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Der Hallwilersee wird kaum zu einem Paradies für Kitesurfer

Die Schweizer Kitesurf-Szene hat sich formiert: Gleich sieben Bundesparlamentarier reichten Motionen ein. Sie wollen das Kitesurfen auf Schweizer Gewässern grundsätzlich erlauben. Auf dem Hallwilersee dürfte es trotzdem zu keinem Boom kommen.

Daniel Fuchs
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Die sieben fast gleich lautenden Motionen stammen aus den Federn von Parlamentariern jeder politischen Couleur: Darunter die Aargauer Nationalräte Ruth Humbel (CVP), Cédric Wermuth (SP) und Bernhard Guhl (BDP).

Aber auch Nathalie Rickli (SVP) oder der Obwalder Ständerat Hans Hess (FDP) reichten je eine Motion ein. Alle fordern sie eine Gleichstellung des Kitesurfens mit anderen Wassersportarten. Das Surfen mit einem Lenkdrachen soll also auf Schweizer Seen grundsätzlich erlaubt werden.

Rückenwind erhalten die Kitesurfer und Politiker von der ISAF, der International Sailing Federation, die Anfangs Mai entschied, dass Kitesurfen olympisch wird. Schon an den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro soll Kitesurfen die Disziplin Windsurfen abgelöst haben.

Hinter dem politischen Vorstoss stecken die Organisationen Pro Kitesurfen Schweiz und Swiss Sailing – der Schweizerische Segelverband. Mit den Motionen nimmt der Druck auf den Bundesrat zu, am 2001 eingeführten Verbot etwas zu ändern.

Zum Teil lange Anfahrtswege

Zwar können die Kantone bereits heute Gewässer zur Nutzung durch Kitesurfer freigeben, doch müssen Sportler zum Teil lange Anreisewege in Kauf nehmen, um ihrem Hobby – etwa auf den Engadinerseen, dem Boden-, Urner oder Neuenburgersee – zu frönen.

So geht es auch den Aargauer Kitesurfern. Auf dem Hallwilersee ist Windsurfen zwar erlaubt, Kitesurfen dagegen verboten. Doch müsste mit einem Boom gerechnet werden, wenn sich an der Bundesgesetzgebung etwas ändern würde?

Hallwilersee wird nie zum Kite-Mekka

Grundsätzlich hätte es genug Platz für Kitesurfer auf dem Hallwilersee, sagt der Präsident des Segelclubs Hallwil, Martin Strobel. Die Sportler würden sich erst dann auf dem Wasser austoben, wenn es für alle anderen Nutzer bereits zu garstig sei. «Kitesurfer brauchen sehr viel mehr Wind als Segelboote, die meisten Segelsportler gehen ab einer bestimmten Windgeschwindigkeit jedoch nicht mehr auf den See», erklärt Strobel.

Das bestätigt auch der Projektleiter von Pro Kitesurfen Schweiz, Mario Kaufmann: «Unter einer Windstärke von vier Beaufort geht gar nichts.» Windsurfen und Segeln sei dagegen bei weniger starkem Wind möglich. Trotzdem: Für Kaufmann hat der Hallwilersee nicht oberste Priorität. Vielmehr hofft er, dass es gelingen möge, das Verbot auf dem Sempachersee aufzuheben (siehe Box).

Verbot auf dem Sempachersee

Bis vor einem Jahr war Kitesurfen auf dem Sempachersee erlaubt. Doch dann änderte der Kanton Luzern seine Schifffahrtsverordnung und verbot es.

Das Argument: Der Sempachersee sei zu klein für die Kitesurfer, die viel Platz beanspruchten. Der Kanton befürchtete Konflikte mit Ruderern und Schwimmern.

Die Windstärke ist aber nur das eine, er sollte auch möglichst konstant sein. Doch gerade diese Komponente fehlt auf dem Hallwilersee. Christine Glaus, die in Meisterschwanden eine Surf-Schule betreibt, weiss das. Noch bevor das nationale Verbot 2001 in Kraft trat, hätten es einmal zwei Kitesurfer versucht. «Sie kamen aber nie wieder», erinnert sich Glaus. Zu lau blies das Lüftchen auf dem Hallwilersee.

Parlament hat die Sache in der Hand

Gespannt wartet die Kite-Szene nun auf die Behandlung der Vorstösse im Plenum während der Herbstsession. Stimmen beide Kammern den Motionen zu, muss der Bundesrat über die Bücher und seine Haltung – wie sie Doris Leuthard dargelegt hatte (siehe Box unten) – wohl oder übel revidieren.

Noch hält der Bundesrat am Verbot fest

Ebenfalls in der vergangenen Sommersession wollte SVP-Nationalrätin Nathalie Rickli in der Fragerunde vom Bundesrat wissen, ob dieser Willens sei, Kitesurfen in der Schweiz wieder unbeschränkt zuzulassen.

Die zuständige Bundesrätin, Umweltministerin Doris Leuthard, sorgte mit ihrer Antwort für Heiterkeit: Kitesurfen gehöre offenbar zu Ricklis Hobbys. Jedoch seien die früheren Sicherheitsbedenken auch heute noch gültig und verunmöglichten «auf den von anderen Freizeitsportlern und der Fahrgastschifffahrt stark genutzten schweizerischen Gewässern eine unbeschränkte Zulassung».

Leuthard wies aber darauf hin, dass die Gewässerhoheit bei den Kantonen liege. Diese könnten trotz des bundesweiten Verbots auf ihren Gewässern Zonen zum Kitesurfen freigeben. (dfu)

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