Lenzburg
Mit dieser Ausstellung ist das Stapferhaus auf dem Weg ganz nach oben

Für die neue Ausstellung «Heimat» suchten sie ein Riesenrad, welches sie ein ganzes Jahr behalten können – nun werden noch Riesenrad-Betreuer gesucht.

Ann-Kathrin Amstutz
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Mit der «Heimat»-Gondel tourte das Stapferhaus durchs Land.

Mit der «Heimat»-Gondel tourte das Stapferhaus durchs Land.

zvg

Baden in Fünfräpplern – bis Ende Juni sorgte das Stapferhaus mit dieser Attraktion für Aufsehen. 82 000 Personen sahen sich die Ausstellung «Geld» an. Wie geht es jetzt mit dem Stapferhaus weiter? Die Antwort ist dreiteilig: Erstens war das Stapferhaus mit dem Projekt «1001 Heimat» bis vor einer Woche auf Schweizreise. Aber nicht mit dem Wohnmobil, sondern auf Riesenrädern.

Zweitens laufen die Vorbereitungen für die neue Ausstellung «Heimat. Eine Grenzerfahrung», die am 11. März 2017 eröffnet wird. Und drittens steht das «Haus der Gegenwart» vor der Realisierung – ebenfalls im März erfolgt der Spatenstich beim Bahnhof Lenzburg.

Gratisfahrt in «Heimat»-Gondel

Das Stapferhaus steht also vor einer neuen Ära. Schon mit dem Projekt «1001 Heimat» hat es neue Wege beschritten: «Wir haben das Stapferhaus in die ganze Schweiz hinausgetragen und so unsere Bekanntheit gesteigert», sagt Projektleiterin Sonja Enz. Dies mit folgendem Konzept: An zwölf Chilbis mietete das Stapferhaus eine Gondel des dortigen Riesenrads. Die Chilbibesucher wurden zu einer Gratisfahrt in der speziell gestalteten «Heimat»-Gondel eingeladen.

Während der Fahrt wurden die Insassen in ein Gespräch über Heimat verwickelt und gefilmt. Der Startschuss fiel im Juli am Jugendfest Lenzburg. Weitere Stationen waren die Olma in St. Gallen und die Herbstmesse in Basel, bevor das Projekt «1001 Heimat» am Marché de Noël in Montreux vor einer Woche endete.

Über 1000 «Heimat»-Stimmen

«Die Gondel ist ein idealer Ort für solche Gespräche. Man ist für zehn Minuten abgeschottet, schwebend ergibt sich eine völlig neue Perspektive auf die Heimat, die von oben betrachtet wird», sagt Sonja Enz.

Ein «1001 Heimat»-Team von drei bis vier Personen war jeweils vor Ort. Es lud die unterschiedlichsten Menschen auf eine Fahrt ein, um ein möglichst vielfältiges Bild vom Begriff «Heimat» zu bekommen. So wurden in dem halben Jahr über 1000 «Heimat»-Stimmen gesammelt. Diese Stimmen werden ein wichtiger Bestandteil der neuen Ausstellung sein.

Für viel Aufmerksamkeit sorgte in den letzten Tagen zudem ein Stelleninserat der Ausstellungsmacher. Es wurde auf Facebook und Twitter vielfach gelikt und geteilt: Das Stapferhaus sucht Riesenrad-Betreuer mit einem 40- bis 100-Prozent-Pensum.

Sibylle Lichtensteiger, die Leiterin des Stapferhauses, sagt: «Wir möchten ein kleines Team von Betreuern zusammenstellen. Es sind schon mehrere spannende Bewerbungen eingegangen, doch die Frist läuft noch.» Stellenlose Riesenradbetreuer wissen nun also, wo sie sich melden müssen.

Zwei zusätzliche Stiftungen

Wo es Riesenradbetreuer braucht, wird folglich auch ein Riesenrad sein. Das ist der Plan für die Ausstellung «Heimat. Eine Grenzerfahrung»: Vor dem Zeughaus wird das Riesenrad für ein ganzes Jahr aufgestellt (die Baubewilligung ist erteilt).

Man habe bereits ein Riesenrad bei einem deutschen Anbieter gefunden, verrät Lichtensteiger. «Die Suche war nicht ganz einfach, weil wir es ein ganzes Jahr lang behalten wollen.» So schliesst sich der Kreis, der mit dem Vorprojekt «1001 Heimat» begann.

Lichtensteiger sagt: «Die neue Ausstellung wird die umfangreichste, die wir je hatten.» Also auch entsprechend teuer – das ist jetzt schon klar.

Mit dem Vorprojekt, dem Riesenrad und weil die Ausstellung erstmals dreisprachig sein wird (Deutsch, Französisch und Englisch), entstehen höhere Kosten. Zur Finanzierung habe man zwei grosse Stiftungen zusätzlich an Bord holen können, verrät Lichtensteiger.

Neue Heimat fürs Stapferhaus

Die Ausstellung wird wie immer unkonventionell und innovativ daherkommen: Die Besucher absolvieren einen interaktiven Erlebnisparcours. Dabei sollen sie ihre eigenen Heimatgefühle erkunden. Lichtensteiger erklärt, warum das Thema «Heimat» auch fürs Stapferhaus brandaktuell ist: «Wenn die Ausstellung im März 2018 zu Ende gehen wird, werden wir in unsere neue Heimat zügeln.»

Jahrelang war das Stapferhaus gespalten gewesen. Die Büros befanden sich auf dem Schloss Lenzburg, die Ausstellungen in der Stadt unten im Zeughaus. Dank des Baus des «Hauses der Gegenwart» für knapp 24 Millionen Franken wird diese Zerrissenheit ein Ende haben. Dann ist das Stapferhaus unter einem Dach vereint.

Sibylle Lichtensteiger verspricht: «Mit dem ‹Haus der Gegenwart› entsteht ein Ausstellungsort mit vielen Möglichkeiten.» Zudem sei das Stapferhaus dann das ganze Jahr präsent.

Die Realisierung des Baus ist gesichert: Die Baubewilligung liegt vor, im kommenden März erfolgt der Spatenstich, im Mai wird der Grundstein gelegt. Läuft alles nach Plan, bezieht das Stapferhaus-Team im März 2018 seub neues Heim.

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