Lenzburg

Längere Papi-Zeit: Motion fordert 20 Tage Vaterschaftsurlaub für Mitarbeiter der Stadt

Stadtrat Andreas Schmid mit seiner jungen Familie am diesjährigen Jugendfest.

Stadtrat Andreas Schmid mit seiner jungen Familie am diesjährigen Jugendfest.

SP, Grüne und BDP fordern, dass Angestellte der Stadt Lenzburg mehr Urlaub erhalten, wenn sie Vater geworden sind. Das Thema ist auch in anderen Aargauer Städten hochaktuell.

National- und Ständerat haben in der abgelaufenen Session mit grossem Mehr einem zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub zugestimmt – als indirekter Gegenvorschlag zur Volksinitiative. Diese hatte vier Wochen gefordert. 

Während sich das Parlament in Bern auf einen Kompromiss mit zehn Tagen Sonderurlaub für junge Väter einigte, wurde in Lenzburg eine Motion eingereicht, welche am Begehren der Volksinitiative festhält und 20 Tage für frischgebackene Väter verlangt. Also doppelt so viel wie vor kurzem auf nationaler Ebene beschlossen. Und das subito. SP, Grüne und BDP wollen, dass die Regelung für das städtische Personal bereits ab 1. Januar 2020 in Kraft tritt.

Ihren Vorstoss begründen die Motionäre so: «Die Stadt Lenzburg will sich im kompetitiven Umfeld der Aargauer Kleinstädte optimal positionieren und dabei ein starkes, einzigartiges Profil entwickeln.» Dazu gehöre es, ein attraktiver Arbeitgeber zu sein.

Mit einer vierwöchigen Papi-Zeit könne Lenzburg sich im Wettbewerb um Fachpersonal besser behaupten, ist man überzeugt. Ein 20-tägiger Vaterschaftsurlaub sei ein nicht zu unterschätzendes Argument, um gute Angestellte zu gewinnen. «Kompetente und motivierte Mitarbeitende steigern zudem die Produktivität und Effektivität der Stadtverwaltung», geben sich SP, Grüne und BDP in ihrem Vorstoss überzeugt.

Erster Schritt zu zeitgemässer Lösung

Vorteile in der neuen Regelung sehen die Motionäre für die gesamte Familie, wenn der Vater länger als bisher zu Hause bleiben könne: Zum einen könnten Väter von Beginn weg eine eigenständige Beziehung zum Kind aufbauen. Anderseits könne der Vater der Mutter einen rascheren Wiedereinstieg ins Berufsleben ermöglichen.

Familienmodelle, in denen beide Partner die Kinderbetreuung von Anfang an teilen, sei ein wichtiger Bestandteil einer heutzutage modernen, gleichberechtigten Gesellschaft, wird im Vorstoss festgehalten.

Die Motionäre halten mit ihrer Meinung nicht zurück, dass sie mit der nationalen Lösung nicht zufrieden sind. Zehn Urlaubstage seien «ein erster Schritt, aber noch lange nicht zeitgemäss», heisst es im Vorstoss.

Und weiter wird festgehalten: Umliegende Länder, immer mehr auch
private Arbeitgeber ebenso wie öffentliche Institutionen würden grosszügigere Lösungen anbieten.

Aarau hats bereits, Baden lanciert Diskussion

Der Einwohnerrat entscheidet in der kommenden Sitzung am 31. Oktober über eine Überweisung der Motion. Zu diesem Zeitpunkt wird sich auch der Stadtrat zum Vorstoss äussern müssen. Im Vorfeld war über seine Haltung nichts zu erfahren.

Bei der Stadtschreiberei heisst es auf Anfrage: «Im Rahmen der Verhandlung des Traktandums wird der Stadtrat seine Haltung bekannt geben, weshalb er auch bis zu diesem Termin Zeit hat, seine Meinung zu bilden.»

Nebst Lenzburg wird die Diskussion um 20 Tage Urlaub für frisch gebackene Väter derzeit auch andernorts geführt. Brandaktuell ist das Thema zum Beispiel in Baden. Auch dort wurde die Forderung nach einem vierwöchigen bezahlten Sonderurlaub mit einer im September eingereichten Motion angestossen.

Im Gegensatz zu Lenzburg, wo sich junge Väter bisher mit drei Tagen bezahltem Urlaub begnügen müssen, gesteht Baden im gleichen Fall heute zehn Tage zu. In Aarau kam die vierwöchige Papi-Zeit im letzten Jahr dank Stichentscheid des Ratspräsidenten zustande.

Eine grosszügige Lösung bietet die Stadt Freiburg ihren Angestellten. Engegen dem Antrag des Gemeinderats, der 20 Tage gefordert hatte, gewährte der Generalrat jungen Vätern erst kürzlich einen Sonderurlaub von 30 Tagen.

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