicht von Mitte-links kommt dabei vor allem der Veloverkehr zu kurz. «Es fehlt weiterhin eine Velospur vom Bahnhof zur Altstadt. Zudem sind die Querungsmöglichkeiten am Ende und Beginn der Bahnhofstrasse nach wie vor nicht ideal.» Als weiteren Grund für eine Überarbeitung wird geltend gemacht, dass die Distanz zwischen den verbleibenden Haltestellen ­Hypiplatz und Bahnhof zu lang werde und in Zukunft mit dem neuen Bushof gar noch länger. «Aktuell sind es mehr als 700 Meter. Mit der angedachten Verlegung des neuen Busbahnhofs weiter nach Westen sogar noch länger. In Städten werden Distanzen von 300 bis 400 Metern zwischen Haltestellen empfohlen.» Mit dieser «Ausdünnung des ÖV» heisst es weiter, entfalle die nahe der Schulanlage Angelrain und der Musikschule gelegene Haltestelle. Diese werde vor allem bei schlechtem Wetter oder von Schülerinnen und Schülern mit langen Schulwegen genutzt. Es wird befürchtet, dass «der unverständliche Entscheid zu mehr Elterntaxis führen könnte». Gemeinsam stellen sich SP, CVP, GLP und Grüne auf den Standpunkt: «Es liegt ein relativ teures Strassensanierungsprojekt vor, das Velofahrer nicht zufriedenstellt und keinen ÖV mehr bietet. Will die Lenzburger Stimmbevölkerung dies?» Eine Frage, die als verkappte Aufforderung zu verstehen ist, am 27. September ein Nein in die Urne zu legen.

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