Bauprojekt
Grosses Aufatmen in Holderbank: Endlich wird gebaggert

In Holderbank begannen die Arbeiten für das Jahrhundert-Projekt neues Schulhaus – das Ende eines Leidensweges. Es kostet 15,35 Mio. Franken.

Ruth Steiner
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Die Einfamilienhäuser rechts und links des Baggers müssen dem Neubau weichen. Letzteres hat das Bauprojekt um Jahre verzögert.

Die Einfamilienhäuser rechts und links des Baggers müssen dem Neubau weichen. Letzteres hat das Bauprojekt um Jahre verzögert.

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Grosses Aufatmen in Holderbank: Als sich die Baggerschaufel am Dienstag tief in die Erde grub, empfand Gemeindeammann Herbert Anderegg eine grosse Genugtuung. Für ihn hatte der Akt eine viel grössere Bedeutung als einfach der Startschuss zum 15,35 Millionen Franken teuren Schulhaus mit einer Einfachturnhalle. Es war zugleich das Ende eines langen Leidensweges, der die Gemeinde bis vors Bundesgericht gebracht hatte.

«Endlich geht es vorwärts»

Corona verunmöglichte eine Feier zum Spatenstich. Auch in einem engeren Rahmen, ohne Schulkinder. Sie sollen dafür die Grundsteinlegung im Frühling mitgestalten. So ist es im Moment vorgesehen. Jetzt tummelten sie im Schnee auf dem Schulhausplatz, würdigten die lärmende Baumaschine in der Nähe keines Blickes, kletterten auf die Schneemaden und balgten sich in der weissen Pracht, bis die Schulhausglocke sie zum Unterricht rief.

Zehn Klassenzimmer sollen entstehen

Einzig Ammann Anderegg blieb zurück und blickte zufrieden durch den Sicherheitszaun, der die neue Baustelle vom Schulhausplatz trennt. «Endlich geht es vorwärts. Mit der Umstellung auf sechs Jahre Primarstufe und drei Jahre Oberstufe und unter Berücksichtigung des Bevölkerungswachstums ist es höchste Zeit, dass Holderbank zusätzlichen Schulraum erhält», erklärte er.

Erstellt wird nun ein Bau mit zehn Klassenzimmern mit dazugehörigen Gruppenräumen, eine Einfachturnhalle sowie ein Mehrzweckraum mit Küche. Die Arbeiten sollen flott vorangehen, bereits auf das Schuljahr 2022/2023 soll die Schuljugend in den Neubau ziehen können.

Leidensgeschichte führte bis vor Bundesgericht

Das Schulhaus-Projekt hat dem Holderbanker Ammann in den vergangenen Jahren einige schlaflose Nächte bereitet. Nachdem 2013 der Standortentscheid gefallen war, hatte sich eine Erbengemeinschaft mit allen Mitteln über drei Jahre lang gegen die Umzonung ihrer Parzelle neben dem alten Schulhaus gewehrt.

Trotz des Angebots seitens der Gemeinde Holderbank, die Differenz zum ursprünglichen Landpreis ausgleichen zu wollen. Denn in der Zone für öffentliche Bauten und Anlagen ist das Land weniger wert als in der ursprünglichen Dorfzone, in der ein Wohn-/Gewerbe-Projekt hätte realisiert werden können. 2017 entschied das Bundesgericht zu Gunsten der Gemeinde Holderbank.

Brand sorgte für weitere Verzögerung

Der jahrelange Aufschub hat zudem dazu geführt, dass das ursprünglich auf zwei Etappen aufgeteilte Bauvorhaben (in einem zweiten Schritt war für 2024 an der Südseite des neuen Gebäudes ein Anbau vorgesehen gewesen) nun in einem Schritt realisiert wird.

Zu einer weiteren Verzögerung kam es, als im Dezember 2019 ein Brand die fast hundertjährige Mehrzweckhalle in Schutt und Asche legte. «Wir haben damals das Schulhausprojekt kurz gestoppt und uns überlegt, ob der Brand eine neue Ausgangslage schafft», erinnert Anderegg sich. Doch hätte sich rasch gezeigt, dass sich eine Einfachturnhalle nicht auf die Schnelle in eine Mehrzweckhalle umprojektieren lasse. Deshalb habe man das geplante Schulhausvorhaben weiter vorangetrieben. Schliesslich hat der Souverän im letzten September in einer des hohen Aufmarsches und besonderer Corona-Schutzbedingungen wegen in einem Zelt durchgeführten Gemeindeversammlung dem Baukredit von 13,85 Millionen Franken für das neue Schulhaus zugestimmt.

Altes Schulhaus wird für Verwaltung umgebaut

Den Namen Jahrhundertprojekt hat der Schulhausneubau nicht nur seiner Grösse wegen verdient. Tatsächlich sind es rund einhundertfünfzig Jahre her, seit in Holderbank zum letzten Mal ein Schulhaus gebaut wurde. 1974 war auf der heutigen Baustelle behelfsmässig ein Pavillon erstellt worden. Er musste nun weichen. «Der Pavillon war im Verlaufe der Zeit zum Providurium geworden», sagt Ammann Anderegg und lacht.

Die dort unterrichteten Schülerinnen und Schüler der 5. und 6. Klasse gehen jetzt Möriken-Wildegg zur Schule bis der Neubau in Holderbank bezogen werden kann. Auf diesen Zeitpunkt hin wird das bisherige Schulhaus frei, auch diese Schüler zügeln ins neue Gebäude. In das alte Schulhaus soll nach einem Umbau die Holderbanker Gemeindeverwaltung einziehen.