Seetal
Dieser Verein schützt bekannte Schätze im Tal – und forscht nach neuen

Die 96 Jahre alte Historische Vereinigung Seetal und Umgebung hat über die Jahrzehnte immer mehr Aufgaben übernommen – eines ihrer Herzstücke ist die jährlich erscheinende «Heimatkunde aus dem Seetal».

Michael Küng
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Daniel Humbel präsidiert die Vereinigung seit neun Jahren und koordiniert zahlreiche Forschungsprojekte.

Daniel Humbel präsidiert die Vereinigung seit neun Jahren und koordiniert zahlreiche Forschungsprojekte.

Michael Küng

Seit mittlerweile fast zehn Jahren ist Daniel Humbel (60) Präsident der Historischen Vereinigung Seetal und Umgebung. «Zu ihren besten Zeiten», sagt er, «hatte die Vereinigung über tausend Mitglieder. Diese Zeiten sind heute natürlich schon lange vorbei. Trotzdem haben wir heute aber immer noch gut 480 Mitglieder», sagt der Handelslehrer.

Was macht der 96 Jahre alte Verein? Über die Jahrzehnte hat er immer mehr Aufgaben übernommen. «Wir sichern etwa archäologische Fundstellen, organisieren professionelle Grabungen und betreiben verschiedenste Einrichtungen. Darunter die Steinzeitwerkstatt in Boniswil, die sich dank anhaltendem Erfolg 2012 selbstständig machen konnte», führt Humbel aus. Dazu kommen Vorträge und verschiedene grössere Anlässe für die Öffentlichkeit wie die Kulturwerkstatt Seetal.

Der Verein engagiert sich auch finanziell, so war etwa die Beteiligung an der Restaurierung der Römervilla in Sarmenstorf sehr kostspielig. «Wir haben allerdings nicht die Ressourcen, um alles alleine zu machen. Die Kooperation mit Fachstellen hat deshalb gerade in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen», sagt Humbel. So arbeitet der Verein mit der Kantonsarchäologie zusammen, pflegt Kontakte zur Denkmalpflege und ist traditionell mit dem Schloss Hallwyl eng verbunden. Dazu kommen zahlreiche Vereine, Interessengemeinschaften, Kulturfonds und Einzelpersonen, die mit der Historischen Vereinigung zusammenarbeiten oder sie unterstützen.

Aufstieg und Fall einer Dynastie

Eines der Herzstücke der Historischen Vereinigung ist die jährlich erscheinende «Heimatkunde aus dem Seetal». Die erste Ausgabe erschien 1926, vier Jahre nach der Gründung durch den Seenger Bezirkslehrer Reinhold Bosch. Er war auch der Gründer der Boniswiler Steinzeitwerkstatt und wurde später der erste Aargauer Kantonsarchäologe.

Im Geleit der ersten Ausgabe der Heimatkunde schrieb er: «Unser bescheidenes Blättchen stellt sich in den Dienst der Heimat. Was sagt uns nicht alles das Wörtchen Heimat! Welch enorme Schätze birgt es nicht in sich! Unser höchstes Ziel aber ist, die Liebe zur Heimat zu verstärken und zu vertiefen».

92 Jahre später führt die aktuelle Ausgabe reich bebildert durch die abwechslungsreiche Geschichte der Seenger Gastwirtschaft, die einst weitherum dafür bekannt war, 13 Wirtshäuser zu haben, mehr als jedes andere Dorf weit und breit.

Den dramatischen Höhepunkt bildet die Aufarbeitung der bewegten Geschichte der Hugenotten-Familie Brutel. Aus Montpellier nach Nyon geflohen, verschlug es sie 1736 nach Schafisheim. In der Folge baute sie in der ganzen Region Betriebe auf und betrieb regen Handel. Einst steinreich, fand das Geschlecht 356 Jahre nach seiner Entstehung 1996 sein trauriges Ende, als der letzte Nachfahre Max Brutel in der psychiatrischen Klinik Königsfelden verstarb, einsam und mittellos.

