Lenzburg
Eröffnung Burghalde: «Das Museum ist ein Bijou, das seinesgleichen sucht»

Das neue Museum Burghalde in Lenzburg wurde in Anwesenheit von Kulturminister Alex Hürzeler eröffnet – Ende Monat folgt das Stapferhaus.

Ruth Steiner
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Eröffnungsfeier des sanierten Museums Burghalde in Lenzburg
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Das Burghaldenhaus wurde 1628 im gotischen Stil erbaut. Seit 1985 ist das städtische Museum hier untergebracht.
Das «Forum« ist ein multifunktionaler Raum. Hier lädt eine Klangkarte ein zur einer akustischen Reise durch Lenzburg. Mit einer verschiebbaren Hörtrompete können verschiedene Orte in der Stadt belauscht und die Geräusche enträtselt werden.
Urs F. Meier, Präsident der Stiftung Museum Burghalde, freut sich über das Lob von Kulturminister Alex Hürzeler.
Impressionen aus der neuen Museumsausstellung: Hier die jüngere Industriegeschichte mit "Wisa-Gloria" und "Hero".
Die Burghalde wurde 1628 erbaut und viele Generationen von kulturliebenden und künstlerisch begabten Menschen bewohnt. 1948 kaufte die Ortsbürgergemeinde die Liegenschaft.
Impression von der Eröffung des Museums Burghalde in Lenzburg. Stadtammann Daniel Mosimann (Mitte) im Gespräch mit Gästen.

Eröffnungsfeier des sanierten Museums Burghalde in Lenzburg

André Albrecht

Die Stadt Lenzburg zementiert ihren Ruf als «geheime Kulturhauptstadt» des Kantons: «Ich weiss, was der Aargau mit Lenzburg hat, wenn es um kulturhistorische Belange geht», lobte Regierungsrat Alex Hürzeler am Wochenende. Das Kompliment aus dem Munde des Kulturministers bei der Feier zur Wiedereröffnung des Museums Burghalde wird den Lenzburgern gefallen.

Tatsächlich machen in Lenzburg im Jahr des Weltkulturerbes in kurzer Zeit gleich zwei Kulturhäuser von sich reden: In einem Monat eröffnet das Stapferhaus seine erste Ausstellung «Fake» am neuen Standort im Neubau vis-à-vis des Bahnhofs Lenzburg. Bereits am Wochenende hat das Museum Burghalde gefeiert. Am Freitagabend mit geladenen Gästen und am Samstag mit einem vielfältigen Programm unter dem Motto «Ganztags zu geniessen».

In den vergangenen anderthalb Jahren war das Museum der Ortsbürgergemeinde für einen grösseren Millionenbetrag saniert, modernisiert und heutigen Bedürfnissen an einen musealen Betrieb angepasst worden. «Es ist ein Bijou, das seinesgleichen sucht», sagte Hürzeler, nachdem er mit Museumsleiterin Christine von Arx das Haus und die neu gestaltete Ausstellung besichtigt hatte.

Impressionen des sanierten und modernisierten Museums Burghalde:

Impressionen des sanierten und modernisierten Museums Burghalde. Hier der neue Eingang zum Museum.
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Impressionen des sanierten und modernisierten Museums Burghalde mit dem grosszügigen Besucherempfang.
Impressionen des sanierten und modernisierten Museums Burghalde.
Impressionen des sanierten und modernisierten Museums Burghalde.
Impressionen des sanierten und modernisierten Museums Burghalde.
Impressionen des sanierten und modernisierten Museums Burghalde.
Impressionen des sanierten und modernisierten Museums Burghalde.
Impressionen des sanierten und modernisierten Museums Burghalde.

Impressionen des sanierten und modernisierten Museums Burghalde. Hier der neue Eingang zum Museum.

