Famlientragödie

Familie lebte zurückgezogen – 4-jährige Tochter spielte selten mit Nachbarskindern

In diesem Doppeleinfamilienhaus lebte die Familie zurückgezogen mit ihrem Kind.

In diesem Doppeleinfamilienhaus lebte die Familie zurückgezogen mit ihrem Kind.

In Niederlenz wurde ein vierjähriges Mädchen erstochen. In Verdacht steht der Vater. Nun wird bekannt, wie unauffällig die Familie mit ihrem Kind Raquel im idylischen Familienquartier in der Aargauer Gemeinde gelebt hat.

Am Nachmittag nach der Bluttat ist das Doppelhaus-Quartier in Niederlenz wie ausgestorben. Obwohl vereinzelte Sonnenstrahlen ihren Weg durch wolkenbehangenen Himmel suchen, ist keine Menschenseele draussen. Und doch gibt es praktisch auf Schritt und Tritt Hinweise, dass hier vor allem Familien zu Hause sind. Schon an der Strasse, die zu den Häusern führt, mahnt eine gelbe Tafel mit einem aufgemalten Kind zur Vorsicht: «Geschwindigkeit passen – für uns!»

Schnee liegt auf den Dächern und in den kleinen Vorgärten des Quartier mit lauter terracottabraunen Doppelhäusern. In einem Garten steht ein Schneemann einsam und etwas schief gebaut, wohl von Kinderhand erstellt. An vereinzelten Häusern prangen grosse Baby-Geburtstafeln mit lustigen Motiven. Schlitten, Bob und Traktore versperren vielerorts den Zugang zur Haustür. Wo man auch hinschaut, lauter sichtbare Zeichen von spielenden Kindern.

Nachbarin nicht erstaunt über Tötungsdelikt von Niederlenz

Nachbarin nicht erstaunt über Tötungsdelikt von Niederlenz

Das Doppelhaus-Quartier wurde erst vor rund fünf Jahren gebaut. Eine Idylle am Dorfrand von Niederlenz mit freiem Blick auf Schloss Wildegg. Über die Familie sagten mehrere Nachbarn, dass sie eher zurückgezogen lebte. Bei gelegentlichen Quartierfesten seien sie nie dabei gewesen. Die 4-jährige Tochter sei das einzige Kind gewesen. Es habe selten mit anderen Kindern gespielt. 

Dieses Verhalten bestätigen auch Recherchen von Tele M1 in Urdorf ZH, wo die Familie vorher sechs Jahre gelebt hatte. «Sie gingen nie nach draussen mit ihrem Kind», erinnert sich eine ehemalige Nachbarin. Das sei schon sehr auffällig gewesen.

Der Fall erinnert im ersten Augenblick an das Familiendrama in Flaach ZH, wo eine Mutter am Neujahrstag ihre beiden Kinder getötet hat. Dort geriet die Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) unter Beschuss, weil ihr die Familie und deren Probleme bekannt war. Bei der Tragödie in Niederlenz scheint dies aber nicht der Fall zu sein. Die Familie war der Kantonspolizei in der Vergangenheit jedenfalls nie aufgefallen. Auf Anfrage betont Christina Uster, Co-Fachbereichsleiterin Kindes- und Erwachsenenschutzdienst (KESD) Region Lenzburg: «Die Familie ist uns nicht bekannt als Fall.»

Auch Gemeinderätin Rita Eigensatz kennt die Familie persönlich nicht. «Es ist eine unvorstellbar furchtbare Tragödie, die Betroffenheit in der Gemeinde ist sehr gross», sagt sie. All jene, die nun Aufklärungsarbeit leisten müssten, würden vor einer sehr schwierigen stehen. «Im Moment gibt es vor allem viele Fragen, auf die nun Antworten gesucht werden müssen.» (rst/roc)

Das sagt die Aargauer Kantonspolizei zur Familientragödie:

Familientragödie in Niederlenz AG: Kantonspolizei Aargau nimmt Stellung.

Familientragödie in Niederlenz AG: Vierjähriges Mädchen wird getötet

Reaktionen aus der Nachbarschaft:  

Grosse Trauer nach Familiendrama in Niederlenz

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