Lenzburg
Die Villa-Malaga-Millionen sollen in einen Leuchtturm des Stapferhauses fliessen

Der Einwohnerrat entscheidet über den Stadtbeitrag für den Kauf vom «Haus der Gegenwart». Zwei Millionen Franken stehen im Raum. Und die haben eine grosse symbolische Bedeutung, sagt Stapferhaus-Leiterin Sibylle Lichtensteiger.

Fritz Thut
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Der vorgesehene Standort für das «Haus der Gegenwart» beim Lenzburger Bahnhof.

Der vorgesehene Standort für das «Haus der Gegenwart» beim Lenzburger Bahnhof.

Fritz Thut

Der Erlös der Stadt Lenzburg aus dem 2011 erfolgten Verkauf der mittlerweile verwildernden Villa Malaga (az von gestern Mittwoch) soll einem kulturellen Leuchtturm zugutekommen: Zwei Millionen Franken soll die Stadt an den Kauf des Landes beisteuern, auf dem die Stiftung Stapferhaus beim Bahnhof eine fixe Ausstellungshalle plant.

Das 1960 gegründete Stapferhaus sorgt schon seit 20 Jahren mit seinen themenbezogenen Ausstellungen schweizweit und darüber hinaus für grosse Beachtung. Diese Ausstellungen sollen nun eine feste Bleibe bekommen. Als Standort für das «Haus der Gegenwart» sind die Parzellen 2651 und 2747 beim Bahnhof und dem Gebäude der Neuen Aargauer Bank vorgesehen.

Idealer Standort

Das als «Bahnhof Süd» bezeichnete Areal liegt für den vorgesehenen Verwendungszweck ideal (az vom 31. Oktober). Es ist mindestens gleichwertig wie der Post-Parkplatz, der aus einer fundierten und von der Stadt Lenzburg mitfinanzierten Standortevaluation als Sieger hervorging.

Ein neuer Standort ist nötig, weil das für die letzten Stapferhaus-Ausstellungen verwendete Zeughausareal zeitlich nicht mehr unbeschränkt zur Verfügung steht und das Stapferhausteam immer wieder zu Konzessionen zwang. «Unser Erfolg ruft nach einem neuen Modell», fand Stapferhaus-Leiterin Sibylle Lichtensteiger an einer Information für die Einwohnerräte einen passenden Slogan.

Das Zeughaus habe «keine Zukunft»: Nachhaltigkeit und Behindertentauglichkeit fehlen. Man sei «immer ein wenig am Basteln», könne aber aufgrund der Konstruktion keine ökologische Lösung finden: «Im Zeughaus sind keine Investitionen möglich.»

Fingerzeig nach «Aarau»

Aus diesem Grund machte man sich im Jubiläumsjahr 2010 – 50 Jahre Stapferhaus – auf die Suche nach einer Dauer-Lösung. Nach dem Grundsatz-Entscheid des Kantons zugunsten von Lenzburg als Standortgemeinde wurde innerhalb der Stadt Ausschau gehalten nach dem besten Standort. Mit «Bahnhof Süd» ist dieser nun gefunden – was aber keinesfalls das Ende der Vorbereitungsarbeiten bedeutet. Eher das Gegenteil.

Mit den Landbesitzern konnte ein Vorvertrag abgeschlossen werden, der allerdings vorsieht, dass der gesamte Kaufpreis von 5,7 Millionen Franken bis Ende Juni 2014 überwiesen werden muss, ansonsten eine Konventionalstrafe fällig wird.

Nun muss die Mannschaft um Lichtensteiger die Finanzierung von Landkauf, Neubau und späterem Betrieb sicherstellen. Auf der ersten Etappe ist sie dabei auf die Hilfe der Standortgemeinde angewiesen. Die Zusicherung eines Beitrags von zwei Millionen Franken an den Landkauf hat eine grosse symbolische Bedeutung: «Der Regierungsrat hat signalisiert, dass der Entscheid des Einwohnerrates wichtig für die Kantonsbeteiligung ist», unterstrich Lichtensteiger die Tragweite des Entscheids an der letzten Sitzung des Gemeindeparlaments in alter Zusammensetzung am 6. Dezember.

Der Aargau als grösster Geldgeber des kantonalen Leuchtturms Stapferhaus entscheidet im nächsten März über das Gesamtprojekt, dessen Baukosten momentan auf rund 14 Millionen Franken prognostiziert werden.

Dafür erhält die Stadt Lenzburg einen Publikumsmagneten. Die Stapferhaus-Leiterin erinnerte die Einwohnerräte daran, dass die Ausstellungen («Entscheiden» als wirtschaftlich bisher erfolgreichste Ausstellung zog schon über 80 000 Besucher an) nicht nur zum Image der Stadt beitragen, sondern auch einen Wirtschaftsfaktor darstellen: Fast ein Viertel aller Gäste frequentiert nach dem Besuch noch ein Restaurant oder einen Laden in der Stadt.

Kredit von 184 000 Franken

Als der Einwohnergemeinde Lenzburg 1970 die Villa Malaga vermacht wurde, gab es die Auflage, sie für einen «kulturellen oder gemeinnützigen Zweck» zu verwenden. Nach dem Verkauf 2011 wurde der Erlös von aktuell 1,816 Millionen Franken für eine Gelegenheit, wie sie sich nun bietet, zur Seite gestellt. Zur Aufrundung auf die angestrebten zwei Millionen ist formell noch ein Nachtragskredit zulasten des Budgets 2014 von 184 000 Franken nötig, wie Finanzministerin Franziska Möhl erläuterte.

Für Stadtammann Daniel Mosimann ist das «Haus der Gegenwart» am vorgesehenen Ort «eine ideale, weit ausstrahlende Werbeplattform für die ganze Tourismusregion Lenzburg-Seetal».

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