Lenzburg
Mit dem Umzug in die Wilmatten wurde Tennis zum Volkssport

Der Tennisclub Lenzburg wird 100 Jahre alt. Der wohl grösste Meilenstein in der Vereinsgeschichte war der Umzug in die Wilmatten 1973, der nicht ohne Nebengeräusche verlaufen ist.

Fabio Baranzini
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Clubhaus Tennisclub Lenzburg.

Clubhaus Tennisclub Lenzburg.

Fabio Baranzini

Seit bald 50 Jahren wird in den Wilmatten Tennis gespielt. Neben dem Fussballplatz und mit Blick aufs Schloss liegen die fünf Plätze des Tennisclubs (TC) Lenzburg, auf denen die 450 Mitglieder des Vereins das ganze Jahr über zum Racket greifen können. Doch bis der TC Lenzburg sich in den Wilmatten niederlassen konnte, mussten einige Hürden überwunden werden.

Anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums des Vereins drehen wir die Zeit zurück und blicken ins Jahr 1971. Damals wurde noch mitten in der Lenzburger Altstadt Tennis gespielt. An der Bachstrasse, genauer am heutigen Standort des Migros-Areals. Dort befanden sich zwei Sandplätze und ein kleines Clubhaus mit Garderobe und Toilette. Der Verein zählte damals bereits über 100 Mitglieder und stiess damit an seine Kapazitätsgrenze. Es gab lange Wartelisten für interessierte Neumitglieder. An einer ausserordentlichen Generalversammlung 1971 stimmten die Mitglieder des Vereins dem Bauprojekt für eine neue Tennisanlage in den Wilmatten einstimmig zu.

«Es gab allerdings ­bereits an jener Generalversammlung Mitglieder, die sich skeptisch zeigten, ob die Gemeindeversammlung das Projekt, das insgesamt 450000 Franken kosten sollte, annehmen würde»,

sagt Jeanine Glarner. Die Historikerin hat im Auftrag des TC Lenzburg die geschichtliche Aufarbeitung der Vereinschronik für das 100-Jahr-Jubiläum übernommen. Kontroverse Diskussionen über Tennisplatz Wilmatten Und in der Tat wurde über das Projekt «Tennisplätze in den Wilmatten» hitzig diskutiert. «Die SP äusserte sich bereits im Vorfeld der Gemeindeversammlung kritisch, und auch die Freisinnigen diskutierten darüber, ob nicht eine Gewerbeschule oder eine kaufmännische Schule wichtiger wären als Tennisplätze», so Glarner.

An der Gemeindeversammlung 1971 kam das Projekt dann zur Abstimmung. Es ging dabei um einen Beitrag in der Höhe von 220000 Franken, den die Stadt an die Tennisplätze bezahlen sollte. Einer, der sich noch an diese Gemeindeversammlung erinnert, ist Mario Mengozzi. Er ist langjähriges Mitglied des TCL und hatte auch schon am früheren Standort an der Bachstrasse Tennis gespielt.

«Es gab kontroverse Diskussionen über die Unterstützung der Stadt zugunsten des TCL. Einige meinten, dass es doch nicht sein könne, dass die Stadt diese ‹gutbetuchten Mitglieder des TCL› mit Tausenden von Franken unterstütze»,

sagt Mengozzi. Und weiter: «Das entscheidende Gegenargument war dann, dass der Tennisclub nur mit fünf Plätzen die nötige Kapazität bekam, um den Tennissport in Lenzburg für den Breitensport zu öffnen.»

Dieses Argument überzeugte die grössten Kritiker zwar nicht. Aber der Betrag wurde dennoch mit einer eindeutigen Mehrheit gesprochen. Ein wegweisender Entscheid, wie sich rückblickend zeigt. Denn seit der Eröffnung der Anlage in den Wilmatten 1973 hat sich der Mitgliederbestand des Tennisclubs von etwas über 100 auf über 450 erhöht. Damit ist er einer der grössten Tennisvereine des Kantons und hat einen Beitrag dazu geleistet, dass sich Tennis von einem anfänglich elitären Sport zu einem Volkssport entwickelt hat.

Der Verein hat seither bereits mehrmals in seine Infrastruktur investiert. So wurde 1992 das Clubhaus saniert, 1995 gab es erstmals eine Traglufthalle, und letztes Jahr wurde die Beleuchtung der Plätze auf LED umgestellt. «Alle diese Investitionen hat der TC Lenzburg grösstenteils selber getragen. Deshalb war die Verlängerung des Baurechtsvertrags mit der Stadt im Jahr 1995 auf weitere fünfzig Jahre sehr wichtig. Das gibt dem Club die nötige Per­spektive», sagt Jeanine Glarner.

Historikerin Jeanine Glarner aus Möriken-Wildegg hat die Geschichte des Tennisclub aufgearbeitet.

Historikerin Jeanine Glarner aus Möriken-Wildegg hat die Geschichte des Tennisclub aufgearbeitet.

Britta Gut

Projekt: Sanierung oder Neubau des Clubhauses

Diese Perspektive ist wichtig. Denn der TCL steckt mitten in der Planung des grössten Infrastrukturprojekts seit dem Umzug 1973. «Unser Clubhaus ist damals für die Nutzung in den Sommermonaten konzipiert worden, weil es noch keinen Hallenbetrieb gab. Mittlerweile wird es aber schon länger das ganze Jahr über gebraucht. Deshalb ist es dringend nötig, dass es entweder umfassend saniert oder ganz neu gebaut wird», sagt Marco Meyer, Projektverantwortlicher für das neue Clubhaus des TC Lenzburg. «Wir sind zuversichtlich, dass die Stadt Lenzburg unser Projekt wohlwollend unterstützen wird, da ihr die Juniorenförderung am Herzen liegt und sie auch von einer modernen Sportinfrastruktur profitiert. Wir hatten diesbezüglich schon gute Gespräche und möchten gerne so bald wie möglich Nägel mit Köpfen machen.»