Moderne Geschichtsschreiber

Anspruchsvoll weiter geht es mit einem Essay, dessen Autoren versuchen, die geografische Grenze des Seetals zu finden und dabei scheitern. Ihr Fazit: «Eigentlich ist das auch gut so: Ohne klare Grenzen dürfen sich möglichst viele Aargauer und Luzerner als ‹Seetaler› bezeichnen, und im Umland wird niemand von der Zugehörigkeit zu diesem lieblichen Tal ausgeschlossen.» Seit der ersten Ausgabe wird die Heimatkunde als etwa gleich grosses, 80 Seiten dickes Büchlein herausgegeben.

Stark verändert hat sich allerdings der Inhalt: Beschränkte sich die erste Ausgabe noch auf ein, zwei Seiten lange Berichte und die anekdotische Abschrift einzelner historischer Dokumente, sind die Artikel heute 20 bis 40 Seiten lang. Es sind keine kurzen Erzählungen mehr, sondern komplexe Abhandlungen, wissenschaftliche Untersuchungen und detaillierte Forschungsarbeiten, die Themen behandeln, an die sich manchmal noch keiner zuvor gewagt hat. Der Verein kultiviert die Geschichte also nicht nur – er schreibt sie mit.

Archäologische Sehenswürdigkeiten im Aargau:

