Lenzburg
Letzter Blick ins Hero-Areal löst bei einigen Besuchern Kindheitserinnerungen aus

Ein letztes Mal gab es einen Einblick in die «Verbotene Stadt». Sogar in die ehemaligen Büros der Konzernleitung konnten die Besucher einen Blick werfen. Bei einigen Besuchern wurden Kindheitserinnerungen wach.

Ramona Patt
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Rund 400 Leute benützten die Gelegenheit für einen letzten Besuch in der alten Hero. Ramona Patt

Rund 400 Leute benützten die Gelegenheit für einen letzten Besuch in der alten Hero. Ramona Patt

Ramona Patt

Die Dimensionen des alten Hero Areals liessen am Samstag vielen Besuchern den Mund offen stehen. Bei der Begehung der «Verbotenen Stadt» durfte man sogar durch die ehemaligen Büros der Konzernleitung gehen. Von diesen aus hat man einen phänomenalen Ausblick auf Schloss Lenzburg und Schloss Wildegg. So manchem Gast fiel dabei wieder ein, wo welche Fabrikation war oder wie er als Kind die Eltern auf der Arbeit besuchte.

Rund 400 Personen nahmen an der Begehung teil. «Dieser Anlass ist die Einlösung des Versprechens an die Bevölkerung von Lenzburg», sagte Raphael Loeliger, Projektbeauftragter von Losinger Marazzi AG und Organisator der Veranstaltung. Rund drei Jahre sei es schon her, als man dieses Versprechen abgegeben habe, vor dem Abriss der Gebäude das ganze Areal nochmals zugänglich zu machen. Geführt wurden die Rundgänge von Heromitarbeitern, die einst selbst in diesen «heiligen Hallen» gearbeitet hatten.

Zu den Besuchern zählten auch Elisabeth Seiler und Helene Geissberger. Die Schulfreundinnen unterhielten sich über ihre Kindheitserinnerungen: «Die Männer mussten während der Kriegszeit in den Militärdienst», erzählte Geissberger. Die Hero bat die Schulen um Unterstützung, weil sie zu wenig Arbeiter hatten. Damals seien sie beide in der Bezirksschule gewesen und hätten dann beide in der Hero Zwetschgen entsteinen müssen, statt in die Schule zu gehen.

«Die Messer waren so scharf, dass ich zum Schluss sicher zehn kleine Schnitte im Daumen hatte», erinnerte sich Helene Geissberger weiter. Wenn dann der Saft der Zwetschge an die Wunden gekommen sei, hätte dies höllisch gebrannt. «Das weiss ich noch, wie wenn es gestern gewesen wäre.» Auch Elisabeth Seiler erinnert sich: «Die Medien schrieben dann von Kinderarbeit und die Hero kam in Verruf. Dabei hat es uns dort riesigen Spass gemacht.»

Auch die Vernissage der Fotos von Hans Weber lässt so manchen Besucher in Erinnerung schwelgen. Weber selbst hat viele Stunden in den verlassenen Gebäuden verbracht: «Ich habe die Einsamkeit genossen.» In der heutigen Zeit, in der es überall hektisch und laut zu und her gehe, sei es für ihn eine schöne Abwechslung gewesen.

Auch er hat früher zusammen mit seiner Grossmutter für die Hero gearbeitet. So hatten sie Kirschen entstielt und Aprikosen geerntet. Seine Idee war es, dieses Stück Geschichte, das nun in wenigen Tagen abgerissen wird, noch einmal festzuhalten. «Ich ging zum damaligen Stadtammann Hans Huber und stellte ihm meine Idee vor. Eine Woche später begannen wir bereits mit der Umsetzung des Projekts.»

Dank den eindrücklichen Bildern von Hans Weber und der gelungenen Veranstaltung, konnte die Bevölkerung vom Hero Areal Abschied nehmen. Der letzte Besuch markierte zugleich auch den Startschuss für ein neues Kapitel auf dem alten Areal.

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