Hallwil

Jogger angefahren: Wenn das eigene Auto zur Tatwaffe wird

Ein Autofahrer überfährt nach einem Streit einen Jogger. Der genaue Tathergang ist unklar. Warum jemand sein Auto als Waffe benutzt, sagt der Verkehrspsychologe.

In Hallwil will niemand über Andy U. reden, der am Freitagabend mit seinem Auto einen Jogger angefahren hatte. Das Opfer liegt mit schweren Rückenverletzungen im Spital.
«Über einen Kameraden sage ich sicher nichts», sagt ein Mitglied des Schützenvereins und auch bei der Feuerwehr hält man sich bedeckt.

«Das betrifft dummerweise zwei Leute, die in der Feuerwehr sind. Aber das hat nichts mit uns zu tun.» Für einen Bekannten des Fahrers ist die Tat unerklärlich. «Das ist ein ganz normaler junger Mann», sagt er.

Es ist Freitagabend, Andy U. und sein Kollege helfen mit beim Aufbau des Grümpelturniers in Hallwil, das am Tag darauf stattfindet. Sie parkieren ihr Auto auf dem Radweg. Zwei Jogger sollen sich darüber geärgert haben.

Die Jogger und der 25-jährige Andy U. streiten. Bis zu diesem Punkt der Geschichte sind sich Jogger und Autofahrer einig. Was nachher passiert, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen der Polizei.

Absicht oder Unfall?

Die Jogger sprechen von einem Mordversuch: Der VW sei mit hohem Tempo auf sie zugerast. Sie seien auf das Feld ausgewichen. Der Kollege des angefahrenen Joggers sagt gegenüber Tele M1: «Der Fahrer zielte auf meinen Kollegen. Damit er ihn sicher erwischt.»

Jogger in Hallwil angefahren: Unfallfahrer ist in U-Haft

Nachzug Hallwil

Die mutmasslichen Täter sprechen von einem Unfall: Ein bisschen Angst hätten sie den Joggern machen wollen. Darum verfolgen sie die beiden nach dem Streit. Die Jogger versperren ihnen den Feldweg.

Weil sie nicht weggehen, weicht der Fahrer aufs Feld aus. In dem Moment sei einer der Jogger ebenfalls aufs Feld gerannt. «Es hat nur noch gekracht», erzählt der Beifahrer gegenüber «Blick». Gegen den Lenker läuft ein Verfahren wegen versuchter eventualvorsätzlicher Tötung.

«Zeugt von grosser Unreife»

Es sei selten, dass ein Auto zur Tatwaffe werde, sagt Andreas Widmer, Präsident der Schweizer Verkehrspsychologen. Das betreffe meist nur Menschen, die einen sehr engen Bezug hätten zu ihrem Fahrzeug. Ist so jemand emotional sehr erregt, könne es passieren, dass er sein Auto als Waffe verwende, weil es das Naheliegendste für ihn sei. Andere würden vielleicht zu einem herumliegenden Hammer greifen oder zur Pistole.

Wer einen starken Bezug zu seinem Auto hat, könne sich ausserdem persönlich angegriffen fühlen, wenn sein Auto attackiert werde - und in seinem Stolz verletzt sein. Das sei ähnlich wie ein Hund, der sein Territorium markiere und nicht toleriere, wenn jemand eindringe.

Widmer betont: «Einen Menschen anzufahren nach einem Streit, ist eine absolut übertriebene Reaktion und zeugt von grosser Unreife.» Für den Verkehrspsychologen, der Autofahrer - darunter auch Raser - therapiert, ist darum klar: «Wer so etwas tut, ist nicht normal.» Grübelte man in der Vergangenheit einer solchen Person, würde man bestimmt Ursachen für dieses Verhalten finden.

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