Seon

Hat die Gemeinde bald ein «Regionales Hallenbad»? – acht Gemeinden aus der Region finanzieren den Betrieb mit

Über der Eingangstür des Hallenbades in Seon prangt die Aufschrift «Hallenbad».

Über der Eingangstür des Hallenbades in Seon prangt die Aufschrift «Hallenbad».

Seit Jahren haben die Betriebskosten des Seoner Hallenbades das Budget der Gemeinde belastet. In Zukunft beteiligen sich acht der 26 Gemeinden des Gemeindeverbands Lebensraum Lenzburg Seetal an der Finanzierung.

Vor gut einer Woche wurde das Hallenbad Seon nach neunmonatiger Umbauzeit mit einem Fest wieder eröffnet. Nach über 40-jähriger Betriebstätigkeit war die Bausubstanz stark belastet, eine Sanierung des Bads hatte sich aufgedrängt.

Die veranschlagten Kosten: 7.68 Millionen Franken. Aus dem Swisslos-Sportfonds Aargau fliessen 1.325 Millionen Franken nach Seon. Nicht zuletzt deshalb, weil eine Erhebung gezeigt hatte, dass ein beträchtlicher Teil der 140 000 Badbesucher jährlich aus der Region und nicht aus Seon stammt.

Grosse Sorgen bereiten der Gemeinde schon seit Jahren die Betriebskosten. Es wurden Wege gesucht, um die Rechnung der Gemeinde zu entlasten. Seon klopfte bei Unternehmen in der Region an und weibelte bei den Mitgliedern des Gemeindeverbandes Lebensraum Lenzburg Seetal (LLS) für eine finanzielle Unterstützung des Badbetriebs (3 Franken pro Einwohner).

Nebst Sonderkonditionen für Bevölkerung und Schulen bot Seon den potenziellen Geldgebern auch eine Namensänderung des Hallenbads in «Regionales Hallenbad» an. Um die regionale Solidarität nach aussen zu dokumentieren.

Klamme Finanzen und kaum Interesse der Schulen

Das Ergebnis der Betteltour: Sieben Firmen haben einen einmaligen Zustupf geleistet, zwei weitere engagieren sich längerfristig. Von 26 LLS-Gemeinden haben acht jährlich wiederkehrende Zahlungen zugesagt: Nebst der Bezirkshauptstadt Lenzburg sind dies die Gemeinden Boniswil, Dintikon, Egliswil, Fahrwangen, Meisterschwanden, Seengen und Staufen.

Bei den übrigen ist es oft an den Finanzen und am mangelnden Interesse der Schulen gescheitert, wie eine Nachfrage bei einigen Gemeinden ergab. In Schafisheim zum Beispiel ist das Bad sehr beliebt. Aus dem Nachbardorf kommen zahlreiche Gäste ins Bad. Trotzdem erteilte der Gemeinderat im letzten Herbst Seon einen abschlägigen Bescheid auf die Anfrage.

«Aufgrund der laufenden Sparbemühungen in der Gemeinde wäre es kaum möglich gewesen, für 2020 eine Beteiligung an das Betriebsdefizit des Seener Hallenbads zu leisten», sagt Ammann Roland Huggler. Er will sich im jetzigen Zeitpunkt nicht festlegen, ob Schafisheim im Budget 2021 einen Beitrag an den Hallenbadbetrieb vorsieht.

Die Schule dürfte dabei das Zünglein an der Waage spielen. Man wolle zuerst mit den Schulverantwortlichen klären, ob die Schulklassen in Zukunft das Seener Hallenbad nutzen werden. Das sei heute nicht der Fall, sagt der Gemeindeammann.

Ähnlich tönt es aus Hunzenschwil, Niederlenz und Rupperswil. «Das Hallenbad Seon wird nur vereinzelt von Hunzenschwiler Einwohnern besucht. Unsere Abklärungen bei der Schulleitung haben ausserdem ergeben, dass das Bad von der Schule nicht benützt wird», sagt Ammann Urs Wiederkehr.

Jürg Link aus Niederlenz erklärt: «Die Gemeinde erhält Finanzausgleich und muss mit den erhaltenen Geldern der Gebergemeinden sehr sorgfältig umgehen.» Rupperswil, so Ammann Ruedi Hediger, sei aufgrund eines Investitionsstopps die Hände gebunden. Zudem sei das Dorf geografisch weit entfernt von Seon und die Anreise für Schulklassen zu umständlich.

«Hallenbad» oder «Regionales Hallenbad»?

In Seon ist man zufrieden darüber, dass sich acht Gemeinden wiederkehrend am Hallenbad-Betriebsdefizit von aktuell rund 300 000 Franken beteiligen wollen. «Wir sind sehr erfreut über die Zahl der Gemeinden, die mitmachen», erklärt der Seener Ammann Hans Peter Dössegger, umso mehr im Voraus kaum jemand gewagt habe, sich irgendwelchen Vorstellungen hinzugeben.

Dössegger glaubt jedoch, dass im «Lebensraum Lenzburg Seetal» ein Umdenken stattgefunden hat, was die interkommunale Kooperation anbelangt. «Die Bereitschaft zur regionalen Zusammenarbeit ist bei gewissen Projekten gestiegen.»

Hingegen wird es keine Namensänderung geben. Zumindest vorerst nicht. Die acht Unterstützergemeinden legen laut Dössegger keinen Wert darauf, das «Hallenbad» in «Regionales Hallenbad» umzubenennen.

So schön ist das neueröffnete Seener Hallenbad

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