Nachgefragt
Kerntangente Lenzburg: «Für den Stadtverkehr reichts»

Die Kerntangente genügt für das innerstädtische Verkehrsaufkommen, sagt der damalige für die Projekt-Realisation zuständige Bauvorsteher Hans Huber heute. Der Transitverkehr hingegen verlange eine andere Lösung.

Ruth Steiner
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Hans Huber: «Die Kerntangente ist nicht für den Transitverkehr gedacht, der die Achse jetzt vor allem morgens und abends regelmässig überlastet.»

Hans Huber: «Die Kerntangente ist nicht für den Transitverkehr gedacht, der die Achse jetzt vor allem morgens und abends regelmässig überlastet.»

Patricia Schoch / az

Welches ist das grösste Missverständnis der Kerntangente?

In der Öffentlichkeit wird oft von einer Umfahrung der Stadt gesprochen. Das führt auch heute noch zu Verwirrungen. Tatsächlich ist es eine Umfahrung des Kerns, also eine Entlastung der Innenstadt. So wurde das Projekt von offizieller Seite immer betitelt.

Das Bauprojekt hat 45 Millionen Franken gekostet. Ist es seinen Preis wert?

Ja. Die Lebensqualität in der Altstadt hat sich mit der Entlastungsmassnahme stark verbessert. Es ist unvorstellbar, dass sich all die Autos noch heute durch die engen Gassen zwängen müssten.

Jetzt staut sich der Verkehr einfach auf der Tangente.

Die Frage müssen wir differenzierter betrachten. Die Verkehrsbelastung kann nicht rein an den Stosszeiten gemessen werden. Zum einen war die Verkehrsentwicklung in dieser Form nicht absehbar. Die Kerntangente ist nämlich nicht für den Transitverkehr gedacht, der die Achse jetzt morgens und abends regelmässig überlastet. Hingegen bin ich überzeugt, dass die Kapazität der Tangente reicht, um die Innenstadt vom Verkehr zu entlasten. Dafür wurde sie auch gebaut.

Mit andern Worten: Der Entscheid für den Bau der «Kerntangente» war richtig?

Ja. Nachdem das Volk die grossräumige Umfahrung über die Ringstrasse Nord abgelehnt hatte, war keine Alternative mehr da.

Was hat Lenzburg mit der Entlastung der Innenstadt gewonnen?

Die Altstadt hat eine ganz andere Bedeutung erhalten. Sie ist heute Treffpunkt und Begegnungszone. Viele Liegenschaften wurden saniert, das hat die Altstadt zusätzlich aufgewertet. Und dank diversen Kurzzeit-Parkplätzen können die Innenstadtgeschäfte auch heute noch mit dem Auto erreicht werden.

Würden Sie heute etwas anders machen wollen?

Ja, mit dem heutigen Wissensstand müsste man die Lösung einer durchgehenden Untertunnelung in Erwägung ziehen. Damals kam diese aus Kostengründen nicht zustande. Zudem hätte man das idyllische Klein-Venedig dafür opfern müssen. Und das wäre politisch nicht durchsetzbar gewesen.

Wie ist mit dem steigenden Verkehrsaufkommen auf der Tangente umzugehen?

Meiner Meinung nach muss der Transitverkehr vor der Stadt und nicht erst in der Stadt abgeleitet werden. Der Schnellverkehr ist über grössere Verkehrswege mit direktem Zubringer zu den Autobahnauffahrten Aarau Ost und Lenzburg zu führen.

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