Lenzburg

Konflikthaus wird Theaterplatz

Das Neubauprojekt anstelle der einstigen Schreinerei: seit Jahren blockiert.

Das Neubauprojekt anstelle der einstigen Schreinerei: seit Jahren blockiert.

Die ehemalige Schreinerei und die Seifenfabrik sind die Spielorte der Jubiläumsaufführung des Landschaftstheaters Lenzburg.

In der Region ist die Begeisterung für das Theaterschaffen unter freiem Himmel in der Natur gross: Seit elf Jahren wird auf dem Staufberg Theater gespielt. Im Juni kommt das Stück «Ueli de Pächter 2020» zur Aufführung. In Seengen wurde im vergangenen Jahr der Verein Freilichttheater Seetal gegründet. Er plant ein Comeback des Theaterspiels im Hof von Schloss Hallwyl.

Am längsten Bestand hat das Landschaftstheater Lenzburg. Es feiert in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen. In seiner Jubiläumsaufführung widmet es sich Lenzburger Industriegeschichte und reiht sich ein in die Veranstaltungen zum kantonalen Themenjahr «Industriewelt Aargau». «Die Inszenierung ‹Sanatorium zum Feuervogel› unter der künstlerischen Leitung des Vereins der Flaneure nimmt Fährten der ­ehemaligen Seifenfabrik Lenzburg auf und lädt zu einer sinnlichen Reise durch Hygiene und Dreck», erzählt Thomas ­Passerini, Co-Präsident des Vereins Landschaftstheater Lenzburg. Am 28. August ist Premiere. Das Stück soll 14-mal gespielt werden.

Passerini und seine Frau Madelaine wurden schon früh vom Theatervirus gepackt. Nicht eine Aufführung des Landschaftstheaters haben der Oberstufenlehrer und die Schulleiterin und ehemalige stellvertretende Geschäftsführerin des Aargauer Kuratoriums verpasst, bevor sie selber beim Theater einstiegen.

Bühne der Jubiläumsproduktion ist die «Seifi». Vorgesehen ist auch, den Garten des Burghaldenhauses zu bespielen. Mit diesen Spielorten rücke man nahe an die erste Produktion vor 20 Jahren heran, erklärt Madelaine Passe­rini. «Frühlings Erwachen» spielte unter anderem ebenfalls beim Burghaldenhaus und auf dem Goffersberg.

Erst vor wenigen Tagen ist den Theaterverantwortlichen ein grosser Coup gelungen. Sie konnten die seit Jahren leer stehende einstige Schreinerei Hächler am Rande der Altstadt in unmittelbarer Nähe zum Seifi-Areal für das Jubiläumstheater mieten. «Wir haben unsere Wunschräume gefunden», so Passerinis.

Dass die Liegenschaft nun als Theaterschauplatz ins Scheinwerferlicht rückt, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Das Bauprojekt für ein neues Wohn- und Geschäftshaus im Stadtgässli beschäftigt seit Jahren vor allem die Juristen. Das Pech der Investoren wird nun zum Glück der Theaterleute. Sie sind eine grosse Sorge los. Die Liegenschaft soll multifunktional für die Theaterbelange genutzt werden: als Büro, Garderobe und vieles mehr. Ebenfalls ist vorgesehen, während der Sommermonate im Haus Kulturschaffenden eine Bühne zu bieten.

Pas­se­rinis freuen sich dar­über, dass die Jubiläumsproduktion in Kooperation mit dem ­Museum Burghalde realisiert werden kann. Dessen Sonder­ausstellung «Saubere Sache» widmet sich ab 26. März auch der «Seifi»-Geschichte.

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