Baden: Burgruine Stein Die Burg Stein auf dem Schlossberg bei Baden ging vermutlich aus einer frühmittelalterlichen Fluchtburg hervor. Heute bietet sie einen tollen Blick über Baden.
35 Bilder
Beinwil am See: Pfahlbauten im Aegelmoos Unsichtbares Welterbe: In Beinwil am See liegen 6000 bis 3000 Jahre alte Pfahlbauten unter Wasser. Die Uferstelle ist jederzeit frei zugänglich.
Bergdietikon: Burgruine Kindhausen Die Burg Kindhausen wurde im 11. oder frühen 12. Jahrhundert gegründet und bestand aus einem mehrgeschossigen Steinhaus. Heute sind noch Reste von Turm und Wohnhaus sichtbar. Vorort findet man zudem eine Feuerstelle.
Böbikon: Burgruine Böbikon Am Rand eines Tobels liegt die Burg Böbikon. Sie ist eine Gründung des späten 11. Jahrhunderts und bestand weitgehend aus Holzbauten.
Brugg: Römisches Kastell Altenburg Noch heute bewohnt: In Brugg liegen die Reste eines spätantiken Kleinkastells aus dem vierten Jahrhundert, dessen Mauern stellenweise meterhoch erhalten sind. In einem Teil der Anlage befindet sich die Jugendherberge Brugg.
Brunegg: Schloss Brunegg Erst Burgruine, dann Krankenanstalt, heute Schloss: Die Burg Brunegg wurde in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts als Sitz habsburgischer Dienstleute erbaut. Heute befindet sich das Gebäude in Privatbesitz.
Denbüren: Burgruine Urgiz Vom Bischofsbesitz an die Effinger zu den Bernern: Die Burg Urgiz (vermutlich aus dem 13. Jahrhundert) besass eine dicke Mauer zum Schutz vor Wurfmaschinen und Kanonen. Neben der Ruine befindet sich ein Grillplatz.
Effingen: Römische Strasse am Bözberg Über den Bözberg bei Effingen führte in der Römerzeit eine Strasse. Sie wurde bis ins Mittelalter genutzt. Die heute noch sichtbaren in den Fels eingegrabenen Karrgeleise sind vermutlich durch die jahrhundertelange Nutzung entstanden.
Gipf-Oberfrick: Burgruine Alt-Tierstein Die Burgruine Alt-Tierstein liegt oberhalb von Gipf-Oberfrick und bietet eine weite Aussicht über das Fricktal. Die Burg gilt als die Stammburg der Grafen von Tierstein. Bis zu ihrer Aufgabe im 15. Jahrhundert blieb sie in deren Besitz.
Koblenz: Römischer Wachturm Kleiner Laufen Kaiser Valentinian (364–375 n. Chr.) liess rund 50 Wachtürme und andere militärische Anlagen zwischen Basel und Bodensee errichten. Zu diesen zählt auch der noch heute erhaltene «Kleiner Laufen».
Küttigen: Burgruine Königstein und Burgruine Horen Die Burgruine Königstein (im Bild) wurde im zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts erbaut. Die Burgruine Horen stammt aus dem 11. Jahrhundert. Vom früheren Turm ist eine eine Ringmauer erhalten. Die früheren Bewohner stammten wohl vom Hochadel.
Laufenburg: Burgruine Laufenburg Die Burgruine Laufenburg wurde 1207 erstmals urkundlich erwähnt. Der Schlossberg trug jedoch vermutlich schon in spätrömischer Zeit einen Wachtturm.
Möhlin: Die römischen Wachtürme am Rhein Kaiser Valentinian (364–375 n. Chr.) liess rund 50 Wachtürme und andere militärische Anlagen zwischen Basel und Bodensee errichten. Vom Römischen Wachturm Untere Wehren und dem Wachturm Fahrgraben (im Bild) sind noch heute Teile erhalten.
Möhlin: Frühmittelalterliche Befestigung am Bürkli Das Bürkli ist eine der ältesten Adelsburgen der Schweiz. Die weitläufige Anlage nimmt eine dreieckige Schotterterrasse zwischen dem Rhein und dem Möhlinbach ein. Dort stand vermutlich einst ein römischer Wachturm.
Möriken-Wildegg: Höhensiedlung Kestenberg Auf dem steilen Grat des Kestenbergs zwischen den Burgen Burnegg und Wildegg ist ein kleines Plateau durch zwei 20−30 Meter breite und 5 Meter tiefe Gräben abgetrennt. Dort stand vor ca. 3000 Jahren (Spätbronzezeit) ein Dörfchen, das 1951-53 augegraben wurde.
Oberlunkhofen: Römischer Gutshof mit Badeanlage In der Antike lag bei Oberlunkhofen ein römischer Gutshof mit Badeanlage. Die Ruinen sind noch heute zu sehen.
Oftringen: Burgruine Alt Wartburg Die Ruine Alt Wartburg liegt auf dem Gipfel des Säli mit Blick über das Aare- und Wiggertal. Der Zugang zur Burg führte über einen Felsenweg um die Südseite des Burgfelsen.
Riniken: Burgruine Iberg Gräben, ein Brand und ein unvollendeter Turm: Die Burg Iberg aus dem 11. Jahrhundert hat eine bewegte Geschichte. Bei der Ruine gibt es einen Picknickplatz mit Feuerstelle.
