Lenzburg
Einwohnerrat beschäftigt sich mit Schlamm im Weiher und tadelt den Stadtrat für verlorene 1,2 Millionen

Der Fünf- und der Drittweiher in Lenzburg werden vorerst nicht entschlammt. Ein entsprechender Rückweisungsantrag aus dem Einwohnerrat kam einstimmig durch. Erneute kritische Voten gab es für den Abschreiber von 1,2 Millionen Franken für ein gescheitertes Projekt.

Eva Wanner
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Bleibt vorerst, wie er ist: der Fünfweiher in Lenzburg.

Bleibt vorerst, wie er ist: der Fünfweiher in Lenzburg.

Valérie Jost

Pünktlich zur Debatte über die Jahresrechnung zogen dunkle Wolken auf. Drinnen wie draussen. Denn: Das Projekt «Lenzburg 21» ist zwar abgeschrieben. Aber eben nur in der Rechnung. Geplant gewesen war, die Stadtverwaltung im Hünerwadelhaus zu zentralisieren, der Einwohnerrat zog aber die Notbremse. Das Projekt wurde aufgegeben und mit ihm die 1,2 Millionen Franken, die bis dahin schon investiert worden waren.

Anja Kroll (Grüne) hat sich angesehen, was übrig blieb von der Arbeit, die teure Berater geleistet haben. Und bilanzierte am Donnerstagabend: «Wir haben einen Tesla bezahlt. Wenn wir die ‹Lenzburg21-Garage› öffnen, sehen wir aber höchstens ein Trottinett.» Das Projekt sei abzuschreiben und zwar ganz und gar. Die Abstimmung über die Rechnung (die trotz kritischer Voten einstimmig positiv ausfiel) sei der vermutlich letzte Akt von «Lenzburg21». Eine Komödie sei es aber nicht gewesen, so Kroll, vielleicht aber ein Drama, eine Provinzposse, ein Trauerspiel?

Michael Häusermann (SVP) findet es unerklärlich, dass der Stadtrat eine Entschuldigung an die Einwohnerinnen und Einwohner schuldig bleibt. Ebenso, dass das gescheiterte Projekt keine personellen Konsequenzen hat. Ins gleiche Horn stiess Francis Kuhlen (FDP), indem er rhetorisch fragte: «Werden diese 1,2 Millionen Franken nun einfach so und ohne Konsequenzen abgeschrieben? Wer war für dieses fehlgeleitete Projekt verantwortlich und welches Vertrauen kann man dieser Person noch entgegenbringen?»

Parteikollege Christoph Nyfeler hingegen nahm auch seine Ratskolleginnen und -kollegen in die Pflicht. Mehrfach habe der Einwohnerrat das Projekt kritisiert – «aber wir haben immer Ja gesagt». Das Gremium müsse künftig nicht nur kritisieren und dann doch durchwinken im Sinne eines «Ja, aber», sondern auch einmal «Nein» sagen.

Weiher vor 43 Jahren letztmals entschlammt

Viel zu Reden gab die Entschlammung des Fünf- und des Drittweihers. Zwei beliebte Ausflugsziele, nicht nur, aber auch bei Lenzburgerinnen und Lenzburgern. Die beiden Weiher sind die Überbleibsel von total fünf, die im 16. Jahrhundert künstlich angelegt worden waren. Auch diese beiden Gewässer sind aber dabei zu verschwinden – wenn auch sehr, sehr langsam.

Der Fünfweiher ist zu einem, der Drittweiher zu zwei Dritteln mit Schlamm gefüllt. Der Stadtrat schlug vor, mit einem amphibischen Saugbagger zu arbeiten. Kostenpunkt: eine halbe Million Franken. Daniel Blaser (Mitte) empfahl das Geschäft im Namen der Geschäftsprüfungs- und Finanzkommission (GPFK) zur Annahme. Und blickte auf die letzte Entschlammung von vor 43 Jahren zurück: Damals sank ein Bagger im Weiher ein – und der Lastwagen, der das Material abtransportierte, verursachte derartige Schäden, dass der Waldboden saniert werden musste. Nun sind die Methoden moderner und umweltschonender.

Stadtrat muss Alternativen prüfen

Von einer schönen und detaillierten Vorlage sprach Regula Züger (Grüne). Und schob ein Aber hinterher, in Form eines Rückweisungsantrags. Sie stellte eine andere Methode vor: das chemische Mittel «SchlixX». Züger erläuterte detailliert, wie es wirkt – kurz gesagt sorgt es dafür, dass der Schlamm schneller abgebaut wird.

Es sei massiv günstiger – sie sprach von rund 20'000 Franken – und ökologisch hochwertiger als die Ausbaggerung. Der Antrag lautete denn, dass Alternativen zum Schlammbagger geprüft und dem Einwohnerrat vorgelegt werden. «Wenn wir über eine halbe Million abstimmen, dürfen wir alle Optionen gründlich abgeklärt haben.»

Die Fraktionen gingen damit einig einher. Der Tenor: Die Massnahmen eilen nicht, man habe Zeit und diese sollte man nutzen, um sinnvolle Alternativen zu prüfen. Nach mehreren zustimmenden Voten aus den Reihen des Einwohnerrats äusserte sich auch Stadtammann Daniel Mosimann (SP) mit einem Vorschlag.

In Deutschland sei «SchlixX» bereits angewandt worden, in der Schweiz sei es noch nicht lange zugelassen. Im Sinne eines Versuchs könnte die Substanz im kleineren der beiden Gewässer, dem Drittweiher, bereits jetzt angewandt und die Effekte verfolgt werden. «Es geht auch darum, welche Auswirkungen es auf die Fauna und Flora und die Wasserqualität hat», so Mosimann. Der Rückweisungsantrag der Grünen wurde einstimmig angenommen.

FDP will suchtmittelfreie Zonen auf den Schularealen

Ein Postulat eingereicht haben Corinne Horisberger-Buri und Philippe Minnig im Namen der FDP-Fraktion. Thema: Suchtmittelfreie Zone auf Schularealen.

«Die Lenzburger Schulanlagen sind nicht nur ein Ort für die Schülerinnen und Schüler, sie stehen der Bevölkerung auch als Kurs- und Vereinsort oder einfach als Treffpunkt zur Verfügung», heisst es darin. Dass während der Schulzeit keine Suchtmittel auf den Arealen, namentlich Angelrain und Lenzhard, konsumiert werden dürfen, sei in den Schulhausordnungen festgehalten. Es geht der FDP aber um die ausserschulische Zeit.

«Flaschen und Dosen von alkoholischen Getränken, Zigarettenstummel, Verpackungsmaterial und weiteres werden achtlos und für alle sichtbar liegen gelassen», heisst es im Postulat. Die Unterzeichnenden beantragen, dass die Einführung von suchtmittelfreien Zonen behandelt wird. «In diesen Zonen sollen weder Suchtmittel konsumiert noch in geöffneten Verpackungen mitgeführt werden können», darauf hingewiesen werde mittels Schildern. Ausnahmen gelten für bewilligungspflichtige Anlässe, die von Vereinen, Organisationen und Privatpersonen organisiert werden.