Lenzburg
Hornussen-Präsident: «Wir kämpfen um unseren Verein»

Die Hornussergesellschaft, 1930 gegründet, ist geplagt von Nachwuchssorgen. Sie ist nicht die Einzige

Peter Weingartner
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Hornusser-Präsident Gottfried Kneuss kämpft mit erhobener Schindel für den Verein.WPO

Hornusser-Präsident Gottfried Kneuss kämpft mit erhobener Schindel für den Verein.WPO

Folklore liegt im Trend, Filme über Bräuche haben Konjunktur. Schwinger sind populär, und es gibt Jodelkurse. Da würde das Hornussen doch hineinpassen. «Sicher», sagt Vereinspräsident Gottfried Kneuss, «aber ein vages Interesse an Volkskultur führt noch nicht zum Mitmachen in einem Verein.» An der Generalversammlung zu Jahresbeginn sei man noch 26 Personen gewesen; jetzt sinds noch zehn, neun Männer und eine Frau.

Was ist passiert? Der Vorstand wollte die damals festgesetzten Voraussetzungen für die Teilnahme am Eidgenössischen Hornusserfest – Teilnahme an mindestens fünf vorgängigen Spielen – aufweichen, was nicht allen Aktiven passte. Sechs Personen schlossen sich daraufhin anderen Vereinen an: Lenzburg brachte nicht mehr die nötigen 16 Spieler zusammen.

Kooperation mit andern Vereinen

«Wir geben uns ein, zwei Jahre Zeit, in Lenzburg wieder eine Mannschaft aufzubauen», sagt Kneuss, «wir kämpfen um den Weiterbestand unseres Vereins.» Inzwischen wolle man sich «als geschlossene Gruppe» einem befreundeten Verein zum Spiel anschliessen. Fusion? Sei im Vorfeld schon diskutiert worden, doch Kneuss winkt ab, denn Beispiele aus dem Kerngebiet des Sports im Bernbiet hätten gezeigt, dass Fusionen auch scheitern können: Spieler wollen spielen und nicht plötzlich überzählig sein.

Kleintierzüchter schlimmer dran

Kaum ein Verein, der nicht um Nachwuchs kämpfen muss. Noch härter als die Hornusser trifft es die Kleintierzüchter. «Von 50 Mitgliedern halten dank Kleintieranlage fünf noch Tiere; zwei davon können zu Hause Tiere halten», sagt Hans Ammann, Präsident des überalterten Kleintierzüchtervereins Lenzburg und Umgebung. In Einfamilienhausquartieren werde nicht einmal das gelegentliche Klopfen von Kaninchen toleriert, von Geruchsemissionen und Güggelkrähen ganz zu schweigen. Das gesellschaftliche Leben im Verein sei noch intakt; fürs Züchten aber sieht Ammann nur einen Zusammenschluss der Vereine.

Bei Jugendfeuerwehr besser

Besser siehts bei der Jugendfeuerwehr aus. Andreas Lanz, Präsident der Jugendfeuerwehr Lenzburg-Ammerswil: «Letztes Jahr haben sich drei von vier 18-Jährigen fürs Weitermachen bei der Feuerwehr entschlossen.» Auch hier gilt: Mit der Lehre oder dem Besuch weiterführender Schulen werde es schwieriger. Man bemühe sich um ein attraktives Programm: Leitungen aufbauen; Auto auseinanderschneiden; ein Häuschen bauen, anzünden und einen Löscheinsatz ausführen. Bei Übungen der Grossen machen die Jungen als Figuranten mit.

Identifikation der Fussballer sinkt

Auch der Fussballclub kennt das Problem. «Man sieht das an der Anzahl Mannschaften – je älter die Junioren, desto weniger Teams», sagt Mike Barth, beim FC Lenzburg für die Junioren zuständig. Wenns sportlich nicht laufe, resignierten viele. Der Ausgang werde wichtiger; man versucht sich in anderen Sportarten. Vieles sei vom sportlichen Erfolg abhängig, auch Trainer und Infrastruktur spielten eine Rolle. Barth bedauert, dass «die Identifikation mit dem Verein nicht mehr so gross ist wie früher». Zu oft gehe es nur um den persönlichen Vorteil: «Was bringts?»

Und die Musikvereine?

Heinz Binder kennt die Nachwuchs-Problematik einerseits als Dirigent von Blasmusikvereinen, anderseits als Musikschulleiter in Lenzburg und Mellingen. Eine regionale Jugendmusik kann die Brücke bilden zwischen Musikschule und Mutterverein. Erfolg macht attraktiv auch hier: «Die Jungen sollen Soli spielen dürfen, wollen gesehen werden.»

Eine Chance sieht Binder in der Projektarbeit: Mitmachen vorerst ohne die Verpflichtung, gleich Vereinsmitglied zu werden.

Sind Chlausklöpfer die Rettung

Die Ideen der Lenzburger Hornusser (www.hglenzburg.ch) gehen in diese Richtung. Gottfried Kneuss möchte es mit einem offenen Demo-Hornussen im Frühling 2016 versuchen. Auch über die Schule – der Verein hat ausgebildete J+S-Leiter in seinen Reihen – sieht man eine Möglichkeit, an Nachwuchs heranzukommen. Einen kurzen Boom habe es nach dem Eidgenössischen Nachwuchs-Hornusserfest 2007 gegeben: «Von zehn Nachwuchsspielern sind drei geblieben.» Da sei Hornussen auch als Schulsport angeboten worden.

Wieso nicht bei den Chlausklöpfern anklopfen? Die Idee von Gottfried Kneuss, dem Hornusser-Präsidenten, hat etwas für sich: Beiden Vereinen geht es schliesslich auch um die Erhaltung eines Kulturgutes. Und kräftige Arme sind hier wie dort von Vorteil.