Sarmenstorf: Grabhügel Zigiholz und Römische Villa Im Zigiholz bei Sarmenstorf liegen 21 Hügelgräber (im Bild) aus der Bronzezeit. In der Antike gab es auch eine römische Villa. Die Mauerzüge des Gutshofes «Murimooshau» sind noch heute sichtbar.
Schlossrued: Burgruine Alt Rued Der «Ruinenweg» führt zur Burgruine Alt Rued. Die Herren von Rued, Besitzer der Burg, sind im 14. Jahrhundert ausgestorben.
Seengen: Jungsteinzeitliches Haus (Rekonstruktion) im Moos In Seengen erinnert ein Pfahlbauhaus an die Zeit der Pfahlbauer. Dieses wurde im Jahr 1989 vom Rotary-Club Lenzburg in Zusammenarbeit mit Max Zurbuchen gebaut. Zudem liegt ein römisches Mosaik noch an Ort und Stelle.
Seon: Grabhügel im Niederholz Im Wald bei Seon sind zwei Grabhügel noch heute zu sehen. Sie stammen aus der älteren Eisenzeit (Hallstattzeit) und mittleren bis späten Bronzezeit (ca. 1500−1200 v. Chr.).
Sins: Stadtwüstung Meienberg Gründer der Stadt Meienberg waren die Grafen von Habsburg, die um 1240 die Stadt an der Stelle einer älteren Siedlung errichten liessen. Zu sehen ist heute noch der Stadtgraben und Teile der Stadtmauer sowie weitere Teile im Amthaus von Meienberg.
Tegerfelden: Burgruine Tegerfelden Die Burg war der Sitz der Herren von Tegerfelden. Die Familie stieg im Laufe der Geschichte hoch auf.
Talheim: Burgruine Schenkenberg Die imposanteste Burg des Kantons: Die Ruine Schenkenberg thront auf dem gleichnamigen Berg ob Thalheim. Wahrscheinlich wurde sie in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts gegründet.
Unterlunkhofen: Grabhügel im Bärhau Die 63 Grabhügel im Bärhau sind der grösste bekannte Friedhof der älteren Eisenzeit. Sie wurden im 8. Jahrhundert v. Ch. aufgeschüttet.
Untersiggenthal: Burgruine Freudenau Die Burg Freudenau wurde in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts erbaut. Der Turm war ein Lehen der Grafen von Habsburg, die übrigen Burggebäude und das Burggut ein Lehen des Klosters Säckingen. An der Ruine gibt es einen Picknickplatz mit Feuerstelle.
Villigen: Burgruine Besserstein Auf dem Geissberg in Villigen steht die Ruine Besserstein (12. oder 13. Jahrhundert). Davor liegen die Wälle einer Befestigungsanlage. Vor Ort befindet sich ein Picknickplatz mit Feuerstelle.
Windisch: Das antike Vindonissa Noch heute sind die Spuren der Römer in Brugg und Windisch sichtbar. Viele Monumente sind frei zugänglich. Zum Beispiel das mächtige West- und Nordtor des Legionslagers, die einzige noch funktionierende römische Wasserleitung nördlich der Alpen und die malerische Ruine des Amphitheaters.
Wittnau: Spätrömische Befestigung auf dem Horn Über Jahrtausende war der steil aufragende Wittnauer Horn Wohnort und Schutzort für Menschen. Immer noch sichtbar sind Teile einer Mauer der Anlage, die in der Zeit des römischen Bürgerkrieges als Fluchtburg gedient hat.
Wittnau: Burgruine Alt Homberg Die Burgruine Alt Homberg besteht aus einer Kern- und einer Unterburg. 1869, 1882 und 1884 wurde die Burgruine Alt Homberg durch junge Männer aus Wittnau unter Anleitung von Dorfpfarrer Hermann Müller mit grossem Enthusiasmus ausgegraben.
Zeihen: Histrorischer Bergbau und Pingenfeld Sommerhalde In Zeihen wurde in historischer Zeit Eisenerz abgebaut. Noch heute zeugen davon tiefe, trichterförmige Gruben, die an der Sommerhalde im Wald sichtbar sind.
Zofingen: Römischer Gutshof mit Badeanlage Kunstvoll gefertigte Mosaikböden und die Überreste eines der grössten römischen Gutshöfe im Aargau lassen sich in Zofingen bestaunen. Die Mosaikräume wurden bereits 1831 mit zwei klassizistischen Schutzbauten versehen und dadurch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. (Täglich 9.00-17.00 Uhr)
Zofingen: Burgruine Bottenstein Nach der Burg Bottenstein nannte sich eine kyburgische, später habsburgische Dienstadelsfamilie. Sie entstand im 13. Jahrhundert.
Bad Zurzach: Römisches Kastell mit frühchristlichem Taufbecken In Bad Zurzach sind die Reste eines römischen Kastells (300 n. Chr.) zu sehen. Im 5. Jahrhundert errichteten Christen in dem von den Römern verlassenen Brückenkastell auf dem Kirchlibuck eine Kirche. Das Taufbecken und die Grundmauern sind heute noch sichtbar.

Baden: Burgruine Stein Die Burg Stein auf dem Schlossberg bei Baden ging vermutlich aus einer frühmittelalterlichen Fluchtburg hervor. Heute bietet sie einen tollen Blick über Baden.

Kanton Aargau; Foto: Béla Polyvàs