Beinwil am See

Jetzt erobert die Sopranistin Andrea Hofstetter auch noch die Operettenbühne in Beinwil am See

Andrea Hofstetter als Gräfin Carlotta (Bildmitte), links Wirt Benozzo (Reto Hofstetter) und dessen Frau Sora (Sophia Seemann).

Andrea Hofstetter als Gräfin Carlotta (Bildmitte), links Wirt Benozzo (Reto Hofstetter) und dessen Frau Sora (Sophia Seemann).

Die Lenzburger Sopranistin Andrea Hofstetter spielt in Beinwil am See in «Gasparone» die vornehme Gräfin Carlotta.

Innerhalb weniger Monate gleich zweimal zur Witwe werden? Im realen Leben eine kaum Wirklichkeit werdende Tragödie, kann es auf der Bühne durchaus Künstleralltag sein. Die Lenzburger Sopranistin Andrea Hofstetter kann aktuell ein Lied davon singen.

Im vergangenen Herbst gab die 45-Jährige auf der Bühne in Möriken-Wildegg die schwerreiche Witwe Hanna im Stück «Die lustige Witwe». Jetzt ist sie als verwitwete Gräfin Carlotta in der Operette «Gasparone» von Carl Millöcker im Löwensaal in Beinwil am See zu sehen.

Ist dieses Witwendasein auf der Bühne für die Künstlerin mit belastenden Emotionen verbunden? Diese Frage entlockt Andrea Hofstetter ein herzliches Lachen. «Im Gegenteil», sagt sie, diese Rollen machten ihr besonders Spass. «Die Musik der Witwenrollen zeichnet sich durch eine starke, gefühlsbetonte zuweilen auch süffisante Tragik aus.» Das komme ihr sehr entgegen. Tatsächlich: Wenn auf der Bühne das Scheinwerferlicht angeht, dann schlüpft die Sopranistin in die ihr zugedachte Rolle und weiss das Publikum für sich einzunehmen.

Auftritte vor Heimpublikum fordern heraus

Seit 15 Jahren ist die im Aargau aufgewachsene und mit ihrer Familie in Lenzburg wohnhafte Andrea Hofstetter auf den regionalen Bühnen präsent und hat sie in den vergangenen Jahren zunehmend für sich eingenommen. 2005 war sie in Möriken-Wildegg in der Strauss-Operette als Else zum ersten Mal dabei.

Nur wenig später starteten ihre Engagements im Stadttheater Sursee. Diese Saison wirkt die Sopranistin aus Lenzburg zum ersten Mal bei einer Produktion in Beinwil am See mit. Hofstetter singt auch regelmässig auf andern Bühnen, wie beispielsweise in Wil/SG.

Vor dem Heimpublikum wie jetzt in Beinwil am See auf der Bühne zu stehen, sei jedoch schon eine spezielle Herausforderung, erzählt die Sopranistin. Das Lampenfieber ist etwas höher als sonst. «Da sitzen Leute im Saal, die man kennt, denen man beim Einkaufen begegnet. Da möchte man es besonders gut machen», sagt sie und schmunzelt.

Ein Leben ohne Gesang ist für Andrea Hofstetter, die schon als Kind bei jeder Gelegenheit vor sich hingeträllert hat, heute undenkbar geworden. Ihre berufliche Laufbahn besiegelte jener Singlehrer, der sie in der Oberstufe ermunterte, ihre bemerkenswerte Stimme doch ausbilden zu lassen. Sie folgte diesem Rat und gab den damaligen Berufswunsch Archäologin auf.

«Gasparone» widerspiegelt Dolce Vita des Südens

Andrea Hofstetters Repertoire ist vielfältig: Das Spektrum reicht vom Barock bis hin zur Romantik. Zu ihren Lieblingskomponisten zählen Bellini, Donizetti und Verdi. «Das Expressive, das Dramatische der Romantik hat es mir besonders angetan. Die Emotionen, die in dieser Musik liegen, sind einzigartig.»

Die Operette im Beinwiler Löwensaal spielt in Sizilien, der Regisseur hat die Handlung zeitlich leicht modernisiert (siehe «Nachgefragt»). Die Musik dieses prickelnden komödiantischen Krimis sei romantisch und mitreissend, widerspiegle das berühmte Dolce Vita des Südens, hälft Hofstetter begeistert fest. «Diese Musik ist sehr schön zum Singen.»

Bis zur Dernière am Sonntag, 8. März, sind noch 16 Aufführungen im Programm. Wer Andrea Hofstetter auf der Bühne erleben möchte, wie Millöckers Witwen-Gräfin keine Dame von Traurigkeit ist, sollte sich sputen und Karten sichern. Der Vorverkauf läuft unter www.operette-beinwil.ch, telefonisch unter 062 771 58 41 oder direkt im Foyer des Löwensaals.

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