Lenzburg
Gratis und szenenlos: Das «Metschgplatsch» wird auch dieses Jahr musikalisch bunt

Das subversive Zungenbrecher-Festival Metschgplatsch findet dieses Jahr am 14. Juli zum 40. Mal statt. Dieses Jahr treten viele Bands mit Lenzburgbezug auf.

Janine Gloor
Drucken
Teilen
Ein Konzert dauert 45 Min., von Punk über Funk bis zu Ländler ist alles erlaubt. (Archivbild)

Ein Konzert dauert 45 Min., von Punk über Funk bis zu Ländler ist alles erlaubt. (Archivbild)

Peter Weingartner

Die Geschichte beginnt mit Pepe Lienhard. Vor mehr als vierzig Jahren gab der unterdessen verlorene Sohn der Stadt Lenzburg einmal jährlich ein Konzert im Kronensaal. Als Vorgruppe durfte Ruedi Häusermann mit seiner Band spielen.

«Ich war damals bei Pepi in der Klarinettenstunde», sagt er. Wie ihr Vorbild legte sich die Band einen flotten Namen zu: Ernest Häusermann Group. Benannt nach Ruedi Häusermanns Bruder. Ebenfalls dabei im Quartett waren Bob Gelzer und Hans Hegnauer. Die Vorband mauserte sich und führte eigene Konzerte durch, doch als der Kronensaal renoviert wurde, kam ihr das Lokal abhanden.

Die Ernest Häusermann Group begann, zwischen Jugendfest und Nachjugendfest draussen vor der Burghalde ein Konzert zu geben. «Wir nannten es ‹die Jugendfestserenade›», sagt Häusermann. Eine passende Bezeichnung, steht Serenade doch unter anderem für Abendmusik; italienisch sereno bedeutet heiter. Eines Jahres wurde die Serenade von einem Platzregen heimgesucht, Band und Zuschauer flüchteten unter die Arkaden des Gemeindesaals.

Aus dem Regen entstand der Metgschgplatsch. Wortwörtlich. «Wir kannten damals jemanden, der sagte Platschregen», sagt Ruedi Häusermann. So ergab sich auch der Zungenbrecher Metschgplatsch. Eine Art Festival wurde gegründet, das immer am Samstagabend nach dem Jugendfest stattfand. Ungefähr 15 Jahre lang organisierten Ruedi Häusermann und Bob Gelzer alles selber. Bruder Ernst Häusermann gestaltete die Plakate, jedes ein Kunstwerk.

Der Metschgplatsch war ein Kontrast zum restlichen Jugendfestprogramm. «Wir hatten eine subversive Power», sagt Ruedi Häusermann. Es gab Konzerte und szenische Aufführungen, wer sitzen wollte, musste selber einen Suhl mitbringen. Mit den Freischärlern und Traditionalisten wollte man nichts zu tun haben. «Die Stadt hat sich anfangs etwas schwergetan mit uns.» Denn sie hatte nichts zu sagen. «Wir haben auch provoziert», sagt Häusermann.

Zum Beispiel die Flasche Bier zum Einkaufspreis von 50 Rappen verschleudert. Metschgplatsch-Veteranen und Neue im OK kennen die Geschichten, als dem Festival um zehn Uhr der Strom gekappt wurde. Doch Ruedi Häusermann liess sich nicht beirren. Liess Bands aus allen Stilrichtungen auftreten, Saxofone aus Fenstern spielen und eine Marschmusik aus dem Takt fallen. Jahre später wurde der Metschgplatsch ins offizielle Jugendfestprogramm aufgenommen.

50 ehrenamtliche Helfer

Noch heute sind es ausschliesslich Freiwillige, die den Metschgplatsch organisieren und durchführen. Ungefähr 50 Helfer, sechs aktive Mitglieder im OK. Luca Pibiri ist zum fünften Mal im OK dabei. Am Anlass ist er für die Bands verantwortlich, aber wie die anderen OK-Mitglieder hilft er überall. Am Basteltag, beim Aufstellen, an der Bar, beim Abräumen. Das geschieht noch in der gleichen Nacht, am Sonntag muss alles wieder weg sein.

Schon zu Ruedi Häusermanns Zeiten war es der ganz harte Kern, der morgens um vier Uhr – nach mehreren Tagen feiern notabene – Bar und Bühnen abbaute. Das heutige OK hat aus diesem Grund die erste Sitzung für die kommende Ausführung jeweils für Oktober angesagt. «Bis dann sind die unangenehmen Erinnerungen ans Aufräumen ein bisschen verblasst», sagt Pibiri. Für den Lenzburger gehört der Metschgplatsch dazu. «Es ist ein Teil des Jugendfests im familiären Rahmen», sagt er. Aber es sei jeder willkommen.

Ungezwungen, szenenlos und jederzeit bereit, ein bisschen anzuecken. So ist der Metschgplatsch. Und auch die Musik. «Am gleichen Abend können eine Ländlerkapelle und eine Punkband spielen», sagt Pibiri. Deshalb dauert jedes Konzert nur 45 Minuten. «Mag man eine Band nicht, kann man sich für einen Schwatz an die Bar verziehen.» Dieses Jahr treten viele Bands mit Lenzburgbezug auf (siehe Box). Der Metschgplatsch finanziert sich aus den Bareinnahmen sowie mit Beiträgen der Kulturkommission, der Ortsbürger sowie dem Aargauer Kuratorium. «Wir sind extrem wetterabhängig», sagt Pibiri. Die Hauptbühne ist zwar wie zu Häusermanns Zeiten geschützt. Doch Regen hält viele Besucher ab.

Ruedi Häusermann ist stolz auf seinen Metschgplatsch. «Es war mein Beitrag an Lenzburg.» Und er ist stolz, dass der Grundgedanken des Festivals derselbe geblieben ist: gratis und mit viel Freiraum.

Viele Heimspiele

Ein Bezug zu Lenzburg ist für die Bands am Metschgplatsch keine Bedingung. Doch dieses Jahr spielen besonders viele Barden und Musikantinnen für ihr Heimpublikum. Eröffnet wird das Festival vom Schülerchor Staufen um 18 Uhr. Beim nächsten Act, der Acid-Pop-Band Flavorous, kommen einzelne Spieler aus Lenzburg, bei «Grand» sind es gleich beide Bandmitglieder: Kaspar Schoch und Emanuel Dössegger und ihr Synthie-Pop sind «Kind of Geil». Auch Soul-Sängerin Angelica Muritu ist eine waschechte Lenzburgerin. Nicht weit reisen müssen Sing- und Songrapper Benji Bonus und die Rocker von Ricky Harsh; sie alle kommen aus Aarau. Die Schlussfanfare ertönt um 23.30 Uhr von Buddy’s Blues Machine, eine Ad-hoc-Formation um das langjährige OK-Mitglied André Bernath. (JGL)

Aktuelle Nachrichten