Architekturbüro Graf Stampfli Jenni Architekten AG Solothurn:

Eine interaktive Erlebniswelt

Tatsächlich hat sich das Museum zu einer interaktiven Erlebniswelt gewandelt, die einlädt zum Schauen, Staunen und Anfassen. «Es gibt kaum eine Stadt in dieser Grössenordnung, die ein derartiges Museum ihr Eigen nennen darf», hielt Hürzeler fest. «Sie haben eine moderne Ausstellung geschaffen, die über die Region hinaus Besucher anlocken wird. Hoffentlich auch Fricktaler», meinte der Regierungsrat, der selber aus dem Fricktal stammt, mit einem Augenzwinkern.

Sichtlich zufrieden zeigte sich auch Stadtammann Daniel Mosimann, der zugleich die Baukommission der Museumssanierung präsidiert hatte. «Ich bin stolz, dass wir hier ein solch grandioses Museum haben. Hier werden Zeugnisse unserer Geschichte über alle Sinne erlebbar gemacht und moderne interaktive Lösungen eingesetzt.» Ermöglicht habe dies ein grosszügiger Baukredit der Ortsbürgergemeinde (siehe Text unten), ein grosser Beitrag aus dem Swisslosfonds und namhafte Zustupfe von Donatoren.

Für Architekt Benedikt Graf gehört das Museum zu einer Reihe weiterer Bauprojekte (Schulbauten Angelrain und Lenzhard sowie Überbauung Sandweg/Eisengasse in der Altstadt), die sein Büro Graf, Stampfli, Jenni Architekten AG, Solothurn, in den letzten Jahren in Lenzburg realisiert hat.

Zu den treibenden Kräften hinter dem Projekt gehört zweifellos Urs F. Meier, Präsident der Stiftung Museum Burghalde. Er hat sich tatkräftig für die Modernisierung des Museums eingesetzt. «Freiwilligkeit, Interesse an der Historie und die Liebe zum Städtli hatten bei den Hütern des Museums oberste Prämisse.» Das war bei seinen Vorgängern so und ist auch bei ihm nicht anders. Museumsleiterin Christine von Arx ist froh, zum Kerngeschäft zurückzukehren. «Ich freue mich, den Museumsbetrieb wieder aufzunehmen, Kontakt zu den Besuchern zu haben, neue Projekte zu realisieren.»

Ortsbürger investieren 6,7 Mio. in einen modernen Museumsbetrieb

Kompromiss verhindert Scherbenhaufen im Museum: So titelte die AZ am 17. März 2015, nachdem die Ortsbürger von Lenzburg in einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung den Weg frei gemacht hatten für den Umbau des Museums; dies nach über 30-jähriger unveränderter Betriebseinrichtung. Die Ortsbürger knüpften die Kreditsprechung jedoch an die Auflage, dass 2,2 Millionen der gesamten Baukosten von 6,7 Millionen Franken mit Drittelmittel finanziert werden mussten. Das neue Museum ist barrierefrei; im denkmalgeschützten Haus wurde ein Lift eingebaut. Die Ausstellungsfläche über vier Geschosse beträgt 873 Quadratmeter. Zum Ausstellungsinhalt sagt Museumsleiterin Christine von Arx: «Es ist eine Schatzkammer für 15 000 Jahre Kultur- und Menschheitsgeschichte am Beispiel von Lenzburg. Ausgehend vom Lokalgeschehen wird die Tür zu allen grossen Themen aufgestossen.» Zum Museum Burghalde gehört zudem die Urgeschichtswerkstatt, in der jährlich über hundert Schulklassen — nun unter modernen Bedingungen — steinzeitliches Handwerk selbst ausprobieren können. Ebenfalls Teil des Museums ist seit 2002 eine Ikonensammlung mit 64 Heiligenbildern russischer Herkunft. Die Ikonen sind eine Schenkung des einstigen Triemli-Chefarztes und Ortsbürgers Urs Peter Haemmerli. Mit dem Umbau ist die Sammlung zu einem eigenen Museum im Museum gewachsen; dem einzigen in der Schweiz. (str)