Stadtplanung

Lenzburg erfindet sich mit Generationenprojekt beim Bahnhof neu

Luftaufnahme mit der heutigen Situation am Bahnhof Lenzburg. Dieses Bild wird sich in den kommenden Jahren stark verändern.

Luftaufnahme mit der heutigen Situation am Bahnhof Lenzburg. Dieses Bild wird sich in den kommenden Jahren stark verändern.

Heute befindet der Einwohnerrat Lenzburg im Generationenprojekt über einen Planungskredit von über einer halben Million Franken.

Seit rund 50 Jahren wird in Lenzburg über eine Neugestaltung des Bahnhofs diskutiert und geplant. 2014 lag endlich ein pfannenfertiges Projekt für einen neuen Bahnhofplatz auf dem Tisch. Doch realisiert wurde es nicht.

Im Mai 2014 musste die Pläne für «Loop», was auf Deutsch so viel heisst wie Schlinge, dem Reisswolf übergeben werden. Vonseiten des Bundesamts für Verkehr (BAV) war festgestellt worden, dass die bestehenden Perronbreiten in Lenzburg weder den aktuellen noch den erwarteten Personenströmen gewachsen sind und die Perrons nicht lang genug sind für die Zugskompositionen.

Jetzt ist das Projekt Bahnhof Lenzburg wieder auf dem Tisch. Nachdem in der im Frühling vorgestellten «Funktionalen Studie Verkehr» von SBB, Kanton, Stadt Lenzburg und einem Verkehrsplaner die Anforderungen von Mobilitätsanbietern und Verkehrsteilnehmern an den künftigen Bahnhof definiert worden waren, stehen beim Generationenprojekt für Lenzburg und die gesamte Region die nächsten Schritte an, die endlich zum neuen Bahnhof führen sollen.

Kein Stein bleibt auf dem andern

In seiner Sitzung heute Abend befindet der Einwohnerrat über den Planungskredit von brutto 550'000 Franken. Damit soll die Testplanung und ein Entwicklungsrichtplan zum Bahnhof erstellt werden. Worum es dabei konkret geht, erklärt Stadtrat Martin Stücheli so: «Mit der Testplanung wird geklärt, wie die Bedürfnisse der einzelnen Mobilitätsanbieter und Verkehrsteilnehmer innerhalb des festgelegten Perimeters umgesetzt werden können, sodass die Verkehrsdrehscheibe Bahnhof in Zukunft optimal funktioniert.»

In der Kreditvorlage heisst es dazu: Die einzelnen Anlageteile (dazu gehören Gleisinfra­struktur, Bahnhofaufnahme­gebäude, Bushof, Einführung Seetalbahn, Autoparkplätze, ­Velo-Abstellplätze, Bahnhofplatz) müssen optimal aufeinander abgestimmt und entsprechend dimensioniert werden.

Welchen Dimensionen der künftige Bahnhof Lenzburg genügen muss, hat die Infrastrukturabteilung der SBB im März 2015 deutlich gemacht: Täglich müssen 40'000 Reisende abgefertigt werden können (heute sind es deren 25'000).

Dazu muss das Gleisfeld erheblich verbreitert werden. Im westlichen Teil des Bahnhofs wird eine zweite Unterführung gebaut. Vorgesehen ist, das Aufnahmegebäude nach Westen zu verschieben. Und die Seetalbahn wird direkt in den Bahnhof eingeführt. Ebenso muss der Bushof nach Westen verschoben werden.

Mit anderen Worten: Dem Bahnhof Lenzburg steht in den kommenden Jahren ein riesengrosser Eingriff bevor. Zwischen der Firma Schwarz Stahl AG westlich des heutigen Bahnhofgebäudes und des Geschäftshauses Arcamala beim Bahnhof-Kreisel erhält Lenzburg ein völlig neues Gesicht.

SBB setzen Massstab: Ab 2024 wird gebaut

Der Zeitplan ist ehrgeizig. «Die Testplanung sollte bis Mitte 2020 realisiert sein», erklärt Stücheli. Vonseiten der SBB sei ein klarer Meilenstein gesetzt: 2024 wollen die SBB mit den Bauarbeiten in Lenzburg starten. Ebenso drängt der Bau des Bushofs. Will man den Bundesbeitrag (Agglomerationsprogramm 1. Generation) nicht aufs Spiel setzen, müssen spätestens 2027 die Bagger auffahren.

Das Projekt wird von einer «Gemeinderätlichen Begleitgruppe Bahnhofplatz» unterstützt. Das Gremium war bereits 2012 bestellt, nach dem Rückzug von «Loop» jedoch ausgesetzt worden. Anfang Jahr hat die Kommission ihre Arbeit wieder aufgenommen. Einsitz haben politische Vertreter aus dem Einwohnerrat der Stadt Lenzburg sowie der Gemeinden Staufen und Niederlenz.

Hinzu kommt je eine Person aus dem Gemeindeverband Lebensraum Lenzburg Seetal, dem Verein Pro Velo und der Verkehrskommission der Stadt Lenzburg. Die Nachbargemeinden habe man bewusst ins Boot geholt, erklärt Stücheli. «Ihre Mitarbeit in der Begleitkommission macht ihnen deutlich, wie wichtig das Projekt auch für sie ist. Wir möchten sie ermuntern, sich finanziell am Projekt zu beteiligen.»

Der neue Bahnhofplatz kostet über 11 Mio. Franken

Von den Gesamtprojektkosten von 550'000 Franken entfallen 360'000 Franken auf die Erarbeitung des Testplanungsverfahrens und den Richtplan. Die am Projekt beteiligten Parteien (Bund, SBB, Kanton und Stadt Lenzburg) übernehmen davon je einen Viertel, das sind je 90'000 Franken.

Die verbleibenden 19'0000 Franken gehen zu Lasten der Stadt Lenzburg für juristische und Prozess-Begleitung, Projektkoordination und öffentliche Information (www.anschluss-lenzburg.ch). Der Anteil Lenzburgs an die aktuellen Projektkosten beträgt netto 280'000 Franken.

Bereits früher wurde bekannt, dass der Bahnhofplatz massiv teurer wird als bisher erwartet. Im Finanzplan der Stadt Lenzburg ist die Zahl von fünf auf 11,2 Millionen Franken hinaufgeschraubt worden.

Man stütze sich dabei auf die neusten Angaben des Kantons ab, kommentierte Finanzministerin Franziska Möhl im Vorfeld der Budgetdebatte im Herbst in dieser Zeitung. Gleichzeitig hatte Möhl davor gewarnt, sich allzu sehr auf diese Zahl zu versteifen. Laut Information des Kantons habe dieser Betrag noch Luft nach oben.

Der Bund hat für den Ausbau des Bahnhofs Lenzburg vor einem Jahr 192 Millionen Franken reserviert.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1