Dürrenäsch

Hier wird den Aprikosen-Folientunneln im Voraus der Riegel geschoben

Ammann Andrea Kuzma und Vizeammann Stefan Fischer haben für eine mehrheitsfähige BNO gekämpft.

Ammann Andrea Kuzma und Vizeammann Stefan Fischer haben für eine mehrheitsfähige BNO gekämpft.

Die neue Bau- und Nutzungsordnung legt die weitere Entwicklung der Gemeinde Dürrenäsch in ein engeres Korsett.

Das Dossier, das Frau Gemeindeammann Andrea Kuzma und Vizeammann Stefan Fischer vor sich auf dem grossen Sitzungstisch liegen haben, sieht auf den ersten Blick wenig spektakulär aus: Im blauen Klarsichtmäppli befinden sich Pläne und Dokumente. Es sind die Unterlagen zur Revision der Bau- und Nutzungsordnung (BNO) der Gemeinde Dürrenäsch. In der abschliessenden Vorprüfung hat die Abteilung Raumentwicklung des Departements Bau, Verkehr und Umwelt des Kantons dem Regelwerk grünes Licht erteilt.

Das Werk birgt jedoch einigen Zündstoff. Und es besteht handfester Zweifel, ob die Dürrenäscher Bevölkerung die BNO in der vorliegenden Form durchwinken wird. Kuzma und Fischer sprechen von drei grossen Knackpunkten: Zum einen geht es um die Baulandreserven. Dürrenäsch gehört zu jenen Gemeinden in der Region, die ihre Bauzone verkleinern müssen. Die Baulandreserven betragen 7,48 Hektaren (Siedlungsfläche total 51,8 Hektaren). Der Kanton verlangt eine Minderung um 1,4 Hektaren. Mit den verbleibenden gut sechs Hektaren ist Dürrenäsch immer noch in einer komfortablen Situation. Die Reduktion hätte durchaus höher ausfallen können, erklären Kuzma und Fischer. «In diversen Gesprächen mit dem Kanton und dem zuständigen Regionalplaner haben wir darlegen können, dass die Gemeindeversammlung eine noch höhere Reduktion der Baulandreserve nie bewilligen würde», sagt Kuzma.

Abbruchobjekt Beck-Bertschi-Haus wird geschützt

Die Gemeinde liegt auf der Kuppe zwischen dem Wynen- und Seetal. Laut den zuständigen kantonalen Stellen soll Dürrenäsch als Naherholungsgebiet erhalten bleiben. Die gesamte Landwirtschaftszone soll deshalb mit Landschaftsschutz überlagert werden. Stefan Fischer zieht eine Karte des Gemeindegebiets aus dem Dossier und zeigt auf die gelben schraffierten Flächen. «Bis auf den Wald und die Industriezone ist alles markiert», sagt er. Klar ist: Mit diesen strengen Vorgaben werden unter anderem Bauten wie die umstrittenen Aprikosen-Folientunnel in Egliswil und Seengen zum vornherein verunmöglicht.

Auch im Dorf selber soll die Idylle gewahrt bleiben. Der Kanton gibt vor, dass – nebst Liegenschaften wie das Auslandschweizerheim und das einst dem Abbruch geweihte Beck-Bertschi- Haus – mehrere fast identische Bauernhäuser unter kommunalen Schutz gestellt werden müssen. In Dürrenäsch schüttelt man den Kopf über diese Entscheide. «Wir haben auf allen möglichen Ebenen das Gespräch gesucht und gekämpft», sagen Kuzma und Fischer. Der Erfolg hielt sich in Grenzen. Zwar gelang es, die Anzahl Schutzobjekte zu reduzieren. An den festgelegten Landschaftsschutzzonen habe der Kanton jedoch festgehalten und dem Gemeinderat keinen Spielraum eingeräumt, sagt Fischer. Und Kuzma ergänzt: Beim Kanton habe es geheissen, es werde nicht so schlimm sein, wie die Landwirte dies befürchteten.

Wird Dürrenäsch zum Ballenberg des Seetals?

Unter dem Strich brennt die Frage auf der Zunge: Soll Dürrenäsch zum Ballenberg des Seetals gemacht werden? Kuzma und Fischer schmunzeln: «Wir hoffen nicht. Der Gemeinderat hat sich so gut wie möglich eingesetzt, dass es nicht so weit kommt.»

Stefan Fischer hat das BNO-Dossier vor zwei Jahren übernommen. Nach verschiedenen Rücktritten aus dem Gemeinderat sind einzig er und Ammann Kuzma mit der BNO vertraut verblieben. Im Sinne der Arbeitsteilung sei es auf der Hand gelegen, dass er die Verantwortung für das Geschäft übernehme und dieses zu Ende führe, erklärt Fischer. Damals sei bereits bekannt gewesen, dass Dürrenäsch auf zu viel Baulandreserven sitze. Der Kanton habe den Gemeinderat wissen lassen, dass die BNO in dieser Form nicht bewilligungsfähig sei, erklärt Gemeindeammann Kuzma.

Die Verantwortlichen in Dürrenäsch ergriffen die Flucht nach vorne: An der Sommergmeind 2018 wurde über die geforderte Reduktion der Baulandreserve um 1,4 Hektaren informiert. Und über das weitere Vorgehen. «Wir haben eine Auslegeordnung gemacht, einen Kriterienkatalog zusammengestellt und aufgrund dessen Grundstücke ausgewählt», sagt Stefan Fischer. Mit jedem von der Auszonung betroffenen Landbesitzer habe man persönlich gesprochen. Kuzma und Fischer sprechen von schwierigen, aber korrekten Gesprächen. «Klar hat niemand Freudensprünge gemacht», sagt Stefan Fischer. Für die einen sei das Bauland eine Art Altersvorsorge gewesen, andere hätten vorgehabt, ihren Kindern einen Bauplatz zur Verfügung zu stellen.

Wie Dürrenäsch auf die Massnahmen reagiert, wird sich zeigen. Die BNO liegt noch bis am 16. März auf der Gemeindekanzlei auf. Den von einer Anordnung betroffenen Parteien hat der Gemeinderat schriftlich mitgeteilt, dass nun die Möglichkeit besteht, gegen die vorliegende BNO Einwendung zu erheben. Die Gemeinde Dürrenäsch hat die BNO 1998 zum letzten Mal angepasst. Zur aktuellen Revision sagt Vizeammann Fischer: «Am Schluss wollen wir eine BNO, die von der Bevölkerung akzeptiert wird.»

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