Erfolgsbilanz

Ein goldenes Jahr: 3,14 Millionen Gewinn für Lenzburg

Das Rathaus soll als Verwaltungszentrale abgelöst werden.

Das Rathaus soll als Verwaltungszentrale abgelöst werden.

Trotz erfreulichem Rechnungsabschluss 2019 ist eine Steuerfusssenkung für den Stadtrat kein Thema.

Finanzministerin Franziska Möhls Miene widerspiegelte die aktuelle Situation des Lenzburger Finanzhaushaltes. «Ich darf Ihnen einen ausserordentlich erfreulichen Jahresabschluss 2019 der Einwohnergemeinde Lenzburg präsentieren», sagte sie gestern Morgen bei der Vorstellung der Zahlen mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht.

Lenzburg schreibt für 2019 einen Gewinn von 3,14 Millionen Franken. Dieser Betrag liegt leicht unter dem Budget, weil rund 2,1 Millionen Franken zusätzliche Abschreibungen vorgenommen worden sind. «Ohne diese Mehrbelastung wäre das Gesamtergebnis deutlich besser ausgefallen», erklärte Franziska Möhl.

Sportliche Zielsetzung bei den Steuern erreicht

35,4 Millionen Franken flossen in Form von Steuern in die Stadtkasse. Das ist rund eine Viertelmillion Franken mehr als vor Jahresfrist. Vizeammann Möhl kommentierte das Ergebnis so: «Dieser Steuerertrag war sportlich, aber realistisch budgetiert. Doch es war kein Spaziergang, ihn zu erreichen.» Rund 30,5 Millionen gehen auf das Konto der Einkommens- und Vermögenssteuern natürlicher Personen inklusive Quellensteuern. Die Steuerkraft pro Einwohner belief sich 2019 auf 3055 Franken und ist laut Möhl in der mittlerweile auf 10828 Personen gewachsenen Stadt in etwa stabil.

Die Aktiensteuern betrugen 4,1 Millionen Franken und waren damit leicht tiefer als im Vorjahr. Das Steuersubstrat der natürlichen Personen ist gegen acht Mal höher, was wiederum zeigt, dass Lenzburg nicht am Tropfen der juristischen Personen hängt.

Hingegen tiefer ausgefallen, als erwartet, ist die Dividende der SWL Energie AG. Mit 1,2 Millionen Franken hat die 100-prozentige Tochtergesellschaft der Stadt 700000 Franken weniger abgeliefert als vorgesehen. «Diese Zahl war ambitiös budgetiert. Aufgrund des warmen Winters hat die SWL Energie AG weniger Gas verkauft als angenommen, was sich auf das Geschäftsergebnis ausgewirkt hat», kommentierte Möhl die deutlich tiefere Dividendenzahlung.

Reorganisation der Sozialbehörde trägt Früchte

Auf der Ausgabenseite zeigt die Reorganisation der Sozialbehörde erste positive Wirkung. Lenzburg gab für Sozialhilfe 2,9 Millionen Franken aus. Das sind rund 205000 Franken weniger, als im Vorjahr angefallen sind. Dies, obwohl im gleichen Zeitraum die Zahl der Fälle laut Möhl von 250 auf 257 gestiegen ist. Vor Jahresfrist hatte Franziska Möhl noch erklärt, man erwarte, dass «dieser Betrag nicht weiter ansteigt». Dank zusätzlicher Ressourcen konnten die Dossiers effizienter bearbeitet werden und Rückzahlungsforderungen rascher geltend gemacht werden.

Für 2019 beträgt der Selbstfinanzierungsgrad 295 Prozent. Aktuell ist die Stadt mit sechs Millionen Franken verschuldet, was einer Nettoschuld pro Einwohner von 557 Franken entspricht. Den höchsten Schuldenstand verzeichnete Lenzburg vor 20 Jahren mit 4180 Franken pro Kopf.

Trotz hoher Liquidität keine Negativzinsen bezahlt

Aufgrund tiefer Investitionen im vergangenen Jahr verfügte Lenzburg über hohe flüssige Mittel. Die Liquidität wurde abgebaut, indem der Tochter, SWL Energie AG, ein kurzfristiges Darlehen von drei Millionen Franken gewährt wurde. Weitere 1,3 Millionen hat Lenzburg in der Arbeitgeberbeitragsreserve bei der Aargauischen Pensionskasse parkiert. «Bis heute hat die Stadt Lenzburg keinen Franken Negativzinsen bezahlt», zeigt sich die Finanzministerin zufrieden.

Trotz lauter schwarzer Zahlen ist für Vizeammann Möhl der Steuerfuss kein Thema. Allfällig aufkommenden Gelüsten nach einer Senkung des aktuell gültigen Satzes von 105 Prozent erteilt sie schon jetzt eine Absage. «2019 haben wir Luft geholt. Wir wappnen uns jetzt für die Zukunft», sagt sie.

Die Einwohnergemeinde Lenzburg steht vor Bauprojekten mit einem hohen Investitionsvolumen. Die neue Verwaltungszentrale («Lenzburg 21»), der Bahnhof, der Sanierung des Knotens Freiämterplatz und Investitionen in Schulinfrastruktur sind die grössten anstehenden Ausgabeposten. Im Investitionsplan sind bis 2024 insgesamt 53 Millionen Franken eingestellt. Davon will Lenzburg 35 Millionen Franken aus eigener Kraft stemmen. Der Steuerfuss soll dabei möglichst nicht angetastet werden.

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