Lenzburg

Lehrerpult, Wandtafeln, Beamer: KV-Schule verscherbelt ihre Möbel zum Schnäppchenpreis

Die KV-Schule Lenzburg Reinach schliesst nächsten Sommer. Die Einrichtung von 11 Schulzimmern für je über 20 Schüler steht zum Verkauf. Denn die beiden Gebäude in Lenzburg und Reinach müssen geräumt werden.

Die Tage der KV-Schule Lenzburg Reinach sind gezählt. Zum Schuljahresende im Sommer 2020 wird der Schulbetrieb in Lenzburg und Reinach eingestellt. Das Aus der erfolgreichen KV-Schule erfolgt auf Befehl des Regierungsrats, welcher seine Fachschulen in Kompetenzzentren bündeln will und deshalb die Schulstandorte reduziert.

Mit dem Auszug der Schüler müssen die beiden Gebäude in Lenzburg und Reinach geräumt werden. Die Zeit dafür ist äusserst knapp. «Das Schulhaus in Reinach muss bis am 31. Juli leer sein, und auch in Lenzburg peilen wir dieses Datum für die Schlüsselübergabe an», sagt Silvia Knobel. Die Administrationsleiterin der KV-Schule Lenzburg Reinach managt das Projekt «Verkauf Schulmobiliar»: Die gesamte Einrichtung beider Schulstandorte wird verkauft.

In Lenzburg müssen 11 Schulzimmer für je über 20 Schüler geräumt werden inklusive Ausstattung (Lehrerpult, Wandtafeln Embru, PC, Beamer und Audioanlagen. Hinzu kommen: Zwei Schülercomputerräume mit je 26 Arbeitsplätzen, Büromöbel, Lehrerzimmer mit Bar und Hockern, zwei Mensaräume, ein Sitzungszimmer und eine Garderobe mit 132 Kästchen. In Reinach sind es vier Schulzimmer mit derselben Ausstattung wie Lenzburg.

Für das gesamte Mobiliar wurde eine Verkaufsdokumentation erstellt. «Wir sprechen vor allem Grossabnehmer an, die an kompletten Zimmereinrichtungen interessiert sind», steht da. Die Dokumentation ist auf der Website des KV Lenzburg Reinach aufgeschaltet. Daraus sind auch die Preise ersichtlich. Wer beispielsweise das komplett ausgerüstete Schulzimmer für 26 Schüler erstehen will, muss 5000 Franken hinblättern. Eine Mensa-Einrichtung mit Tisch, Bestuhlung, Mikrowellengeräten und Kleinmöbel für die Kaffeemaschine ist pro Raum für 500 Franken zu haben. Wohl eher ein Schnäppli, wenn man sich in Erinnerung ruft, dass das KV-Schulhaus in Lenzburg vor acht Jahren für 4,4 Millionen Franken total saniert und bei dieser Gelegenheit auch neu möbliert worden war.

Standortgemeinden hatten Vorrang

Die beiden Standortgemeinden Lenzburg und Reinach durften laut Silvia Knobel als erste im Verkaufskatalog schnuppern. Beide hätten «einiges reserviert». Für Lenzburg ist die Mobiliarfrage auch deshalb interessant, weil die Stadt nach dem Auszug des KV im Handelshaus am Freischarenplatz ihre Verwaltungszentrale einrichten will. Der Bezug ist im Verlauf 2021 vorgesehen. In der Zwischenzeit wird die Liegenschaft den Anforderungen an den Verwaltungsbetrieb angepasst und umgebaut. Anschliessend muss das ganze Haus wieder möbliert werden. Im Finanzplan hat Lenzburg insgesamt 8,4 Millionen Franken eingestellt.

Schont Lenzburg sein Budget und übernimmt für die künftige Stadtverwaltung Einrichtungsteile des KVs? Finanzministerin Franziska Möhl hat bereits bei der Besprechung des Budgets 2020 wenig Hoffnung gemacht und betont, dass Verwaltungs- und Schulbetrieb unterschiedliche Bedürfnisse hätten (AZ  25. 9.). Nun tritt Lenzburg doch als Käuferin auf, wie Verwaltungsleiter Peter Baumli auf Anfrage bestätigt: «Ja, wir werden einen Teil der Einrichtung übernehmen.» Dabei gehe es insbesondere um Tische und Stühle der Aula, welche für den Pausenraum der neuen Stadtverwaltung infrage kommen. Hingegen winken die Lenzburger Schulen ab. «Das Mobiliar der KV-Schule ist für die Primarschule ungeeignet und die Oberstufe hat keinen Bedarf», schreibt Schulleiterin Doris Lehmann vom Schulzentrum Angelrain auf Anfrage.

Beim KV ist man offenbar zufrieden mit den bisherigen Verkäufen. «Gott sei Dank sind wir nicht so schlecht dran und haben schon recht viel verkauft», sagt Knobel. Als Grosskäufer sei das Zentrum Bildung in Baden aufgetreten, welches von Lenzburg die Berufsmaturität 2 übernimmt. Gleichzeitig beschwichtigt die KV-Administratorin: «Die Schulzimmer sind noch nicht ausverkauft. Es hat noch Sachen, auch Einzelstücke.»

Was passiert mit den Gegenständen, die bis im Juli 2020 keinen Käufer gefunden haben? «Das ist noch nicht entschieden», sagt Knobel. Möglich sei jedoch, sie dem international tätigen Hilfswerk Diaconia zu übergeben. Dieses hatte bereits bei der letzten Sanierung des Hünerwadelhauses 2011 die ausgemusterten Schulmöbel nach Rumänien vermittelt.

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