Lenzburg
Mit Holz von der Strasse: Dieses Start-up für handgemachte Holz-Unikate geht gegen «Woodwaste» vor

Im ersten Corona-Lockdown kam Fabian Frei auf die Idee, ausrangierten Möbeln von der Strasse neues Leben einzuhauchen. Zusammen mit Christian Caduff betreibt der holzbegeisterte 32-Jährige den Onlineshop «Woodn». Produziert wird auch im Lenzburger Tommasini.

Valérie Jost
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Fabian Frei in seinem Reich, dem Holzlager.

Fabian Frei in seinem Reich, dem Holzlager.

Valérie Jost

Im Tommasini riecht es nach Holz. Trotz des kalten Wetters ist eine Wärme spürbar, die von den kurz zuvor wohl noch benutzten, schweren Maschinen im hinteren Teil des Raums ausgeht. Mittendrin und zwischen Werkbänken und Dutzenden Kisten voller Holz steht Fabian Frei, der genau so aussieht, wie man sich einen Holzliebhaber vorstellt: schwarz-blaue Karojacke über schwarz-weissem Karohemd, Mütze, grosse Hände, Vollbart und ein darunter hervorblitzendes Lächeln, wenn er über Holz spricht.

Frei recycelt beziehungsweise upcycelt Holz. Damit will er «Woodwaste» vermindern. Im Gegensatz zu «Foodwaste» ist der Begriff weniger bekannt, es ist aber dasselbe Prinzip: Ausrangiertes Holz, das sonst in den meisten Fällen einfach verbrannt würde, wird wiedergenutzt. Fabian Frei bringt es in neue Formen – etwa Kugelschreiber, Schneidebretter oder Kaffee-Tamper – und verkauft die Stücke im Onlineshop seines Start-ups Woodn. Dieses betreibt der Basler zusammen mit seinem langjährigen Freund Christian Caduff.

Von der Kultur zum Holzhandwerk

«Wir wollen der Wegwerfgesellschaft etwas entgegensetzen», sagt Frei. Die Idee dazu kam ihm während des ersten Lockdowns: «Plötzlich hatte ich Unmengen an Zeit, mit der ich nichts anzufangen wusste.» Und als einer der Initiatoren des Kollektivs «Kunststätte», das im Kulturhaus Tommasini angesiedelt ist, hatte er Zugang zu idealen Räumlichkeiten und Infrastruktur. Denn ursprünglich ist er Kulturschaffender, organisierte bis zur Pandemie etwa Ausstellungen oder Filmfestivals und stellt mit Siebdruck weiterhin Merchandising-Artikel wie Band-Shirts her. Auch handwerklich interessiert war er bereits: «Für Ausstellungen bastelte ich auch mal Trennwände aus Dachlatten.» Dieser Kulturhintergrund zeigt sich auch im Onlineshop: In der Kategorie Schneidbretter ist etwa metaphorisch die Rede von den «Brettern, die die Welt schonen».

Das Upcyceln der alten Hölzer geschieht in (maschinenunterstützter) Handarbeit. Hier entsteht ein Kaffee-Tamper («Stampfer»), mit dem man gemahlenen Kaffee im Siebträger verdichtet.

Das Upcyceln der alten Hölzer geschieht in (maschinenunterstützter) Handarbeit. Hier entsteht ein Kaffee-Tamper («Stampfer»), mit dem man gemahlenen Kaffee im Siebträger verdichtet.

zvg/Marilena Baiatu

Da auch die Baumärkte geschlossen hatten, beschafften sich die beiden Freunde das für ihr Projekt nötige Holz einfach auf der Strasse: «Wir luden ausrangierte Gratismöbel ein, die ansonsten verregnet worden wären.» Mit dieser Taktik seien sie zwar manchmal «auf die Welt gekommen», so Frei: «Einige Stücke tun nur so, als wären sie hochwertig. Beim Aufschneiden kommt dann aber Billigmaterial zum Vorschein.» Trotzdem verarbeiten sie weiterhin Strassenmöbel, arbeiten inzwischen aber auch mit Schreinereien, Sägereien, Holzwerkstätten und Secondhand-Materialmärkten zusammen. Neben Lenzburg hat Woodn seit einigen Monaten auch eine Werkstatt in Oberwil BL.

Sein Spitzname ist «Chlötzli-Fabian»

Sein Holzlager sei für ihn wie die Farbpalette für einen Maler, so Frei. Von fast jedem Stück Holz in der Werkstatt kennt er die Geschichte. «Das hier ist aus einem Brocki», sagt er und zeigt ein grosses, halbrundes Exemplar. Und, während er ein weiteres Stück aus den Kisten holt: «Das ist von einer Gitarrenwerkstatt in Oberwil.» Seine riesige Sammlung habe ihm schon den Spitznamen «Chlötzli-Fabian» eingebracht, erzählt er lachend.

Frei beim Zuschneiden der Einzelteile für ein Stirnholz-Schneidbrett.

Frei beim Zuschneiden der Einzelteile für ein Stirnholz-Schneidbrett.

Valérie Jost

Den Umgang mit Holz hat Frei sich autodidaktisch beigebracht. «Ein Schreiner würde beim Zuschauen wohl eine Krise bekommen», sagt er lachend, während er eine aus verschiedenen Querhölzern zusammengeleimte Holzplatte durch die Hobelmaschine jagt. Daraus entsteht später ein Schneidbrett – als Stirnholz, sodass man im Brett am Ende die Baumringe sieht. Im Gegensatz zu Längsholz ist dieses besser geeignet, um darauf zu schneiden: «Weil man nicht direkt in die Fasern reinschneidet, sondern sie nur zerteilt.» Stirnholzbretter seien deshalb in der Gastroszene beliebt. Dafür ist die Herstellung aufwendiger, weil das Holz vorab zweimal geleimt werden muss.

Das Start-up wird am Lenzburger Chlausmarkt vertreten sein, der am 9. Dezember stattfindet. Dafür stellt Woodn auch Teelichthalter, kleine Dosen und Salz- und Pfefferstreuer her. «Die eignen sich gut als Geschenke», sagt Frei, während er in ein Engadiner Arvenholz die Kerzen-Aussparung eingräbt und der typische Duft den Raum erfüllt.

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